Österreich | Standpunkt

Jugend muss wählen, nicht schimpfen

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Senioren bestimmen jede Wahl, auch die Volksbefragung. Sie sind in der Überzahl. Daher ist jede junge Stimme umso wichtiger.

Im Internet ist der Frust über das Ergebnis bei der Wehrpflicht-Volksbefragung groß: "Jetzt hat die Mehrheit der 16- bis 29-Jährigen für das Berufsheer gestimmt, doch die Pensionisten haben ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Österreich verkommt wirklich zur Gerontokratie", schreibt einer. Anzunehmen, dass er, wie die meisten, die sich im Internet tummeln, genau dieser Altersklasse angehört.

Zwar geht aus den Umfragen keineswegs eindeutig hervor, dass die Jungen mehrheitlich für das Berufsheer gestimmt haben. Und dennoch: Ganz unrecht hat der Internet-User mit seiner Feststellung nicht. Die Stimme der Jungwähler hat in Österreich weniger Gewicht als die der Senioren. Das liegt an der demografischen Entwicklung: Den rund 900.000 15- bis 24-Jährigen stehen rund 1,5 Millionen über 65-Jährige gegenüber. Die ältere Generation ist so in der Überzahl, dass sie in jedem Fall den Ausgang eines Urnengangs bestimmen kann, selbst wenn alle Jungwähler das Gleiche ankreuzen. Dieses Ungleichgewicht wird sich noch so lang verstärken, bis die Babyboom-Generation, die heute 45- bis 55-Jährigen, in Pension ist.

Das ist gut so. Denn es ist das Wesen einer Demokratie, dass die Meinung der Mehrheit und nicht die der Minderheit bei Wahlen, Abstimmungen und eben auch bei Volksbefragungen den Ausschlag gibt. Wäre dem anders, lebten wir in einer Autokratie, in der bestenfalls ein paar wenige das Sagen hätten. Das können weder Jung noch Alt wollen.

Generationen gegeneinander auszuspielen ist sowieso falsch. Schließlich sind die Teenager von heute die Pensionisten von morgen. Umgekehrt waren auch Oma und Opa einmal jung. Sie hatten aber den Vorteil, dass sie schon damals die Mehrheit stellten. Dafür mussten sie und ihre Kinder sich nach dem Krieg den Wohlstand erst erarbeiten, der für die heutige Jugend selbstverständlich ist. Die unter 30-Jährigen von heute müssen ihrerseits fürchten, diesen Wohlstand wieder zu verlieren.

Jede Generation hat also ihre eigenen Herausforderungen zu meistern. Eine davon ist heute, sich politisches Gehör zu verschaffen. Bei Abstimmungen ist jede Stimme der 16- bis 29-jährigen Jungwähler umso wichtiger, weil es so wenige gibt. Allein eine Wahl oder Volksbefragung gewinnen kann die Jugend nicht, sehr wohl aber ein Zeichen setzen. Politikverdrossenheit und Wut auf die Älteren hingegen führen zu gar nichts.

 
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KOMMENTARE (2)
 

Ulrike Hofmann

22.01.2013 
15:48 Uhr

Ich bin dagegen, dass das Thema "Alt gegen Jung" wieder aufgegriffen wird. Wie viele junge Wähler waren eigentlich unter den 50% Nichtwählern? Ich kenne viele Vertreter der Senioren, die sich aus gutem Grund gegen die Wehrpflicht ausgesprochen haben, ich selbst gehöre auch dazu. Ob junge oder alte Stimmen, es ging um die Frage Bundesheer, und jeder, der eine Meinung dazu hat, sollte mit abstimmen bzw. abgestimmt haben.

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Karl Lackner

22.01.2013 
11:17 Uhr

Sehr geehrte Frau Parragh ! "Ihr" Standpunkt "Jugend muss wählen, nicht schimpfen" ist im Ansatz richtig aber: Ihr demographisches Argument die ältere Generation sei in Überzahl greift überhaupt nicht. Darf ich Sie erinnern dass seit Generationen Frauen ( auch als Wählerinnen) in der Überzahl sind - die Ergebnisse kennen wir. Es wäre interessant zu erfahren wie viele der über 500000 Nichtwähler 16-30 Jährige waren. Und wie viele der "älteren Generation" wirklich nicht wählen konnten.

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