| Standpunkt

Der Konsument ist nicht schuld

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Wir kaufen billige Shirts, gefährden damit das Leben anderer und zerstören die Umwelt. Dieser Vorwurf ist nicht richtig.

An den Händen der Konsumenten klebt Blut. Dies ist ein gängiger Vorwurf. Denn sie kaufen Shirts bei C&A, und dieser Konzern arbeitet mit Zulieferern zusammen, die ihre Mitarbeiter hilflos verbrennen lassen. Konsumenten vergiften Umwelt und Menschen, weil sie beim Moderiesen Zara Hosen kaufen und dessen Zulieferer gefährliche Chemikalien verwenden, die sogar den Hormonhaushalt beeinträchtigen. Diese Argumentation ist Unsinn. Jeder Konsument soll dort kaufen, wo es ihm gefällt. Nicht die Käufer sind schuld, wenn die Markenriesen es zulassen, dass ihre Zulieferer menschenunwürdige und umweltzerstörende Bedingungen haben. Es sind die Hersteller.

Doch die Konsumenten sind mächtig und können die Unternehmen durchaus in die Knie zwingen. Dank Internets und sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter werden sie auch immer einflussreicher. Das fürchten die Konzerne. Der weltweit größte Modeeinzelhändler Inditex, bekannt durch die Marke Zara, hat in der Nacht auf Donnerstag bekannt gegeben, künftig auf giftige Mode zu verzichten und verlangt von Zulieferern Transparenz, welche Chemie sie verwenden. Dafür brauchte es zuletzt nur wenige Tage, Proteste vor Zara-Shops weltweit, zehntausende Botschaften über Facebook und Twitter und 315. 000 Menschen, die sich der "Entgiftungs"-Kampagne von Greenpeace angeschlossen haben. Greenpeace hatte erst am 20. November einen Report über den unglaublichen Chemiedreck in unserer Kleidung, etwa krebserregende Amine, veröffentlicht. Dieser Bericht erzeugt allein beim Lesen Juckreiz auf der Haut.

Dennoch muss niemand auf seine Lieblingsmarke verzichten. Jeder sollte nur klar und deutlich sagen, was er nicht will. Zum Beispiel, dass Näherinnen in Bangladesch in Fabriken sitzen, in denen sie im Brandfall nicht einmal offene Notausgänge vorfinden, geschweige denn genug Lohn zum Leben bekommen. Nie ging es einfacher, Hersteller zu kontaktieren, nie war der Protest wirkungsvoller als heute, da in Windeseile Botschaften rund um die Welt verbreitet werden.

Die Devise der Konsumenten darf nicht sein: Wir fühlen uns schlecht, sondern wir zwingen die Hersteller zu Verbesserungen.

 
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KOMMENTARE (2)
 

transnational

23.01.2013 
11:48 Uhr

Direkte Demokratie hat Grenzen, ebenso wie die indirekte Demokratie. In einer modernen repräsentativen Demokratie darf es aber keine materiellen Unterschiede geben, was die Bürger direkt - oder eben indirekt über das Parlament - entscheiden können. Und noch was: ein Plebiszit ("Volksbefragung") ist nicht dasselbe wie eine Volksabstimmung ( "Referendum"). Eine tatsächlich wichtige Lehre des 20. Jänners.

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franz auer

23.01.2013 
09:32 Uhr

Koller: Demokratie ist das, was mir passt und was ich dafür halte

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