Standpunkt

Ein unverständliches Volksbegehren

Offenbar wollen die Initiatoren der katholischen Kirche eins auswischen. Den Kollateralschaden nehmen sie in Kauf.

Von    /   



Gleich zwei Volksbegehren liegen ab kommendem Montag zur Unterschrift auf. Das eine verlangt mehr Demokratie, das andere die Abschaffung von "Kirchenprivilegien".

Während bei erstgenanntem Begehren klar ist, was die Initiatoren antreibt, wird man beim zweitgenannten den Eindruck nicht los, dass es den Initiatoren nur darum geht, der katholischen Kirche eins auszuwischen. Der Kollateralschaden wird in Kauf genommen.

Der wäre in mehrfacher Hinsicht beträchtlich. Erstens: Die Abschaffung angeblicher Privilegien - gemeint ist damit offenbar das Konkordat - würde in der Folge die Grundrechte aller 14 (und demnächst 15) in Österreich gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften treffen, nicht bloß die "reiche" katholische Kirche.

Zweitens: Ohne die Hilfe von kirchlichen Institutionen wäre es vorbei mit dem Sozial- und Gesundheitswesen, wie wir es kennen. Das ist längst nur deshalb nicht an seine Grenzen gestoßen, weil der Staat das Privileg nutzt, Unmengen an Arbeit von deren - übrigens hochprofessionellen - sozial-karitativen Einrichtungen und Spitälern erledigen zu lassen. Und sich (will heißen: den Steuerzahlern) damit Unsummen erspart. Da geht es um Hunderte Millionen Euro jährlich.

Drittens: Die Kirchen und Religionsgemeinschaften aus dem öffentlichen Leben zu verbannen und als reine Privatsache abzutun würde den öffentlichen Diskurs (noch) ärmer machen und die Schwachen in der Gesellschaft wichtiger Fürsprecher berauben. Regelmäßig sind es die Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die auf deren Nöte hinweisen, auf die Einhaltung der Menschenrechte pochen und die Politik mit vereinten Kräften auf Ungerechtigkeiten und Unerträglichkeiten hinweisen.

All das sucht man im Volksbegehren gegen "Kirchenprivilegien" vergeblich. Dafür geizt es nicht mit Halbwahrheiten, irreführenden oder schlicht falschen Behauptungen. Das hat sogar das SPÖ-geführte Unterrichtsministerin auf den Plan gerufen. Es gebe keine Besserstellung von Kirchen und Religionsgemeinschaften, die sachlich nicht gerechtfertigt sei, ließ sie wissen. Und: Allein im Schulwesen ersparten kirchliche Träger der öffentlichen Hand "erhebliche Ausgaben".

Einigermaßen absurd ist die zentrale Forderung des Volksbegehrens: die Trennung von Kirche und Staat. Die fand vor fast 100 Jahren statt.

23

 

 
KOMMENTARE (23)
 

Franz Miklautz

16.04.2013 
09:56 Uhr

Für mich ist die Oberflächlichkeit dieses kurzen Artikels geradezu lächerlich. Dumm nur, dass man ihn anscheinend auch noch gedruckt hat.

Kommentar melden!

 

Franz Miklautz

16.04.2013 
09:58 Uhr

Der Artikel beweist all das, was er in Frage stellt. Die Autorin muss mit den Initiatoren irgendwie zusammenhängen. Anders kann ich mir das nicht vorstellen.

Kommentar melden!

 

Zwetschgenkrampus

15.04.2013 
17:47 Uhr

Interessante Kommentare, einige auch von der Sorte "Kommt mir bloß nicht mit Fakten und macht mir damit ja nicht meine schönen Vorurteile kaputt!" - Kinder, Kinder ... So haben etwa, "Joe the Lion", durchaus mehr Staaten als nur Österreich und Bayern Konkordate (= Verträge mit dem Apostolischen Stuhl) abgeschlossen. Und Charles Darwin - § 188 StGB schützt auch nicht-katholische Glaubenslehren, wie etwa des Islams oder der Buddhisten ...

Kommentar melden!

 

Reinhard Niederländer

15.04.2013 
14:09 Uhr

Wie blind muss die Autorin sein, wenn sie uns weismachen will dass "die Religionen auf dieEinhaltung der Menschenrechte pochen". Meint sie damit die Zulässigkeit der Beschneidung aus religiösen Gründen? Genau das Gegenteil schafften die Religionen, eine Körperverletzung gesetzlich zu legitimieren. Sowas schaffen nur Religionen. Um nur eines der vielen Beispiele zu nennen, bei der die Autorin die Bevölkerung für dumm verkaufen will.

Kommentar melden!

 

mehr