"Black March": Anonymous ruft zu Konsum-Boykott auf
Von Ralf Hillebrand | Aktualisiert vor 103 Tagen
Die Berichte über Cyber-Attacken von Anonymous nehmen kein Ende: Erst diese Woche wurde bekannt, dass die Gruppierung den deutschen Bundestag, das peruanische Außenministerium und nicht zuletzt die E-Mail-Konten mehrerer Mitarbeiter von Syriens Machthaber Assad gehackt haben soll. Damit aber nicht genug: Die Aktivisten setzen nun offenbar auch zunehmend den Hebel in der Offline-Welt an. Vor wenigen Tagen tauchte im Internet ein Pamphlet auf, in dem dazu aufgefordert wird, die Unterhaltungsindustrie im März zu boykottieren. Der Aufruf, der mit dem Anonymous-Logo versehen ist, machte über Kanäle wie Facebook und YouTube schnell die Runde.
Durch die Aktion soll konkret gegen "die immer mehr werdenden Kampagnen für Internetzensur wie SOPA, PIPA, ACTA usw. und die Schließungen von Seiten wie MegaUpload" protestiert werden. Vor allem das Anti-Piraterie-Handelsabkommen ACTA ("Anti-Counterfeiting Trade Agreement") scheint den Cyber-Aktivisten übel aufzustoßen. Der von 39 Staaten ausverhandelte Pakt gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen wurde Ende Jänner von 22 der 27 EU-Mitgliedsstaaten - darunter Österreich - unterzeichnet. Obwohl die Verhandlungen zu dem Abkommen bereits 2007 begonnen hatten, scheint sich erst jetzt größerer Widerstand zu regen: "Kauf keine einzige CD. Lade keinen einzigen Song runter, legal oder illegal. Schaue keinen einzigen Film in Kinos (...). Kauf kein Videospiel. Kauf kein einziges Buch oder Magazin", so die genaue Aufforderung. Durch die Aktion soll "ein großes Loch in den Profitberichten der Medien- und Unterhaltungsindustrien für das erste Quartal" gerissen werden.
Ob hinter dem Pamphlet auch wirklich die Anonymous-Bewegung steckt, kann noch nicht mit Sicherheit bestätigt werden. Erst vor wenigen Wochen entpuppte sich eine angebliche Anonymous-Ankündigung, Facebook hacken zu wollen, als eine Aktion einiger Einzelkämpfer ohne wirklichen Rückhalt der Gruppierung. Durch die rasche Verbreitung über diverse Kanäle könnte die aktuelle Aufforderung aber auch ohne wirklichen Anonymous-Hintergrund Wirkung zeigen.
Als offiziell bestätigt gilt parallel die Ankündigung der Hacker-Gruppe, am Samstag in mehreren europäischen Städten groß angelegte Protestkundgebungen abhalten zu wollen. Auch in Wien, Linz und Graz soll es Demonstrationen geben. Laut Twitter sollen die Demos in Wien um 14 Uhr auf dem Stephansplatz starten.
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