Medien

Medienbranche vor Schicksal Griechenlands?

Von Sn, Apa | 20.06.2012 - 09:53

"Wohin überzogene Löhne und Forderungen der Gewerkschaft führen können, kann man aktuell am Beispiel Griechenlands studieren", warnte Hans Gasser, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ).

Medienbranche vor Schicksal Griechenlands?

Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) Hans Gasser. Bild: SN

Der Journalistenzunft könnte ein Griechenland-Schicksal drohen, meint Gasser im APA-Interview mit Blick auf die gescheiterten Kollektivvertragsverhandlungen. Man müsse die Zeichen der Zeit erkennen, "und die sind insgesamt nicht auf Wachstum ausgerichtet. Diesem Umstand muss natürlich auch ein neuer Kollektivvertrag Rechnung tragen."

Die Verleger werden jedenfalls gegensteuern, "denn griechische Verhältnisse möchte in der österreichischen Printbranche niemand haben", so Gasser. Grundsätzlich sei die finanzielle Lage der Zeitungen derzeit aber "nach wie vor relativ gut, obwohl sich die wirtschaftliche Situation allgemein eintrübt", sagte Gasser im Vorfeld der VÖZ-Generalversammlung am Donnerstag. Die stabile Situation der Medien sei "in erster Linie auf die Anstrengungen der Verleger und Zeitungsmanager zurückzuführen, Synergien zu suchen und Kosten zu optimieren".

Mit knapp 60 Prozent Erlösanteil am österreichischen Werbekuchen habe die Gattung Print einen internationalen Spitzenwert, was der hohen Gesamtreichweite der Printtitel von 72 Prozent zu verdanken sei. Zweifelsohne werde künftig auch Online seinen Anteil am Kuchen weiter ausbauen, "weil in diesem Bereich immer neue Werbeformen und Modelle entwickelt werden". Pessimistischer ist Gasser für den Fernseh-Bereich, wo mit dem Aufkommen von Smart TV "einiges in Bewegung geraten" werde.

In dem Zusammenhang bekräftigte der Verlegerpräsident auch die Forderung der Zeitungshäuser nach einer Werbeabgabe für den Onlinesektor. Die Kritik mancher Onliner an dieser Forderung sei für ihn zwar verständlich, aber wenig berechtigt - schließlich gehe es um Wettbewerbsgleichheit. "Es ist nicht einzusehen, dass große Onlineplattformen Millionen scheffeln und nicht mal die fünf Prozent Werbeabgabe zahlen, alle anderen Mediengattungen das aber tun müssen." Dass auch die Verleger selbst und deren Onlineaktivitäten von der Abgabe betroffen wären, "dokumentiert vor allem eines: die Ernsthaftigkeit und das Bemühen um fairen Wettbewerb am heimischen Medienmarkt".

Die diesjährige VÖZ-Generalversammlung geht der Frage nach, was Social Media Plattformen für die Zukunft klassischer Medien bedeuten. Für Gasser ist hier der problematischste Punkt "die Verwendung und Monetarisierung von Inhalten, die vor allem von klassischen Medien unter erheblichen Kosten produziert worden sind. Hier brauchen wir klare Spielregeln, an die sich auch freiheitsliebende Start-ups halten müssen."

Von der Politik erwartet sich Gasser daher die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verlage, um einen fairen Anteil für die Inhalte im Netz zu erlösen, sowie faire Rahmenbedingungen im Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Medienunternehmen. Weiters erneuert er die Forderung nach einem "spürbaren Ausbau der Presseförderung zur Stärkung der heimischen Titelvielfalt und Medienqualität".

Zum aktuellen Dauerbrenner der Medienberichterstattung, der ORF-Standortfrage, äußerte sich Gasser indes nur zurückhaltend. "Der Standort eines Unternehmens hat ohne Zweifel Auswirkung auf Unternehmensstrategie, - entwicklung und -kultur." Im Falle des ORF, einem für österreichische Verhältnisse relativ großen Unternehmen, stelle neben den Kosten sicher auch die Akzeptanz der Mitarbeiter einen Faktor da. Die Performance von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in dieser Angelegenheit wollte er nicht beurteilen. Aus Sicht der Privatwirtschaft könne er lediglich festhalten, "dass in ähnlichen Fällen der Aufsichtsrat gegenüber CEO oder Geschäftsführung schon deutlichere Akzente gesetzt hat".

 
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