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Wie man Korruption korrumpiert

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Eine heikle Frage beschäftigt die Politik: Was ist Korruption?



In Tirol musste neulich jemand zurücktreten, weil er sich zum Spazierengehen mit Tiere-Totschießen (vulgo Jagd) hatte einladen lassen. Wäre auch Spazierengehen allein schon Korruption gewesen? Kommt darauf an, sagt die Justizministerin. Das "Anfüttern" beginne ab einem Wert von 100 Euro. Wir lernen: Beim Spazierengehen nix Teures essen!

Einfacher ist die Frage, woher Korruption kommt. Dazu sagt die Wissenschaft: Aus derselben Quelle wie die abrupte Eruption und die eruptive Interruption (ganz zu schweigen von der interruptiven Abruption), nämlich vom lateinischen "rumpere" - "reißen, zerbrechen". Und von "corrumpere", was "verderben, verführen, zuschanden machen, vernichten" bedeutet.

Wie könnte man nun die Korruption korrumpieren, also zuschanden machen? Hierzu haben wir in der Geschichte drei Möglichkeiten gefunden, die wir nun in aufsteigender Reihenfolge abrupt vorstellen dürfen.

Erstens: Vor dem Dogenpalast in Venedig stand in alten Zeiten ein prächtiger Galgen, dessen Pfeiler mit schönen Ornamenten verziert war. Er diente einzig und allein dazu, den Dogen aufzuhängen, sollte er Verrat am Staat begehen. Man hatte den Galgen genau vor dem Tor seines Palastes aufgestellt, damit er ständig an seine Pflicht, die er auf sich genommen hatte, und die Strafe, die ihn erwartete, falls er sie vergessen sollte, erinnert wurde.

Zweitens: Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. beließ es nicht beim Drohen, er konnte auch anders. Korruption in der Verwaltung wurde von ihm mit drakonischen Strafen belegt, die bis hin zu exemplarischen Hinrichtungen direkt am Arbeitsplatz reichten.

Berüchtigt war der Fall des ostpreußischen Kriegs- und Domänenrats von Schlubhut, der Geld unterschlagen hatte, das für die Salzburger Protestanten bestimmt war. Der zornige König ließ ihn dafür unmittelbar vor dem Sessionszimmer der Kriegs- und Domänenkammer in Königsberg hängen.

Drittens: Noch ein wenig drastischer ging Perserkönig Kambyses vor. Als er erfuhr, dass einer seiner obersten Richter bestechlich war, ließ er (behauptet zumindest Herodot) diesem die Haut abziehen, diese in Streifen schneiden und damit den Sessel des Richters bespannen. Auf diesen makabren Stuhl setzte er dann den Sohn des Getöteten als dessen Nachfolger und riet ihm, immer daran zu denken, von welchem Sessel aus er da Recht spreche.

So weit die historischen Möglichkeiten der Korruptionsbekämpfung. Im Vergleich dazu wirkt ein U-Ausschuss mit Peter Pilz und Stefan Petzner wirklich wie ein Ausbund an Humanität.

 
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