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Der Voyeurismus des Staates wird unerträglich

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Sie wollen alles wissen, alles sehen, überall hineinschnüffeln - und tun das doch nur zu unser aller Bestem. Was uns Bürgern schwer auf die Nerven geht, uns Angst macht vor dem Großen Bruder Staat.

Zwei Meldungen erregen den Zorn des Zweiflers. Die eine kam vom Besuch der Innenministerin in den USA und die andere aus dem Bekanntenkreis. Verknüpft man beides, wächst die Gefahr, dass wir bald in einer Welt leben, in der nichts mehr privat bleibt.

Die Innenministerin besuchte das FBI und lernte dort, dass es ganz nützlich für die Verbrechensbekämpfung sein kann, wenn den Organen der Exekutive private Videoaufnahmen zur Verfügung stünden. Nach dem Bombenanschlag beim Boston-Marathon hat man nämlich aus einer Fülle von privat - meistens mit dem Mobiltelefon - aufgenommenen Videos die entscheidenden Hinweise auf die Attentäter bezogen. Auch die Überwachungskameras von Geschäften in der Nähe des Geschehens waren hilfreich und dienlich.

Das hat manche dazu verleitet, von einem Pool zu träumen, in den alle Videos eingespeist werden können, private und solche, die von der Parkplatzüberwachung, der Kontrolle von Hauseingängen und Banken, von Sicherheitskameras bei Juwelieren und anderen Geschäften aufgenommen werden.

Die zweite Meldung handelte von der Möglichkeit, sich eine Drohne zu kaufen. Für ein paar Hundert Euro gibt es Fluggerät, ferngesteuert und mit Kamera ausgerüstet, das jeder nach Belieben einsetzen kann, um einmal nachzuschauen, wo die eigenen Kinder sich herumtreiben, ob die Halbwüchsigen am anderen Ende der Sackgasse schon wieder Fußballspielen und Lärm produzieren oder wer gerade in Nachbars Garten oben ohne in der Sonne liegt.

Verknüpft man diese beiden Dinge miteinander, dann haben wir alle Grund, schreiend das Weite zu suchen. Nicht nur an jeder Ecke, vor jedem Geschäft, auf jedem Parkplatz wäre es angebracht, immer freundlich zu lächeln und nur ja keinen Fuß an die falsche stelle zu setzen, man wäre dank der Drohnen in privater Hand nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden sicher vor dem Voyeurismus der anderen. Und weil ja der Staat die Möglichkeit hätte, im Fall des Falles diese privaten Videos abzurufen im Interesse der Verbrechensbekämpfung, wären wir auch der Bespitzelung durch den Staat hilflos ausgesetzt.

Da hilft uns auch nicht, dass die Innenministerin andeutete, die Lieferung von privaten Videos an die Exekutive könne nur auf absoluter Freiwilligkeit basieren. Denn die Leute, die gefilmt wurden, die werden ja nicht gefragt.

 
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KOMMENTARE (2)
 

Sefferl

30.05.2013 
14:54 Uhr

Ich dachte der Herr Hermann ist aus Altersgründen schon in der Pension? Wenn nicht dann die besten Wünsche in der Hoffnung dass Sie baldigst den Ruhestand genießen können!

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reinhard wallner

29.05.2013 
15:14 Uhr

Unter dem Vorwand der Terror-Prävention wird uns von unfähigen Politikern ein Überwachungsstaat aufgezwungen, da diese Angst haben, eine allfällige Opposition könnte sie mittels moderner Kommunikationsmedien entmachten. Gut beschrieben in dem Buch von Ilija Trojanow und Juki Zeh: "Angriff auf die Freiheit". Dieses Buch sollte an den Schulen im Unterricht erwähnung finden.

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