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Mit Schlafrock und gezogenem Schwert

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Da gerade so viel von Heeren und Generälen die Rede ist: Soeben jährte sich zum 155. Mal der Todestag von Josef Wenzel Radetzky. Im Jänner 1858 schloss der Feldmarschall nach 92 Lebens- und 72 Dienstjahren für immer die Augen.

Was sich nach seinem Tod abspielte, erwies sich als würdige Fortsetzung seines turbulenten Lebens.

Denn Radetzky hatte seine Leiche testamentarisch dem Armeelieferanten Joseph Gottfried Pargfrieder vermacht. Dieser war selbst eine schillernde Figur, angeblich ein illegitimes Kind von Kaiser Joseph II. und durch die Belieferung der kaiserlichen Armee mit Schuhen, Zelten und dergleichen unermesslich reich geworden.

Zudem war Pargfrieder ein glühender Verehrer Radetzkys. Und da der Feldmarschall aufgrund seiner Spielleidenschaft und Frauengeschichten immer in Schulden steckte, entspann sich zwischen Armeeführer und Armeelieferant eine Beziehung auf Gegenseitigkeit: Pargfrieder zahlte Radetzkys Schulden, Radetzky vermachte dafür seinen Leichnam an Pargfrieder.

Dieser hatte nämlich im niederösterreichischen Wetzdorf eine Heldengedenkstätte für die kaiserliche Armee errichtet. Prunkstück dieses bis heute bestehenden Heldenbergs sollten die sterblichen Überreste Radetzkys sein.

Auf diese hatte aber auch schon Kaiser Franz Joseph ein Auge geworfen. Er wollte dem Verstorbenen in Hinblick auf dessen unschätzbare Verdienste um den Erhalt der Monarchie die besondere Ehre einer Bestattung in der Kapuzinergruft zuteil werden lassen.

Doch das Testament ging vor. Der Leichnam Radetzkys wurde auf den Heldenberg befördert, der Kaiser war beleidigt. Trotzdem wollte Franz Joseph dem Feldmarschall das letzte Geleit geben, wobei ein protokollarisches Problem auftrat. Pargfrieder hatte den Kaiser selbstverständlich zu den Begräbnisfeierlichkeiten eingeladen, doch der Monarch durfte keine Einladung eines Bürgerlichen annehmen. Also musste Franz Joseph den Kerl, der ihm die Radetzky-Leiche weggeschnappt hatte, auch noch schnell in den Adelsstand erheben.

Als Pargfrieder fünf Jahre später starb, wurde er auf eigenen Wunsch vor der Gruft Radetzkys bestattet, und zwar sitzend. Er wollte dort mit gezogenem Schwert für ewige Zeiten vor seinem Idol Wache halten. Bekleidet werden wollte Pargfrieder mit einer eisernen Ritterrüstung und seinem geblümten Lieblingsschlafrock. So sitzt er angeblich noch heute dort.

Derart hingebungsvoll wurden früher bei uns die Generäle verehrt. Mittlerweile hat sich die grenzenlose Hingabe der Bevölkerung ja eher auf die Verteidigungsminister verlagert.

 
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