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Der Einfluss der Österreicherinnen auf den Nobelpreis

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Kaum bekannt ist, dass der begnadete Unternehmer und Stifter des Preises, Alfred Nobel, enge Beziehungen zu Österreich pflegte.



Die Chancen, mit dem Preis aller Preise beglückt zu werden, sind auch heuer gering: Das Land ist klein. Es steht leider nicht im Ruf, die Traumdestination für Wissenschafter von Weltrang zu sein. Und es hat den Verlust eines großen Teils seiner Intelligenz durch die Vertreibungen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nie kompensieren können, weder in Zahlen noch im Selbstverständnis.

Dennoch hat Österreich mehr mit den jährlich vergebenen Nobelpreisen zu tun, als allgemein bekannt ist: Wer das Nobel-Museum in Stockholm besucht, lernt dort, dass im Leben des reichen Stifters und Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zwei Österreicherinnen eine wichtige Rolle spielten.

Da war einmal Sofie Hess, eine Blumenverkäuferin aus Wien. Sie war die Geliebte des umtriebigen Erfinders und begnadeten Geschäftsmanns aus Schweden gewesen, der bei seinem Tod ein Imperium mit 90 Fabriken in 20 Ländern hinterließ, jedoch keine eigenen Kinder. Obwohl Nobel um 23 Jahre älter war als seine Freundin, wesentlich gebildeter und polyglotter als diese - der Erfinder des Dynamits sprach fünf Sprachen - und sie ihm zudem viel Geld abnahm, dauerte die Beziehung 18 lange Jahre. Indirekt war Hess so auch an der Stiftung des großen Vermögens zugunsten des wissenschaftlichen Fortschritts schuld: Wäre die Beziehung nicht insgesamt unglücklich verlaufen und fünf Jahre vor dem Tod des Junggesellen zu Ende gegangen, weil die Wienerin ein Kind von einem anderen bekam, hätte Nobel womöglich eine eigene Familie gehabt. Dann hätte sein Testament anders ausgesehen.

Es gab noch eine Österreicherin, und sie hatte direkten Einfluss auf die Nobelpreise: Die spätere Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner war vor ihrer Heirat, damals hieß sie Bertha Kinsky, für kurze Zeit in Paris die Assistentin Nobels gewesen. Dieser verliebte sich sofort heftig in sie, doch sie verließ ihn, um von Suttner zu heiraten. Nobel blieb dennoch mit ihr in Verbindung und unterstützte später ihre Friedensbewegung. Man nimmt an, dass Bertha von Suttner es gewesen ist, die ihn dazu inspirierte, neben den wissenschaftlichen Preisen auch einen für den Frieden zu stiften.

Interessant ist, dass die geschäftliche Karriere von Alfred Nobel trotz seiner großen Erfolge wenig aufgearbeitet wurde. Vielleicht liegt das auch an seinem zerrütteten Verhältnis zu den Wirtschaftswissenschaften: Der Nobelpreis für Ökonomie wurde nicht von Nobel gestiftet, sondern Jahrzehnte später von der schwedischen Reichsbank.

 
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