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Zeit, sich unbeliebt zu machen, Mr. President

Ein drittes Mal kann Barack Obama nicht gewählt werden. Er könnte also die unbequemen Dinge anpacken.

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Barack Obama hat seine zweite Chance bekommen. Zwar nicht so fulminant wie beim ersten Mal, dafür härter erkämpft. Ein drittes Mal kann Barack Obama per Gesetz nicht gewählt werden. Das eröffnet neue Möglichkeiten für seine zweite Amtszeit: Charmeoffensiven und Samthandschuhe sind nicht mehr notwendig.

Obama II. kann die unbequemen Dinge, die so dringend getan werden müssen, ohne Rücksicht auf herannahende Wahltermine anpacken. Eile ist geboten. Denn die Gefahr, dass sich die amerikanische Gesellschaft in wenige Reiche und viele Habenichtse verwandelt, ist groß. Der Handlungsspielraum des Präsidenten ist allerdings begrenzt. Das politische System in den USA gibt den Republikanern viele Gelegenheiten zu Querschüssen. Mit Triumphgehabe, das angesichts des hauchdünnen Siegs der Demokraten ohnehin nicht angebracht ist, sind die nötigen republikanischen Stimmen im Kongress nicht zu holen. Mit der beharrlichen Suche nach Kompromissen schon eher. Obama hat mit seiner Gesundheitsreform einen ersten Schritt getan und gezeigt, dass es geht.

Was dem Präsidenten helfen dürfte: Die republikanische Front, die in den vergangenen vier Jahren aus Prinzip dagegen war und Obamas versprochenen "Change" zu einem "Nice Try" verkommen ließ, bröckelt. Zu viele Republikaner bereuen schon jetzt, den Hardlinern in ihren Reihen gegen so ziemlich jede Minderheit, und sei sie noch so groß, in die Wahlschlacht gefolgt zu sein: Gegen Schwule sowieso. Gegen Einwanderer, seit Romney bei einer verdeckt aufgezeichneten Ansprache über "die Schmarotzer" lästerte. Und am Ende auch gegen Frauen. Romneys Ansatz zum Thema Lohngerechtigkeit sieht vor, dass Frauen rechtzeitig zu Hause sind, um ihren Familien das Abendessen zuzubereiten. Romney vergraulte viele Schichten. Doch die weiße Mehrheit im Land zu gewinnen genügt nicht mehr. Das haben bis auf die Ewiggestrigen von der Tea Party inzwischen alle erkannt.

"Egal, woran du glaubst, wo du herkommst, ob du weiß oder schwarz bist, Latino oder Indianer, schwul oder hetero: Du kannst es hier schaffen", so präsentierte sich Obama am Dienstag einmal mehr als Präsident aller US-Amerikaner. "Heute habt ihr Taten gewählt und keine Politik nach altem Schema." Die mutigere Stimme hat gewonnen. Nun muss sie sich durchsetzen. Zeit, sich unbeliebt zu machen, Mr. President. Good luck.



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