| Standpunkt

Eine Faust aus der Tiefe des ORF

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Sidos Faustschlag gegen Dominic Heinzl ist grundsätzlich unverzeihlich. Doch es entstand ein Bild über den Zustand der TV-Unterhaltung.



Dominic Heinzl schlug dort auf, wo er und die angeblich große (Abend-)Unterhaltung des ORF seit Langem dümpeln: auf dem Boden. Selbstverständlich war der Faustschlag Sidos dafür ein völlig unzureichendes, verachtenswertes Mittel. Andererseits: Man hat den deutschen Rapper für die Rolle des Rüpels, des Verbalrowdys - Vorbild Dieter Bohlen - engagiert. Damit lebte der ORF so gut, dass Sido sogar ein eigenes Sendungsformat füllen durfte. Aber selbstverständlich ist es richtig, dass Sido nach seinem Faustschlag als Juror bei "Die große Chance" hinausgeschmissen wurde. Gewalt geht nicht einmal beim ORF - jedenfalls nicht, wenn sie körperlich daherkommt.

Dennoch: Dieser Faustschlag schuf ein symbolträchtiges Bild. Heinzl und Sido nämlich stehen für jene Zuschauerjagd, die längst jede Rücksicht auf letzte, noch so geringe Spuren geistigen Niveaus missachtet. Und Heinzl und Sido stehen auch symbolisch dafür, dass der Kulturauftrag des ORF nur mehr als "sogenannter Kulturauftrag" bezeichnet werden kann. Beide wurden - nebenbei erwähnt: mit Steuergeld und Gebühren - verpflichtet, um einen Sumpf zu bearbeiten. Der eine, Sido, richtet in einer Selbstentblößungsshow über Halbtalente. Heinzl schrammt in seinen Society-Sendungen gekonnt an Witz und Humor vorbei und grinst sich durch Denunziation und Blödmachen. In einer Anstalt, die diesen beiden Platz gibt, muss der Begriff "Kulturauftrag" so weit gedehnt werden, dass er über dem Abgrund des Niveaulosen nur reißen kann.

In diesem Abgrund sucht der ORF peinlich oft sein Heil. Das ist ein Verhängnis, weil so nichts als eine Anbiederungsanstalt übrig bleibt. Woran man sich dabei anbiedert? An eine vermeintliche Masse potenzieller Seher, an Menschen, denen nichts zu blöd zu sein scheint. Für diese Methode der Programmzeitfüllung gibt es zu Recht Watsch’n. Denn nicht jeder in diesem Land will davon ausgehen, dass die Bevölkerung - oder in ORF-Sprache: die Gebührenzahler - alle so deppert sind, wie das Fernsehprogramm daherkommt.

Wer sich die mageren Quoten ansieht für Heinzls Society-Magazin, kann ohnehin nachvollziehen, dass es ein Trugschluss ist, dass nur das Dümmste die Zuschauer vor das Kastl lockt. Am Montag kam wenig überraschend die Meldung, dass Heinzls Vertrag ausläuft und nicht verlängert wird. Einen Zusammenhang mit Sidos Faust gebe es nicht, hieß es. Aber es passt gut dazu.

 
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