| Standpunkt

Eine Altlast namens Demokratieverdrossenheit

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Österreich wurde sauberer. Doch unsere heutigen Politiker werden für die Sünden ihrer Vorgänger bestraft.

Die grassierende Demokratieverdrossenheit treibt seltsame Blüten. Da sind sich die Biertische quer durch Österreich darin einig, dass die Politiker allesamt käufliche Figuren sind, wetterwendische Gestalten, die sich gierig an ihre Posten klammern und ihre Gesinnung meistbietend zu Markte tragen.

Und dann finden nämliche Biertische nichts dabei, ihre Sympathien dem Team Stronach zuzuwenden. Also einer Partei, die den Typus des gekauften Politikers erst salonfähig gemacht hat. Deren wetterwendische Mandatare - meist nach Jahren bei der FPÖ und beim BZÖ - nun bei der nächsten, meistbietenden Partei gelandet sind. Die zwar keine Ahnung haben, wohin die Reise ihres greisen Gurus geht, die aber ebenso unverdrossen wie satt auf ihren Parlamentssesseln sitzen.

Im Team Stronach findet also jene zynische, werte-lose Politik, die allseitigen Verdruss ausgelöst hat, ihren traurigen Kulminationspunkt. Und dennoch liegt die schräge Truppe in Umfragen bei zweistelligen Werten. Absurd!

Oder eigentlich nicht absurd, wenn man zum Jahresende noch einmal die Politik- und Gerichtsseiten des vergangenen Jahres Revue passieren lässt. Dabei verfestigt sich der zwingende Eindruck: So viel Korruption war noch nie. Was zur Folge hat, dass das Publikum sich mit Grausen abwendet. Und jedem neuen Akteur, der die Bühne betritt, und heiße er Frank Stronach, ganz von selbst die Herzen zufliegen. In dieser Situation halten wir am Vorabend des Wahljahres 2013.

Und doch gibt es Grund für Optimismus. Denn Österreich ist in der Korruptionsaufarbeitung bereits viel weiter, als es in der veröffentlichten Meinung zum Ausdruck kommt. Selbst der Korruptionsxperte Hubert Sickinger weist in einem SN-Gespräch (Seite 3) darauf hin, dass das, was in diesen Wochen die Zeitungsspalten füllt, "zum weitaus größeren Teil" Altlasten seien.

Und in der Tat: Justiznotorische Herrschaften wie Grasser und Gorbach sind längst aus der Politik ausgeschieden. Strasser und Mensdorff stehen bereits vor Gericht. Scheuch ist zurück getreten. Die Justiz hat ihre jahrelange Arbeitsverweigerung bei der Verfolgung politischer Korruption aufgegeben. Die Korruptionsstaatsanwalt lässt nicht mit sich spaßen. Die Parteien müssen ihre Konten öffnen. Österreich wurde sauberer.

Die heute agierenden Politiker werden also für die Sünden ihrer Vorgänger bestraft. Eigentlich doch absurd.

 
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KOMMENTARE (1)
 

Johann Weilharter

27.12.2012 
20:28 Uhr

Der Herr Stronach kandidiert als Spitzenkandidat in NÖ, will aber nicht in den Landtag. Was soll das?

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