| Standpunkt

Die Dopingjagd als Indianerspiel

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Nur zur Erinnerung: Lance Armstrong wurde nie positiv getestet oder der Test wurde nie veröffentlicht. So viel zum Anti-Doping-Kampf.

it der Unschuldsvermutung ist das so eine Sache. Oft wird sie über Gebühr strapaziert, dann schlägt der Umgang mit ihr mitunter auch in das genaue Gegenteil um. Wie jetzt bei Lance Armstrong. Es sollte nicht unter den Tisch fallen, dass der in der veröffentlichten Meinung nunmehr professionellste und hinterlistigste Doper der Sportgeschichte keinen einzigen positiven Dopingtest abgegeben hat und bisher auch von keinem ordentlichen Gericht verurteilt worden ist. Nein, das soll keine Rechtfertigung für den einst erfolgreichsten Radsportler aller Zeiten sein, zu erdrückend ist die Beweislast.

Dieser Fakt enttarnt nur die Dopingjagd als das, was sie ist: ein medial inszeniertes Cowboy-und-Indianer-Spiel mit dem positiven Nebeneffekt millionenschwerer Gewinne. Es erinnert ein bisschen an die Zeiten des Kalten Kriegs, als das Waffenarsenal der einen Seite die Aufrüstung der anderen Seite gerechtfertigt hat. Je größer die Jagd, desto größer die Anstrengungen der Gejagten. In diesem Netz hat sich der Radsport böse verstrickt. Es ist nicht anzunehmen, dass der Radsport ein größeres oder kleineres Dopingproblem hat als viele andere belastete Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Langlauf und vermutlich auch der Fußball, doch der Umgang war anders. Getrieben von den Ermittlungsbehörden in Frankreich und Italien stieg man in den Anti-Doping-Kampf ein und schauderte beim Blick in den Abgrund. Seitdem kämpft der Weltverband einen Kampf, den er nur verlieren kann. Einerseits benötigte man Helden wie Armstrong, andererseits musste man sie jagen. Damit war man in bester Gesellschaft. Längst gilt im Olympischen Komitee eine Richtlinie, wonach Sportarten verdächtig sind, die bei Weltmeisterschaften entweder null oder mehr als vier Dopingfälle haben. So fliegen bei einer Eishockey-WM stets ein bis drei unbekannte Kasachen oder Weißrussen auf, während die NHL-Akteure die Zusicherung haben, nicht getestet zu werden.

Übrigens: Vor vielen Jahren machte ein deutscher Sportmanager einen ganz einfachen Vorschlag: Medizinische Präparate dürfen nur auf dem Markt zugelassen werden, wenn zeitgleich ein Testverfahren zu deren Nachweis mitgeliefert wird. So würde der Wettlauf zwischen Hasen und Jäger enden. Die Idee wurde nie weiterverfolgt.

Ein Schützling dieses Mannes hieß später Bernhard Kohl, der Österreich seinen größten Dopingskandal beschert hat.

 
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