Salzburg | Standpunkt 

Wie wir Wegwerfer wurden

Wir waren nicht immer so. Noch unsere Großeltern sahen den Wert des Essens anders als wir. "Mit Essen spielt man nicht", hieß es damals, und: "Essen wirft man nicht weg."

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Zumindest die Sache mit dem Wegwerfen ist heute spürbar anders - und so landen jedes Jahr 10.000 Tonnen genussfähige Lebensmittel in der Mülltonne. Soweit jedenfalls die Zahlen, welche die Salzburger Wirtschaftskammer bekannt gegeben hat.

Müllanalysen scheinen den etwas unbedarften Umgang mit Nahrung im 21. Jahrhundert zu bestätigen: Zehn Prozent des Mistkübelinhalts besteht aus Essen - und zwar Essen, das weder verdorben noch vertrocknet ist und problemlos verzehrt werden könnte.

Gründe gibt es mehrere. Da ist, zuallererst, ein erfreulicher: Unser aller Wohlstand, den Großvater und Großmutter so kaum kannten. Praktisch niemand in Salzburg muss hungern, und die, die das jemals mussten, werden immer weniger. Eine Generation, die (Gott sei Dank) nur brechend volle Supermarktregale kennt, wird der Ware darin keinen überwältigend hohen Wert beimessen.

Unsere Gesellschaft ist aber auch hektisch geworden. Zum Kochen bleibt oft wenig Zeit, zum Verkochen der "Restln" meist noch weniger. Eine Fleckerlspeise, Wurstknödel oder ein Auflauf wollen erst einmal hergerichtet sein - all das, wo doch das Fertigmenü für die Mikrowelle lockt.

Und: Wir haben auch das Gefühl für Genießbares und Ungenießbares verloren. Wir trauen dem Geruch der Wurst, der Farbe des Koteletts, dem Aussehen des Käsestücks nicht mehr. Sondern verlassen uns auf das Haltbarkeitsdatum.

Addiert ergeben solche Faktoren jene Riesenberge an Nahrung, die wir jeden Tag verschwenden. Nun, damit könnte man sich abfinden. Man muss es aber nicht. Ein wenig mehr Aufmerksamkeit, ein wenig mehr Zeit, ein bisschen Kreativität. Das könnte genügen um sehr, sehr viele Lebensmittel vor dem Biomüll zu retten.



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