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Wein, Weib und Tiroler

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Es soll ja Minister geben, die nebenbei auch geistig arbeiten. Böse Zungen behaupten, der Letzte dieser Spezies sei der Weimarer Minister Johann Wolfgang von Goethe gewesen. Doch das stimmt nicht. Auch Österreich hat einen: Karlheinz Töchterle.

Der Wissenschaftsminister hat in seinem Privatberuf als Altphilologe kürzlich ein wissenschaftliches Werk über die Geschichte der lateinischen Literatur in seiner Heimat Tirol mitherausgegeben. Das zweibändige Opus heißt "Tyrolis Latina" (Böhlau Verlag), misst 1300 Seiten und wirkt von außen trocken wie ein angejahrtes Butterkeks. Doch kaum liest man hinein, tritt einem das pralle Leben entgegen und man wundert sich, dass jemand lieber mit Claudia Schmied über Studiengebühren verhandelt, statt sich ganz dem Schreiben solcher Bücher zu widmen.

Zum Beispiel lernt man aus den lateinischen (und glücklicherweise übersetzten) Texten etwas über den Gebrauch von gemahlenen Perlen für die Heilkunde und über die Verwendung von Vipernfleisch als Aphrodisiakum. Man lernt, welche Eigenschaften ein Herrscher besitzen sollte ("Erfahrung, Autorität, Glück, Tugend, edle Abstammung, militärische Tüchtigkeit und Schönheit"). Man lernt vor allem aber etwas über die Tiroler selbst.

"Sie kauen diese pechschwarzen, scharfen und halbverfaulten Tabakfäden", heißt es in einer 1772 in Innsbruck erschienenen Dissertation. "Den Saft, der bisweilen zu beiden Mundwinkeln herausrinnt, schlucken sie; die ausgelutschten Blätter spucken sie dann aus, trocknen sie wiederum und rauchen sie, wenn sie getrocknet sind; und dann schnupfen sie die Asche anschließend auch noch anstelle des Tabaks."

Apropos schnupfen: Bereits 1743 riet ein Dissertant in Innsbruck zu folgendem. "Sind die Ausscheidungen der Nase wässrig und dünn, sollten sie nicht ausgeschnäuzt werden, denn dadurch wird das Hirn ausgetrocknet."

Ein kaiserlicher Leibarzt in Tirol berichtete im 16. Jahrhundert, wie sich ein an Syphilis erkrankter Kardinal durch Weinkonsum heilte. Und im 17. Jahrhundert warb ein Tiroler Arzt für den G’spritzten mit den Worten: "Die Trinker ungemischten Weines sind ungeschlachtes und bäuerliches Volk; zu ihnen gehören die dicken Bauerntölpel, die stinkenden Schweinehirten, die Ochsenknechte und die Stallknechte."

Bereits im 15. Jahrhundert schrieb der italienische Humanist und spätere Papst Enea Silvio Piccolomini über die Tiroler: "Die Glücklichsten der Sterblichen wären sie, würden sie nur ihre Güter erkennen und ihre Lust zügeln! Aber sie saufen Tag und Nacht, begehen überall Unzucht und Ehebruch und keine heiratet bei ihnen als Jungfrau."

 
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