| Standpunkt

Damaskus lenkt unter Druck ein

|

Damaskus gibt im Streit um die UN-Inspekteure nach. Noch ist unklar, ob das ein Durchbruch ist.

Nach tagelangem Zögern ist das syrische Regime nun bereit, den in der syrischen Hauptstadt wartenden Waffeninspekteuren der Vereinten Nationen die Untersuchung des Giftgaseinsatzes zu gestatten. Der Druck auf Damaskus, eine Inspektion zuzulassen, war zu groß geworden.

Absolute Klarheit ist von den Chemiewaffenexperten der UNO allerdings nicht zu erwarten. Den Wissenschaftern wird es vermutlich gelingen, die in den Vororten von Damaskus eingesetzten chemischen Kampfstoffe zu identifizieren. Es stünde dann fest, was eingesetzt wurde, aber nicht von wem. Eine klare Schuldzuweisung ist von den Inspekteuren nicht zu erwarten. Dies würde ihr Mandat überschreiten.

Die Interpretation der Untersuchungsergebnisse ist Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft. Eine eventuelle Intervention müsste über eine überhastete militärische Strafaktion hinausgehen. Nach dem Horror in den Vororten von Damaskus sollten zunächst die Chemiewaffen des Assad-Regimes gesichert und unschädlich gemacht werden.

Das Regime selbst hatte den Einsatz chemischer Kampfstoffe als "politischen Selbstmord" bezeichnet. Die Frage, warum die syrische Armee nur zwei Tage nach dem Eintreffen von UN-Waffeninspektoren ein Giftgas-Massaker verüben sollte, halten auch unparteiische Beobachter für legitim.

Mit einer zufriedenstellenden Antwort auf diese und andere Fragen ist so bald nicht zu rechnen. Die Fronten im Syrien-Konflikt dürften sich daher auch nach der Beendigung der Untersuchungen in den Vororten von Damaskus weiter verhärten. Dabei geht es in Syrien um mehr, als nur die Bestimmung und mögliche Bestrafung von Schuldigen: Völlig zu recht hat Israels Staatschef Schimon Peres die internationale Staatengemeinschaft dazu aufgerufen, die Chemiewaffen aus diesem Konflikt zu entfernen. "Die Zeit ist reif für einen internationalen Versuch, sämtliche Chemiewaffen aus Syrien zu beseitigen", sagte Peres am Sonntag.

Mit militärischen Schlägen wird dies nicht gelingen. Eine Beseitigung oder Sicherung der gefährlichen Waffen ist nur dann möglich, wenn die internationale Gemeinschaft endlich an einem Strang zieht. Tut sie das nicht, werden die Stoffe eher früher als später in die falschen Hände geraten - was verheerende Konsequenzen für den gesamten Nahen Osten hätte.

 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
0
schließen (x)

 

 

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken.

Benutzername
Passwort
 

Passwort vergessen ›      Jetzt registrieren ›
 
 
KOMMENTARE (0)