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Kontroverse

Andreas Unterberger, Ex-Chefredakteur von Presse und Wiener Zeitung und Katharina Krawagna-Pfeifer, ehemalige Innenpolitikchefin des Standard, im Diskurs.

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Aufnahmeprüfungen für die AHS?

In der SN-Kontroverse argumentieren die Kolumnisten Katharina Krawagna-Pfeifer und Andreas Unterberger diesmal zu der Frage, ob es Aufnahmeprüfungen für die AHS geben soll.

Von    /   



Andreas Unterberger

Wieder Lernen statt Noten Schenken

Man hätte es dem Wiener Stadtschulrat gar nicht zugetraut. Er reagiert mit einer erstaunlich klugen Maßnahme auf die verheerenden Testergebnisse seiner Volksschulen: Mehr als 80 Prozent der Wiener Zehnjährigen sind ganz oder teilweise am bundeseinheitlichen Mathematik-Test gescheitert. Künftig sollen dessen Ergebnisse daher in Wien in die Note jedes einzelnen Schülers einfließen.

Das verschiebt im Unterricht ja erstmals wieder den Akzent von der Note ein wenig auf das Können. Linke Schulrealität hat ja bisher meist im Verschenken von Noten bestanden, auch wenn ein Schüler nichts kann (in manchen Migrantenbezirken bekamen 80 Prozent der Volksschüler lauter Einser!). Die eigene Schule solle nicht schlecht dastehen, und man wolle den Kindern nicht schaden, argumentierten die dortigen Schulbürokraten. Sie begriffen nicht, dass sie solcherart den Kindern viel mehr schadeten. Diese lernten nie die Notwendigkeit des Lernens.

Die schlechten Testergebnisse der Volksschulen machen die stereotype Idee von Rot-grün lächerlich, wenn man die zwangsweise Gesamtschule für alle 10-bis 14-Jährigen einführe, würde irgendetwas besser. Denn die Volksschule ist ja die einzige Gesamtschule. Und gerade sie hat sich als das Zentralproblem entpuppt.

Die Wiener Maßnahme ist eine erste Annäherung an die einstigen Aufnahmsprüfungen, die einst dummer Populismus abgeschafft hat. Bei diesen hatte nicht der eigene Lehrer über den Weg ins Gymnasium entschieden, sondern fremde Professoren. Solche Prüfungen waren - und wären es noch immer - die objektivste Schwelle auf dem Weg ins Gymnasium. Sie würden Druck der Vorgesetzten und Eltern auf die Volksschullehrer sinnlos machen, Noten zu schenken. Sie würden jede - angebliche - Bevorzugung von Besserverdienern verhindern. Sie würden wieder das Lernen an Stelle des Kuschelns ins Zentrum der Grundschule rücken.

Katharina Krawagna-Pfeifer

Eigenleistung statt Willkür

Vorurteile sind der beste Beweis für Realitätsverweigerung. Dies gilt besonders für das "ideologische Kampfgebiet" Schule, wo seit Jahrzehnten die ewig gleichen Argumente ausgetauscht werden, um das kostbare Gut Bildung für möglichst wenig Menschen zugänglich zu machen, indem Zugangshürden geschaffen werden. Dies in der falschen Hoffnung, dass sich der bildungspolitische Weizen von der Spreu trennt. Wobei sich hinter dem vermeintlichen Weizen oft nichts anderes verbirgt als die Behauptung, man sei gescheiter als die anderen. Woher sich diese ableitet, ist so gut wie nie nachvollziehbar, außer man glaubt daran, dass Intelligenz in erste Linie vom Vermögen der Eltern abhängt. Meist ist das Gegenteil der Fall.

Daher ist es gut, dass der Zugang zu den AHS ohne Aufnahmeprüfung möglich ist. Sie war schon vor ihrer Abschaffung vor über 40 Jahren ungerecht und hat dazu geführt, dass teure Paukerinstitute entstanden sind, mit deren Hilfe die Kinder auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet wurden. Die Befürworter einer Extra-Prüfung, die naturgemäß auch das vernünftigere Modell der Gesamtschule ablehnen, ignorieren beharrlich, dass für den Besuch der AHS bestimmte Voraussetzungen nötig sind. Die hängen aber weniger von der Geldbörse der Eltern als von Eigenleistungen ab. Die 4. Klasse der Volksschule muss erfolgreich abgeschlossen und in Deutsch, Lesen und Mathematik müssen gute oder sehr gute Leistungen erzielt werden oder es liegt eine Empfehlung der Schulkonferenz vor. Der Wechsel von der Hauptschule in eine AHS setzt voraus, dass im Jahreszeugnisvermerk in Deutsch, Lebende Fremdsprache und Mathematik die beste Leistungsgruppe besucht oder die betreffende Klasse mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen wurde. Statt der Prüfung an einem Tag zählt somit der Nachweis der kontinuierlichen Leistung.

Andreas Unterberger war 14 Jahre Chefredakteur von "Die Presse" und "Wiener Zeitung" und ist für viele das bürgerliche Gewissen der österreichischen Publizistik.
Katharina Krawagna-Pfeifer war einst SN-Innenpolitikerin, dann Chefin der Innenpolitik sowie Leiterin des Brüsseler Büros des "Standard" und später Kommunikationschefin der SPÖ.

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KOMMENTARE (10)
 

Johanna Ebner

29.12.2012 
11:46 Uhr

Aufnahmeprüfungen kombiniert mit der jetzt praktizierten Zentralmatura sollten, so hoffe ich sehr, helfen, einen Missstand der vergangenen Zeiten zu beheben: nämlich, dass Kinder von Akademikern trotz unterdurchschnittlicher bis hin zu katastrophalen schulischen Leistungen bis zur Matura mitgeschleppt werden - weil die Schulprofessoren davor Angst haben, einem Herrn Dr. mitzuteilen, dass dessen Kind zu schlecht fürs Gymnasium ist.

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Johanna Ebner

29.12.2012 
11:41 Uhr

Aufnahmeprüfungen sind eine gute Möglichkeit, Kinder gemäß ihrer schulischen Leistung und nicht ihres sozialen Umfeldes auszuwählen - obwohl es auch hier nicht ausgeschlossen ist, dass Akademiker (die mit Lehrern befreundet sind, etc.) die Aufnahmeprüfungsergebnisse ihrer Kinder beeinflussen. Der Familienname eines Kindes kann bereits eine objektive Bewertung der schulischen Leistung zunichte machen, weshalb eine Vergabe von Nummern bei den Aufnahmeprüfungen wichtig wäre.

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Dr. Helga Vereno

28.12.2012 
13:44 Uhr

Da ich selbst zur Generation der Aufnahmsprüflinge für die AHS zähle, kann ich Herrn Unterberger nur zustimmen! Die Vorteile sind doch sonnenklar: die Aufnahmsprüfung ist automatisch eine Qualitätssicherung für die Volksschule, da jeder Lehrer genau weiß, wie und wozu er ausbilden muss. Kinder sind, damals wie heute, extrem lernfähig. Und die Volksschule ist dazu da, eine fundierte Basis zu legen. Und - wir waren damals zwar aufgeregt, aber in erster Linie stolz, die Prüfung machen zu dürfen!

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