Salzburg | Standpunkt

Die verkaufte Stadt

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Bei vielen Bauvorhaben in Salzburg gewinnt die maximale Auslastung gegen die sinnvolle Verträglichkeit. Wer profitiert sind Spekulanten, wer verliert sind Salzburgs Einwohner.

Salzburg macht eine bedenkliche Entwicklung durch. Längst überwunden geglaubte Methodender Baulandverwertung halten wieder Einzug. Die Stadt gerät zunehmend in die Hände von Spekulanten. Das lässt sich anhand aktueller Beispiele belegen. Sie sind auch auf andere Städte in Österreich übertragbar.

Nehmen wir ein beliebiges Grundstück mitten in der historischen Altstadt. Es ist eigentlich Grünland. Die Politiker haben es dennoch als mögliches Bauland für den sozialen Wohnbau ins Auge gefasst. Auch gut. Aber es gibt keine Vorgaben, keine klaren Rahmenbedingungen, die sagen, was auf dem Grundstück errichtet werden kann, und was nicht.

Über Nacht kommt ein interessierter Bauherr. Er entwickelt gemeinsam mit einem Architekten ein Projekt. Bestmögliche Verwertung heißt das Zauberwort. Die Sprache ist verräterisch.

Und jetzt kommt das typisch salzburgische, das es in keiner funktionierenden Verwaltung sonst gibt: Das Bauvorhaben richtet sich nicht nach dem, was sinnvoll und für die Umgebung verträglich ist, sondern nach dem, was maximal möglich ist. Nicht der vorgegebene Rahmen bestimmt das Projekt sondern das Projekt bestimmt den Rahmen. Der Schwanz wedelt mit dem Hund.

In die engsten Lücken werden möglichst viele Quadratmeter Wohnfläche hineingepfercht. Der horrende Grundstückspreis muss wieder hereingebracht werden. Das geht nur mit Zweitwohnsitzen für besonders Vermögende. Einheimische können sich die Preise von 10.000 Euro und mehr pro Quadratmeter nicht leisten.

In vielen alten Altstadthäusern regiert hinter der Fassade der Grind. Nur die Ladenflächen im Parterre und im ersten Stock werden erhalten und möglichst teuer vermietet. Der Rest wird dem Verfall preis gegeben.

Diese verkehrte Welt in einer verkauften Stadt macht Spekulanten über Nacht reich. Die Stadt selbst aber verarmt. Immer weniger besitzen immer mehr. Die bunt gemischte Eigentümerstruktur ist Vergangenheit, die einst stolzen Besitzerfamilien sind verschwunden. Die Eigentümer der Salzburger Altstadt kann man bald an zwei Händen abzählen.

Die tatsächliche Wohnbevölkerung. Den noch verbliebenen Bewohnern wird das Leben schwer gemacht. Zweitwohnsitze prägen das Bild, die meiste Zeit im Jahr stehen viele Wohnungen in Salzburg leer.

Es scheint, als hätte die Politik in Salzburg das Interesse am Weltkulturerbe Altstadt verloren. Das Feld wird gierigen Baulöwen überlassen. Mit respektablem Gewinnstreben oder gar mit unternehmerischer Tüchtigkeit hat deren "Erfolg" nicht viel zu tun. Politisch gewährte Flächenwidmungen und Bebauungsdichten machen sie über Nacht reich. Es hängt nicht von transparenten, städtebaulich argumentierbaren Parametern ab, was diese Leute auf einer Fläche bauen dürfen, sondern von Beziehungen. Nicht mehr gute Bauherren und Planer gewinnen heute Wettbewerbe und bekommen Genehmigungen sondern gute Netzwerker.

Salzburg ist auf dem besten Weg zurück in die unselige Bauzeit der späten 70er Jahre. Damals sind die Bürger aufgestanden und haben sich gewehrt. Mit Erfolg.

Damals wie heute hat nicht so sehr die Architektur die Debatte bestimmt. Denn die Nutzung hat die Oberhand über die Gestaltung gewonnen. Der Architekturstreit hat nur Symbolcharakter. In Wahrheit geht es um den Ausverkauf der Stadt.

Die Bürger können sich in Salzburg kaum noch eine Wohnung leisten. Obwohl auf Teufel komm raus gebaut wird. Zu oft ist Spekulation das Motiv und nicht die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Statt gegenzusteuern schaut die Politik dem Treiben hilflos zu. Es wird ein eigenartiges Salzburger Klima geschaffen, mit viel Platz für Verdächtigungen .

Die Raumordnungs- und Baupolitik in Salzburg muss wieder transparent werden. Eine stärkere Internationalisierung täte der gesamten Branche gut. Auch der Architektur. Wer ständig nur unter sich ist, gerät schnell in Gefahr, sich selbst zu wichtig zu nehmen, Qualität einzubüßen und den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Die politischen Parteien müssen wieder auf die Bürger zugehen und mit ihnen auf Augenhöhe sprechen. Es geht nicht darum, alles zu tun, was sie wollen. Aber man muss es ihnen erklären.

Politiker, die zornig werden, weil sich Bürgerwiderstand regt, haben bereits verloren. Politiker, die den Bürgerwiderstand nicht ernst nehmen, auch.

 
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