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Das österreichische Wunder. Neue Folge.

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Die klugen Mitarbeiter der Sozialforschung haben in jüngster Zeit interessante Neuigkeiten über die österreichische Seele und den Alltag unserer Gesellschaft zutage gefördert.

Ein bemerkenswertes Phänomen ist die Weigerung vieler junger Mitbürger, das bequeme elterliche Haus zu verlassen und eine eigene Adresse zu wählen. Die "Nesthocker" beschäftigen die Soziologie: Die Vermeidung von Mietkosten, die Nutzung des Wasch- und Bügelservices im Hotel Mama sowie die Angst vor der eigenen Verantwortung bilden die bestimmenden Motive.

Ein weiteres Merkmal der aktuellen, österreichischen Gesellschaft ist die geringe Zahl der Geburten. Nach einer kurzzeitigen Steigerung musste im ersten Halbjahr 2013 wieder ein Rückgang registriert werden. Nesthocker sind offensichtlich nicht gebärfreudig. Dass ohne die viel geschmähten Paare mit Migrationshintergrund Österreich vom Aussterben bedroht wäre, soll nicht übersehen werden.

Glaubt man also der Soziologie, so beherrscht eine wohlige Trägheit die Jugend. Bei den Älteren sieht die Lage allerdings auch nicht besser aus.

Allen Reformen des Pensionssystems zum Trotz flüchten die Österreicher im Schnitt deutlich vor dem sechzigsten Geburtstag in den Ruhestand, dessen Antritt auch nie ohne die Würdigung eines wohligen Verdiensts erfolgt. Manche würden sich noch bis zum zweiundsechzigsten Jubeltag in die Fron der Arbeit quälen. Alle Älteren dürften sich, so die Statistik, mit den Nesthockern die Zeit vertreiben.

Die Forscher haben allerdings entdeckt, dass auch in Österreich dynamische und arbeitsfreudige Personen das Licht der Welt erblicken. Diese würden die hierzulande offenbar herrschende Lähmung nicht vertragen und sich in das attraktive Ausland absetzen. Die jüngste Studie besagt, dass nur wenige heimkehren. Ausländische Spitzenkräfte würden sich ohnehin kaum nach Österreich verirren.

Über die im Lande verbleibenden und die Unternehmen bevölkernden Frauen und Männer berichten andere Studien auch Eigenartiges. So würden diese zwar die vorgesehenen Stunden in den Betrieben verbringen, aber keineswegs stets arbeiten. Manche Analysen kommen sogar zu dem Schluss, dass mehr als die Hälfte der vermeintlichen Arbeitszeit mit Schwätzen, Rauchen, Intrigieren, privat Telefonieren und Internetsurfen vergeht.

Die zu diesen Themen geführten Diskussionen sind auch ohne Kenntnis der Studien von den hier geschilderten Ergebnissen überzeugt.

Eine Studie fehlt allerdings. Welche geheimnisvollen Personen erarbeiten in Österreich die höchste Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung im Euroraum und welche Geister verwirklichen die Investitionen, die eine weit über dem EU-Durchschnitt liegende Quote ergeben?

Die von der Soziologie enttarnten Faulpelze, die das Land bevölkern, können es nicht sein.

 
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KOMMENTARE (2)
 

gerald holzinger

30.07.2013
17:53 Uhr

In Zeiten wie diesen, soll und MUSS man die heute ca 20jährigen aufklären über den bereits beschlossenen lebenslangen Erwerbszeiten-Pensions-Durchrechnungs-Zeitraum und der damit verbundenen Minimierung der heute zu erwartenden Pensionen und der in 40 Jahren um 50%. Man hat aufzuhörn, vor Wahlen nur die Zuckerl anzupreisen und letztlich ist das Versprochene nicht mal das Papierl wert. Lebensversicherngen müssen sicher sein -ohne Spekulation und der Arbeitsmarkt muss sie leistbar machen!

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Gerhard Spiesz

23.07.2013
13:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Barazon! Vielen Dank für den Artikel.Sie haben damit dokumentiert,dass es in diesem Land auch noch Mitgieder der schreibenden Zunft gibt,die nicht nur formulieren können,sondern auch mit Fachwissen ausgestattet sind.Eine rare Kombination!Natürlich sind die Produkte der Versicherungen im Vorsorgebereich unverzichtbar-zumindestens so lange,als man sich auf keine ungezügelte Spekulation einlassen will.Dies trifft sicher auf die Mehrzahl der Pensions-Sparer zu.

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