Kolumne  

Hinter den Zahlen

Kolumne | Hinter den Zahlen

Wofür steht eigentlich die Volkspartei?

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Die ÖVP ist auf dem besten Weg, die Zukunft der Kinder den Interessen der Lehrer zu opfern.

Seit Jahren wird Österreich bescheinigt, dass es zwar viel für sein Bildungssystem ausgibt, der Erfolg aber zu wünschen übrig lässt. Jahrelang hat sich die ÖVP gegen die neue Mittelschule, also die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen, gewehrt. Als man ihr endlich einen umfangreichen Schulversuch abgerungen hat und sah, dass diese Schulform von den Eltern angenommen wurde, lenkte man ein, wenn auch nur zur Hälfte. Denn das Gymnasium muss natürlich weiter bestehen. Die pädagogische Erklärung dafür blieb man schuldig.

Seit Jahren wissen wir, jede internationale Studie bestätigt es, dass die Ganztagsschule die ideale Schulform für die Kinder ist. Gemeint ist damit nicht nur die Nachmittagsbetreuung, sondern ein verschränkter Unterricht. Was tut die ÖVP? Aus einem zarten Ja macht sie bei der nächsten Gelegenheit ein Jein. Ob Ganztagsunterricht oder nicht, darüber sollen die Schulpartner, also Lehrer, Eltern und Schüler, mit jeweils Zweidrittelmehrheit entscheiden. Warum nicht der Schulerhalter, der ja schließlich zahlt, und die Mehrheit der Eltern? Und warum zwei Drittel der Klassenlehrer?

Die Argumentation des obersten Lehrergewerkschafters dazu im Fernsehen war erschütternd und demaskierend zugleich. Weil die Lehrer, genau gesagt bereits ein Drittel der Klassenlehrer (skurril!!), besser als alle anderen wissen, was den Schülern und den Familien guttut, verkündete dieser Oberlehrer. Überheblichkeit pur. Das kann’s doch nicht sein!

Bleiben wir bei den Fakten. In Österreich gibt es im Jahr 38 Unterrichtswochen oder, anders gesagt, vierzehn Ferienwochen. Schwerarbeit für berufstätige Eltern, für vierzehn Wochen die Betreuung ihrer Kinder zu organisieren. Und was tun die Lehrer in dieser Zeit? Fünf Wochen Urlaub gut - und dann? Zumindest vier oder sechs Wochen Fortbildung? Wo ist dafür der Nachweis? Lehrer unterrichten je nach Schultyp und Unterrichtsfach zwischen 589 und 774 Stunden im Jahr. Bezahlt werden sie für eine Gesamtarbeitszeit von 1792 Stunden. Also bis zu 1200 Stunden Vorbereitung und Administration? Man kann doch erwarten, dass der Großteil der bezahlten Arbeitszeit in der Schule verbracht wird. Denn die Entscheidung, wo die Arbeit zu leisten ist, steht noch immer dem Arbeitgeber zu, also dem Bund oder dem Land. Auch ein Angestellter kann nicht im Alleingang entscheiden, nur vormittags im Büro zu sein und den Rest der Arbeitszeit zu Hause zu erbringen. Es kann daher auch nicht Sache der Lehrer sein, ihre Arbeitszeit und Anwesenheit in der Schule selbst einzuteilen.

Als Wirtschaftspartei müsste doch die ÖVP alles tun, um das beste Bildungssystem zu schaffen. Denn gut ausgebildete Mitarbeiter sind genauso wichtig wie Kapital, um im Wettbewerb zu bestehen. Da sich die ÖVP auch als Familien- und Mittelstandspartei sieht, müsste sie ferner wissen, dass eine Mittelstandsfamilie heute in der Regel zwei Einkommen braucht, um über die Runden zu kommen. Eine Ganztagsschule daher auch der Lebensrealität dieser Familien besser entspricht.

Warum lässt sich eine Partei wie die ÖVP dann gegen jegliche ökonomische und gesellschaftspolitische Vernunft vor den Karren einer kleinen Schicht beamteter Lehrer spannen? Das sollte die ÖVP der Öffentlichkeit erklären.

 
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KOMMENTARE (13)
 

OStR Mag. Otto Rabong

28.12.2012 
09:30 Uhr

Wir haben schon viel Unsinn aus der Feder sogenannter ExpertInnen erfahren. Frau Kager schlägt aber alles Bisherige. Wir Lehrer an den Gymnasien Österreichs sind es aber langsam Leid, ständig solch inferiore Kommentare lesen zu müssen. Daher nur ein einfacher Vergleich - wohl für alle Ex-ChefökonomInnen und dergleichen verständlich: Uns Lehrern spricht man also die Expertenmeinung ab - würden Sie auch dem Chefökonomen des Spitals mehr Kompetenz für die Operation zutrauen als dem Chirurgen?

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Josef Penzendorfer

27.12.2012 
20:30 Uhr

Ich bin als langjähriger Leser Ihres Blattes eigentlich ziemlich enttäuscht von den SN, dass man nun auch in Ihrem Medium schon den Meinungen von selbsternannten Expert/innen (nämlich Marianne Kager, wie Andreas Salcher seitens des KURIER) Platz zur Verfügung stellt, ihre private Meinung als Fachexpertise getarnt veröffentlichen zu können. Woher weiß M. Kager zB wirklich, dass die Ganztagsschule die beste Schulform ist? So manches ist nicht statistisch messbar und trotzdem wichtig und richtig!

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christian wirleitner

27.12.2012 
20:29 Uhr

Nach meiner Kenntnis vieler Lehrerzimmer wären diese allein schon nach dem Tierschutzgesetz verboten. Auf so engem Raum darf man vermutlich heute nicht mal mehr Hühner halten. Und da sollen sich die Lehrer dann vor- und nachbereiten, sich mit KollegInnen koordinieren usw..

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Martha Schöfbeck

27.12.2012 
20:28 Uhr

Auch wir sind über die eindimensionale Sichtweise von Frau Kager entsetzt. Warum soll die Lösung der aktuellen Bildungsmisere eine (Gesamt) Schule sein, in der leistungsschwache, lernunwillige oder verhaltensauffällige Kinder ihre engagierten Klassenkameraden vom Lernen abhalten? Wir ersuchen die ÖVP, für die Langform der AHS und die nicht verschränkte Ganztagsschule einzutreten. Bitte lasst uns Eltern die Wahlfreiheit , wo und wie lange wir unsere Kinder in schulische Betreuung geben.

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Christine Fasching

27.12.2012 
20:28 Uhr

unser Schulsystem ist sicher besser als Ganztagsschulen in z.B. Amerika oder Canada. Sie sind Bankfachfrau aberkeine Schulexpertin. Das Image unserer Lehrer war und ist gut ,Wir leben in einer Demokratie und daher Mitspracherecht natürlich der Lehrerschaft. Ohne Umbau aller Schulen (Lehrerarbeitsplätze,Aufenthaltsräume für Kinder usw) kann eine Ga nztagsschule nicht funktionieren. Die dafür benötigten Mittel könnten z.B für die Erhöhung der Kinderbeih. verw.werden.

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Hans Gastberger

27.12.2012 
18:19 Uhr

Was spricht dagegen, wenn die Lehrer/innen mitentscheiden, welche Schulform es an ihrem Standort geben soll? Haben Sie in Ihrer Bank jemals die Kunden mitentscheiden lassen, wie hoch z.B. die Zinsen sein sollen? Sie werden argumentieren, dass das die Fachleute besser beurteilen können - wie Recht Sie doch haben! Haben Sie jemals in einem Großraumbüro mit zig KollegInnen geistige Arbeit verrichtet, wo Sie noch dazu Ihren Arbeitsplatz mit mindestens einer Person teilen mussten?

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alfi48

27.12.2012 
18:19 Uhr

Als älterer "beamteter" Lehrer kann ich mich über soviel Blödsinn in diesem Kommentar nur wundern! Frau Kager woher nehmen sie ihr Wissen um Lehrerdienstrecht, Besoldung, Schulunterrichtsgesetz...und div andere Vorschriften?Ein bisschen Politik, ein bisschen Polemik, ein bisschen Wirtschaft und schon ist über etwas geschrieben u ein ganzer Berufsstand samt einer für mich unklar zuzuordnenden Partei schlecht gemacht. Nichts gegen Expertenmeinungen aber Schule besteht aus Schülern Lehrern u.Eltern

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Andreas Prause

27.12.2012 
18:18 Uhr

Es scheint das Dilemma unserer Zeit zu sein, dass jemand der einen Betrieb führen kann deswegen glaubt auch ein Land regieren zu können, so wie eine Finanzwirtschafterin glaubt etwas von Bildung zu verstehen. Den Nonsens aus ihrer Feder, Frau Kager möchte ich nur in einem Punkt kommentieren: Ich werden zukünftig auf die Stunden, die ich über den bezahlten Arbeitsrahmen hinaus daheim arbeite, verzichten, dann bin ich den Großteil meiner Arbeitszeit zu Hause. Ist das im Interesse der Bildung?

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Andreas Prause

29.12.2012 
14:25 Uhr

Kleiner Flüchtigkeitsfehler - Natürlich muss es heissen: "dann bin ich den Großteil meiner Arbeitszeit in der Schule".

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Edith Laimer

27.12.2012 
14:17 Uhr

Bitte, bitte endlich mal diese "Studien" auf den Tisch, die wirklich bescheinigen, daß die Gesamtschule in anderen Ländern bessere Ergebnisse bringt ! Bayern hat keine Gesamtschule, sogar eine Trennung in Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien und Bayerns SchülerInnen sind Spitze ! In Schweden gibt es neben der Gesamtschule ein zweites Schulsystem mit ca. 900 Privatschulen ! Das wird nie erwähnt !

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f OBELIX

27.12.2012 
12:48 Uhr

Das Problem ist. Was sind Parteien eigentlich noch? Die paar SPOler und ÖVPler an der Landesspitze die dekatent gegen ihre eigenen Parteiprogramme spekulieren ließen? Weil sie´ ja viel besser wußten? Gehören diese eigentlich noch zu den Parteen , oder sollte nicht ein sofortiger Ausschluß stattfinden? Verräter sind unter den Partien leider zuhauff ! Auch in Wien die Brauner und sonstige Konsortinnen. Ist die VP eine Wirtschaftspartei der realen Wirtschaft oder nur mehr die der Finanzwirtschaft

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Gabriela Zehentner

27.12.2012 
12:47 Uhr

Super Frau Kager, Sie können motivieren! Kommen Sie als Bildungsexpertin und zeigen Sie uns, wie wir LehrerInnen der Wirtschaft dienen können! Das bisschen ganztägige Beaufsíchtigen von 30 Kindern in einem Raum machen wir nebenbei. Dann können Sie endlich auch einmal so viel Freizeit genießen, in Geld schwimmen und richtig alles blockieren, wie wir es tun. Um Kinder und ihre Bedürfnisse kümmern wir uns, wenn wir mit dem Vorzüge des Berufs-Auskosten fertig sind, nicht wahr? Themaverfehlung!

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Franz Auer

27.12.2012 
09:54 Uhr

Und sie, Frau Kager sind sicher, dass alle Eltern genau das wollen, was sie verlangen? Die Vorstellungen der ÖVP machen das, was sie wollen möglich, aber nur für die, die es wollen. Es gibt bei der ÖVP kerine Zwangsbeglückung sondern Wahlfreiheit, und das ist entscheidend.

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