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Krethi und Plethi beim Berufsheer

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Wer dem ORF glaubt, ist bekanntlich selbst schuld. Als Kanzlerin Angela Merkel kürzlich in Wien auf eine Journalistenfrage mitteilte, dass das Freiwillige Soziale Jahr in Deutschland über genügend Zulauf verfüge, machten die Objektivitätsgebotenen auf dem Küniglberg daraus die doch eher überraschende Schlagzeile: "Merkel wirbt in Wien für ein Berufsheer".

Da kann man ja gleich bibelstechen, um sich für die Volksbefragung im Jänner zu informieren. Irgendwo die Bibel aufschlagen, zum Beispiel im zweiten Buch Samuel, und schon lernen wir, dass Norbert Darabos mit seiner Berufsheer-Idee auf den Spuren des biblischen Königs David wandelt.

Denn nachdem der kleine David den bösen General Goliath (der sicher für die Wehrpflicht war) mit einer Schleuder aus der Bahn geworfen hatte, führte er in seinem Reich ein Berufsheer ein. Insbesondere seine Leibwache bestand aus, wie es in der Bibel heißt, Keretern und Peletern - den sprichwörtlichen "Krethi und Plethi".

Gemeint waren Berufssoldaten aus den Völkern der Kreter und Philister. Beide waren mit Israel verfeindet, dennoch wählte David ausgerechnet unter ihnen seine Söldner aus. Dahinter standen drei Überlegungen: Erstens wären die feindlichen Truppen in Israel ohne die schützende Hand des Königs dem Tod geweiht gewesen, mussten ihm also bedingungslos ergeben sein. Zweitens waren sie, da sie die Landessprache nicht verstanden, für etwaige israelische Verschwörer nicht ansprechbar. Und drittens waren sie ohne jede Bindung zum Land, also bei Aufständen problemlos gegen das Volk einsetzbar.

Ein Berufsheer hat also durchaus seine Vorteile. Sagt die Bibel.

Und auch die Geschichte lehrt das. Die Römer, die anfangs dem Grundsatz gehuldigt hatten, dass alle Bürger gemeinsam und auf eigene Kosten ins Feld ziehen, kehrten sich schon bald von der Idee des Volksheeres ab. Der römische Senat hatte eingesehen, dass mit Wehrpflichtigen, die rasch wieder auf ihren Bauernhof oder in ihre Werkstätte zurück wollen, keine langen Kriegszüge und somit kein Aufstieg zur Weltmacht möglich ist. Daher begann man in Rom frühzeitig, Sold an die Soldaten auszuzahlen und den Weg zum Berufsheer einzuschlagen.

Aber ob Berufssoldaten oder Wehrpflichtige - der römische Denker Seneca machte sich Gedanken, wo man sie überhaupt hernehmen soll: "Die tüchtigeren Soldaten kommen aus den Gebirgen", schrieb er. "Lässig sind die feinen Herren aus der Großstadt. Keine Mühe verweigern jene Hände, die statt des Pfluges das Schwert führen müssen. In der ersten Staubwolke gibt der parfümierte Schönling auf."

Alexander Purger

 
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