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Mozart und die wundersame Zahl 257

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Zu einem unrunden Geburtstag Mozarts machte Marc Minkowski die Salzburger Mozartwoche 2013 zu einem Glücksfall.



257 ist eine scheinbar unscheinbare Zahl. Sie ist ungerade und unrund, eignet sich also nicht für kommerzträchtige Jubiläen. Und doch ist 257 aus mathematischen und musikalischen Gründen eine außergewöhnliche Zahl.

Als Primzahl ist sie nur durch 1 oder sich selbst ganzzahlig teilbar. Sie ist also in ihrer Eigenart bemerkenswert.

257 ist zudem eine besondere Primzahl: Der französische Mathematiker Pierre de Fermat hat ihr eine Formel (2 hoch 2 hoch n plus 1) und seinen Namen gegeben. Fermat-Zahlen sind rar: Nach 3, 5 und 17 ist 257 erst die vierte; ihr folgt 65537. Und sie sind kostbar: Dank der Fermat-Zahlen ist es im Jahr 1796 dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß gelungen, ein regelmäßiges Siebzehneck zu konstruieren.

Musikalisch hat die Zahl 257 gestern, Sonntag, Relevanz bekommen: Die Mozartwoche rund um den 257. Geburtstag Wolfgang Amadé Mozarts ist zu Ende. Dieses seit 1956 veranstaltete, rund zweiwöchige Musikfest wurde erstmals künstlerisch geleitet von Marc Minkowski.

Man könnte sagen: Die Mozartwoche 2013 ähnelt einem fast regelmäßigen Siebzehneck. Zwar gab es in der Vielfalt auch Flauten, doch oft packte und erfreute die Musik. Es gab famose Ensembleleistungen wie in "Lucio Silla" sowie unsagbar rührende Momente - wenn etwa Elisabeth Kulman davon sang, wie erst duftende, dann verglühende Träume in die Gruft sinken, oder wenn Gerald Finley und Julius Drake im Lied "Ich grolle nicht" in wenigen Takten einen hantigen Zorn in gütige Tränen verwandelten. Marc Minkowski hat auf die Tradition der Mozartwoche gebaut. Dazu setzte er klug eigene Akzente - mit Richard Wagners 1. Symphonie für das Wagner-Jahr, mit Jazz, mit dem jungen Originalklang-Ensemble Le Cercle de l’Harmonie oder mit den unter seinen Dirigierhänden längst gereiften Musiciens du Louvre. Das Neue hatte mit dem Komponisten Johannes Maria Staud ebenso Platz wie das Junge mit einem Kinderorchester. Erfreulich war auch: Immer war Marc Minkowski da - am Pult oder im Publikum. Er war Mitspielender wie Mithörender.

Scheinbar war die Mozartwoche 2013 unscheinbar. Sie bot keinen Hype und keinen Skandal. Kein Depardieu, kein Gottschalk und keine Prinzessin von irgendwo putzten das Publikum auf. Dafür gab es frisches, begeisterndes, in seiner Eigenart bemerkenswertes Musizieren. Insgesamt ergibt das eine Bravourleistung. So wird 257 zur Glückszahl.

 
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