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Nicolas Sarkozy, König ohne Kleider

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Wer französischer Präsident wird, entscheidet sich erst am 6. Mai. Aus jetziger Sicht wird er François Hollande heißen.

Nicolas Sarkozy, König ohne Kleider

Martin Stricker  Bild: SN/robert ratzer



Die Franzosen haben die Nase voll von ihrem Präsidenten. Das zumindest ist die einhellige Botschaft der Umfragen vor dem ersten Wahldurchgang morgen, Sonntag. Zwar konnte Nicolas Sarkozy etwas aufholen. Denkbar, dass er im Feld der zehn Kandidaten sogar knapp vor seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande landet. Für die Stichwahl am 6. Mai aber sehen die Auguren schwarz - nicht, weil Hollande so beliebt ist, sondern weil Sarkozy den Kredit verspielt hat, den ihm die Nation bei seiner Kür 2007 gewährte.

Sarkozy wollte ein König aus dem Volk sein. Er versprach, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, für Handlungsfähigkeit zu sorgen und Frankreich mutig in eine würdige und moderne Zukunft zu führen.

Fünf Jahre später steht das Land schlechter da als zuvor. Die Verschuldung beträgt fast 90 Prozent des BIP, die Staatsquote erreicht mit 57 Prozent Europarekord, die Arbeitslosigkeit liegt bei zehn Prozent.

Schlimmer fast als diese nüchternen Fakten wirkt die Fehlbesetzung, als die sich Sarkozy in der Rolle des gewählten Sonnenkönigs erwies. Er schockierte noch am Wahlabend, als er seinen Sieg mit den Milliardären des Landes im Pariser Nobelrestaurant Fouquet’s feierte, um sich anschließend drei Tage lang auf der Luxusyacht eines Freundes zu erholen. Er erhöhte seine Präsidentengage, ließ einen neuen Jet kaufen, wollte seinen Sohn in ein lukratives Staatsamt hieven, protzte mit Rolex & Reichen. Halbstark statt königlich. Halbseiden statt volksverbunden. Sarkozys Projekt hieß Sarkozy. Gegen den hyperaktiven, alles und das Gegenteil versprechenden, omnipräsenten, unausweichlichen Sarkozy erscheint der Buchhaltercharme von François Hollande geradezu erleichternd. Der Urgesteins-Sozialist signalisiert Stabilität, Bedachtsamkeit und Unaufgeregtheit;
eine gepflegte Fadesse sozusagen, noch dazu mit einem beruhigenden Hauch Antikapitalismus.

Nicht Programme entscheiden diese Wahl, sondern Sehnsüchte und Enttäuschungen.

 
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