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Schandflöten und Hundeträger

Von    /   

Alexander Purger

Umstrittene Kunstinstallationen in der Altstadt sind kein Exklusivvergnügen der Salzburger. Auf dem Wiener Graben hat das Duo Clegg & Guttmann drei Instrumente der Strafrechtspflege zu einem Kunstwerk arrangiert, wie sie bis zum 18. Jahrhundert hierzulande in Gebrauch standen: Schandkorb, Schandmantel und Schandflöte.

Dem Beipacktext ist zu entnehmen, dass mit dem Einsperren und öffentlichen Zur-Schau-Stellen im Schandkorb oder Schandmantel (beides eine Art Pranger) bzw. dem Umhängen der Schandflöte weiland leichte Vergehen wie Trunkenheit oder Ausgelassenheit bestraft wurden. Aha.

Heute wird finanzielle Trunkenheit und pekuniäre Ausgelassenheit bekanntlich anders bestraft. Etwa mit regelmäßigen Zeugenladungen in U-Ausschüsse, wodurch langsam, aber sicher der gute Ruf schandflöten geht.

Oder durch die regelmäßige Verabreichung der Schlagzeile "Neue Vorwürfe gegen . . ." , die nach Art der chinesischen Wasserfolter unablässig (und unter listiger Beifügung des Satzes "Es gilt die Unschuldsvermutung") auf das schuldbeladene Haupt des Delinquenten niederklatscht und ihn langsam, aber sicher in den Wahnsinn treibt.

Was es heute leider nicht mehr gibt, ist eine Strafart, die Kaiser Otto I. um das Jahr 940 gegen seinen Widersacher Eberhard von Franken zur Anwendung brachte: Als dieser eine kaiserliche Burg zerstörte, zitierte ihn Otto nach Magdeburg und zwang den Herzog samt Gefolge, unter dem Gejohle des Volkes Hunde durch die Stadt zu tragen. Damit war Eberhard erledigt. Für einen fränkischen Edelmann gab es keine größere Schande, als mit einem Hund im Arm gesehen zu werden.

Es ist eine nicht un-reizvolle Vorstellung, sich eine Prozession aller heutiger Korruptionisten vorzustellen, die sich im Büßerschritt und Bello-schleppend über den Wiener Graben bewegt. Die Frage ist allerdings: Hat Wien genügend Hunde vorrätig? Wo doch die Stadtregierung gerade die Hundesteuer um 65 Prozent hinaufgeschnalzt hat?

Sicherlich einfacher zu bewerkstelligen ist eine Strafart, wie sie von den Benediktinern für zur Unzeit schlafende Mönche entwickelt wurde. Nickte ein Ordensmitglied bei den nächtlichen Gebeten ein, bekam er eine brennende Laterne in die Hand gedrückt, die er zu seiner Schande so lang mit sich herumtragen musste, bis er auf einen anderen schlafenden Mönch stieß. Dann musste der sie weitertragen.

Man könnte sich vorstellen, dieses benediktinischen Modell auch einmal im heimischen Ministerrat an schlafmützigen Regierungsmitgliedern zu erproben. Jedoch gibt es ein Problem: Was ist, wenn ALLE schlafen?

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