Kolumne  

Fliehers Journal

Beobachtungen des Alltags zwischen Popwahnsinn, Sprachverwirrung und Kinderl(i)eben von SN-Kulturredakteur Bernhard Flieher.

Kolumne | Fliehers Journal

Wild lesen und endlos flattern wie Schmetterlinge

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Gibt es eine Lesewelt ohne Joanne K. Rowling? Ein kleiner Ratgeber in Zeiten der Kaufbefehle.



Den Franz schert diese Harry-Potter-Erfinderin J.K. Rowling nicht. Und schon überhaupt nicht schert ihn das Gedöns, das sich um deren neues Buch - eh nur eines für Erwachsene - abspielt und das eine Karawane von Mitlesern auslöst. Der Franz hat anderes zu tun, noch dazu, wo er jetzt eh von einem Eck ins andere befördert wird. Der Franz wohnt ja zeitweise schon länger bei uns. Und es war immer überschaubar, was der Franz so treibt. Mit Eberhard, seinem besten Freund, spielt er Fußball. Manchmal ist der Franz mit der Schule auf Ausflug, manchmal reiten. Und dort, wo der Franz echt wohnt, dort ist die Gabi seine Nachbarin. Mit der Gabi spielt er alles Mögliche - wenn es keine Probleme gibt, aber die gibt es immer, weil die Gabi ein ganz altes Problem vom Franz ist: Er ist in sie verliebt, dabei ist sie immer recht garstig zu ihm. Bei uns daheim hat sich das Verhältnis zum Franz zuletzt ein bisserl Gabi-artig - also unüberschaubar - entwickelt. Ja, es ist dramatisch anders geworden. Ich habe die Kontrolle über Franz verloren, Und schuld ist die Schule, wo neuerdings das Lesen geradezu provoziert wird. Ach so: Den Franz gibt es in echt gar nicht! Den Franz hat sich die Christine Nöstlinger ausgedacht. Und weil bei uns daheim vorlesen neuerdings so was von uncool ist. liegt der Franz, den es in mehreren Bänden gibt, in jeder Ecke. Für jedes gelesene Buch gibt’s in der Schule nämlich eine Perle und für sieben Perlen einen Schmetterling. Und beim Zuschauen und Verstoßenwerden aus der selbst erlesenen Welt drängt sich in mir der Wunsch auf, noch einmal beginnen zu dürfen mit dem Abenteuer, noch einmal zu erleben, wie aus Zeichen Buchstaben, dann Sätze und dann Geschichten werden. Und wie egal es ist, was lauthals zum Besteller hochgejubelt wird, weil der einzige Weg so verläuft: von einem Buch zum nächsten, dauernd.

 
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KOMMENTARE (2)
 

Wolfgang kaufmann

13.01.2013 
15:40 Uhr

grossartig geschrieben! The one and only - Helmut B.

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michael pand

13.01.2013 
10:58 Uhr

großartiger Kulturkommentar ! (pand, dzt. saigon)

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