Kolumne  

Gewagt gewonnen

Kolumne | Gewagt gewonnen

Diesem Trend wird Österreich nicht entkommen

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Soziales Unternehmertum wird zu einem spannenden neuen Marktfeld. Etablierte Institutionen müssen aufpassen, den Zug nicht zu versäumen.

Nehmen wir an, ein Land weist die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU auf. Diese erkauft es sich durch das zweitniedrigste Pensionsantrittsalter aller Industrieländer, also durch Frühpensionierungen. Damit ist auch klar, dass die Bürger dieses Land eine hohe Steuerlast tragen müssen, exakt: die siebthöchste Abgabenquote der EU.

Welchen Spielraum hat ein derartiges Land, das nebenbei erwähnt Österreich ist, auf neue gesellschaftliche Probleme zu reagieren? Finanziell gesehen null. Jeder Steuereuro ist verplant. Abseits dessen hat es jedoch überraschend großen Spielraum: Kürzlich ging die Einreichfrist für den Social Impact Award der Wirtschaftsuniversität Wien mit einer Rekordzahl von Bewerbungen zu Ende. Studierende aus Österreich, Rumänien und Tschechien reichten 113 Projekte ein. Die Bandbreite reicht von Tanzworkshops für benachteiligte Kinder und Jugendliche bis hin zu einer ökologischen Initiative, um das Image von Leitungswasser aufzuwerten. Das ist ein Indikator dafür, dass es nicht nur viele gute Ideen gibt, unternehmerisch aktiv zu werden, sondern auch Energie für einen positiven Wandel in der Gesellschaft. Bemerkenswert ist, dass die klassische Trennung von profitorientierten Wirtschaftsunternehmen auf der einen Seite und mitunter um einen Pappenstiel arbeitenden Sozialvereinen auf der anderen Seite aufgehoben wird. International ist Social Entrepreneurship bereits ein heißes Thema, das großes Interesse unter jungen Leuten hervorruft, mit eigenen Wettbewerben, Kursen und Studiengängen. Die große Herausforderung für Österreich besteht jedoch vor allem darin, Social Entrepreneurs in bestehende Strukturen einzubetten, damit ihre Ideen auf breiter Basis umgesetzt werden können. Warum docken etablierte Hilfsorganisationen nicht an die jungen Ideengeber an? Es würde ihnen bei ihrer eigenen Erneuerung helfen. Gleiches gilt für klassische etablierte Unternehmen: Warum kümmern sich erst wenige wie Baumax oder Coca-Cola Österreich um Social Entrepreneurs? Auch sie könnten viel lernen, etwa über den Umgang mit Mitarbeitern oder Ressourceneffizienz. Wann stiftet das Sozialministerium einen Social-Entrepreneurship-Preis und beschäftigt sich mit dem Testen neuer Lösungen für alte Probleme?



 
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