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Österreich kauft sich neue Politiker

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Zwei Zahlen sorgten dieser Tage für Aufsehen. Zehn Millionen Euro gibt Österreich jährlich dafür aus, dass seine Kinder beim Eintritt in die Volksschule Deutsch können.

100 Millionen Euro lässt der Fußballverein Real Madrid dafür springen, dass ein gewisser Gareth Bale künftig für ihn kickt.

Es ist also zehn Mal so viel wert, dass dieser Herr Bale in Spanien das Runde in das Eckige tut, als dass in Österreich jedes Kind dem Unterricht folgen kann. Daran ließen sich nun allerlei Fragen knüpfen, besonders drängt sich aber eine auf: Warum gibt es nicht auch in der Politik ein Transfersystem?

Eine Fülle knalliger Schlagzeilen wäre der Lohn. "Obama angelt nach Darabos - SPÖ erteilt kostenlose Freigabe". Oder: "FPÖ holt Niederländer Geert Wilders als rechten Flügelflitzer - Strache nur auf der Ersatzbank". Oder: "Peter Pilz wird ruhender Pol im kubanischen Mittelfeld - Teamchef Heinz Fischer pocht auf Freistellung für österreichisches Nationalteam."

Und so weiter. Jedenfalls gilt in der Politik das Gleiche wie im Fußballgeschäft. Mit kleingeistigem Regionalismus kommt man nicht mehr weit. Wenn es in Madrid und Umgebung nicht genügend talentierte Kicker gibt, ist nichts näherliegend, als dass sich die Spanier eine Verstärkung aus Wales kaufen. Warum sollte es das in der Politik nicht auch geben?

Vorreiter ist Frank Stronach. Er gründete eine Partei, setzte sich auf die Betreuerbank und - schaute auf ein leeres Spielfeld. Na logisch, dass er sich da gegen gewisse Ablösesummen Spieler aus anderen Mannschaften holte. Das ist die normalste Sache von der Welt. Selbst Grödig macht das.

Im Fußball kommt es sogar vor, dass Spieler zum "Erzrivalen" wechseln, also etwa von der Wiener Austria zu Rapid. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn Laura Rudas, die nicht mehr in der Kampfmannschaft der SPÖ spielt, in Bälde bei der ÖVP auftaucht. Oder dass Reinhold Mitterlehner nach seinen gekonnten Blutgrätschen gegen den laufenden ÖVP-Wahlkampf demnächst ein lukratives Angebot der SPÖ erhält. Warum auch nicht?

Man muss kein Fußballexperte sein und kann Pasching für eine Art Applaus halten, um zu wissen: Jede heimische Mannschaft könnte eine Verstärkung vertragen. Auch aus dem Ausland.

Falls Silvio Berlusconi in Italien gesperrt wird, wäre er sicher günstig als Legionär zu haben. Und nach der deutschen Wahl werden entweder Angela Merkel oder Peer Steinbrück auf die Transferliste gesetzt werden. Österreich braucht nur zuzugreifen.

Karl-Theodor von und zu Guttenberg könnten wir sogar jetzt schon haben. Sozusagen als Abschreibeposten.



 
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