Kolumne  

Kollers Klartext

Der stellvertretende Chefredakteur der Salzburger Nachrichten und Journalist des Jahres 2010 ist der beste Kenner der Innenpolitik. Hier schreibt er Klartext und zeigt die Hintergründe der österreichischen Politik auf.

Österreich | Kollers Klartext

Weltmeister im Verhindern

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Österreich verschüttet die Talente seiner Bewohner. Wäre Frank Stronach in seiner Heimat geblieben, hätte er es wohl nicht einmal zum steirischen Wirtschaftslandesrat gebracht.

Österreich steht gern im Banne der berühmten Auslandsösterreicher. Kommt Arnold Schwarzenegger in seine steirische Heimat, geraten dort die Honoratioren und Fotografen außer Rand und Band. Gründet Frank Stronach in Wien eine Partei, geht ein Ruck durchs ganze Land.

Lächerlich? Nein. Es zeugt von intellektueller Überheblichkeit, sich über den steirisch-amerikanischen Zungenschlag, das Auftreten und das Weltbild dieser beiden Herren lustig zu machen. Aus kleinen Verhältnissen aufzubrechen, Widerstände zu überwinden, Großes zu erreichen, eine Person von Weltgeltung zu werden - das sind Lebensleistungen, denen alle Ehre gebührt. Auch wenn das viele in unserem Land der staatlichen Rundumversorgung, der Pragmatisierung und der Frühpensionitis nicht so sehen wollen.

Und es stellt sich die Frage, was aus Schwarzenegger & Stronach geworden wäre, wären sie in Österreich geblieben. Schwarzenegger hätte es vielleicht zum Landesrat in der Steiermark gebracht, Stronach nicht einmal so weit. Er wäre wegen neoliberalen Abweichlertums aus dem Vorstand jeder österreichischen Partei geflogen.

Denn mag Österreich auch nur in wenigen Bereichen Leistungen von Weltrang erbringen, in einer Disziplin gelingt uns das jederzeit und verlässlich: Wir sind Weltmeister im Verhindern von Talenten und im Verschütten von Potenzialen. Das ist nicht nur im Sport so, wo mit Dinko Jukic soeben der einzige Wassersportler, der international mitschwimmen kann, wegen notorischen Unartigseins von seinen Verbandsfunktionären gesperrt wurde. Um den Preis, dass Österreichs Sommersport nach der Olympiablamage von London nun restlos in die Bedeutungslosigkeit absaufen wird.

Nicht nur im Sport, auch in sämtlichen anderen Lebensbereichen verhindert und verschüttet Österreich die Talente und Potenziale seiner Bewohner. Etwa in der Bildung: Arbeiterkinder werden, wie internationale Vergleiche in schöner Regelmäßigkeit belegen, immer noch strukturell von den Universitäten ferngehalten. Migrantenkinder landen immer noch massenweise in Sonderschulen. Allein diese beiden Faktoren sind geeignet, Österreich auf jeder internationalen Wettbewerbsskala nach unten zu werfen.

Oder in der Wirtschaft: Anderswo mögen jedermann und jedefrau selbstständig entscheiden, wann sie arbeiten, um jene Steuern zu verdienen, mit denen sie den Staat finanzieren. Doch in Österreich schreibt ebendieser Staat den Geschäftsleuten immer noch vor, wann sie die Rollbalken zu öffnen und zu schließen haben. Anderswo mag die Obrigkeit froh sein über möglichst flächendeckende, möglichst tagesumspannende Gesundheitsversorgung. Doch Wiens Apotheker haben eben erst mühsam das Recht erkämpfen müssen, ihre Läden Samstagnachmittag aufsperren zu dürfen (!). Beamte, Politiker und Gewerkschafter, die nie den Wind des wirtschaftlichen Wettbewerbs spüren, machen sich zum Schiedsrichter über jene, die mit eigenem Geld und auf eigenes Risiko ihr Berufsleben gestalten. Zwischendurch hecken sie bürokratische Schikanen für Unternehmen aus. Es reicht ein klein wenig Fantasie, um sich auszumalen, wie weit ein Frank Stronach gekommen wäre, wäre er in die Fänge der hiesigen Verhinderer geraten.

Auch in der Politik und ihren angrenzenden Bereichen beäugt man jene scheel, die allzu viel Erfolg haben. Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer wird vom Boulevard geschmäht, weil er mit seiner Wirtschafts- und Vortragstätigkeit viel Geld verdient. Siemens-Vorstandsdirektorin Brigitte Ederer und Volkswagen-Südamerika-Chef Viktor Klima müssen sich immer noch den neidvollen Vorwurf anhören, sie verdankten ihre eindrucksvolle Wirtschaftskarriere roten Netzwerken. Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel wird als Atomlobbyist verschrieen, weil er sich in der deutschen Energiewirtschaft umtut. Jede/-r der Genannten hätte eine weit bessere Nachrede, würde er oder sie von einer Politikerpension oder einem Versorgungsjob leben, statt Leistungen zu erbringen und Steuern zu zahlen. Leistung ist hier unerwünscht.

Stronach, Schwarzenegger und viele andere ihresgleichen mussten erst auswandern, damit die Honoratioren jetzt vor ihnen auf dem Bauch liegen.

 
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KOMMENTARE (3)
 

Robert Gerstmayr

22.01.2013
11:18 Uhr

Wir sind bzgl. des Bundesheeres in der glücklichen Lage, dass 1.) uns das Volk gesagt hat , was es will 2.) uns die Bundesheer-reformkommission gesagt hat, was man tun kann 3.) und uns der Rechnungshof gesagt hat, woher das Geld für die Reformen kommen kann. Unsere Politik braucht nur das zu tun, was wir ihr anschaffen. Wenn sie das nicht tut, schicken wir sie in die Wüste. So einfach ist das!

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Renate M. Reisinger

21.01.2013
21:06 Uhr

"Die direkte Demokratie muss dringend dem zerstörerischen Zugriff der politischen Parteien entzogen werden". Danke Herr Koller für diese Feststellung! Man kann das nicht laut und oft genug wiederholen. Das war ja der Pferdefuß bei dieser Volksbefragung.

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artur.schranzer

21.01.2013
09:14 Uhr

Kommentar* Ja, die Zusammenarbeit zwischen SPÖ und ÖVP ist jetzt wohl endgültig am Ende. Um dem Land einen monatelangen Stillstand bzw Wahlkampf zu ersparen sollte so rasch als möglich gewählt werden.

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