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Zu Besuch im alten, neuen Europa

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Aufgereiht wie Perlen liegen die drei baltischen Staaten an der Ostseeküste - Estland, Lettland, Litauen. Bewegt wie die Wolken über dem Land ist auch ihre Geschichte.

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<strong>Mittelalter</strong> zum Angreifen am Fuße des Burgbergs: Tallinn.  Bild: SN/hutter

Mittelalter zum Angreifen am Fuße des Burgbergs: Tallinn.

Bild: SN/hutter

<strong>Reichtum Rigas</strong>: Haus der Schwarzhäupter-Gilde und Petrikirche. Bild: SN/hutter

Reichtum Rigas: Haus der Schwarzhäupter-Gilde und Petrikirche.

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<strong>Immer ein paar</strong> Ruderschläge wert ist die Wasserburg Trakai. Bild: SN/hutter

Immer ein paar Ruderschläge wert ist die Wasserburg Trakai.

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<strong>Kaira bittet</strong> zum Mittagmahl. Bild: SN/hutter

Kaira bittet zum Mittagmahl.

Bild: SN/hutter

<strong>Rigas berühmter</strong> Jugendstil.  Bild: SN/hutter

Rigas berühmter Jugendstil. 

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<strong>Der letzte Papst</strong> war hier: Litauens Berg der Kreuze. Bild: SN/prplus

Der letzte Papst war hier: Litauens Berg der Kreuze.

Bild: SN/prplus




Kaira steht im Eingang und winkt mit einem breiten Lächeln. Doch es ist noch ein wenig zu früh für Dillkartoffeln, Aal, Schweinsbraten und Sauerkraut, und die Passanten schlendern am Restaurant "Olde Hansa" vorbei, anstatt einzukehren. Burschen in Kniebundhosen, Mädchen mit langem Kleid und sittsamem Häubchen - in Tallinn wird das Mittelalter gefeiert. Bereits 1280 war die estnische Hauptstadt dem mächtigen Handelsbund Hanse beigetreten. Die Zeugen der Glanzzeit sind heute noch zu bewundern: das Rathaus aus dem 14. Jahrhundert etwa - mit seinem 1530 auf die Turmspitze gesetzten Wächter "Alter Thomas" - und der imposante Hauptplatz, unter dessen Arkaden sich die Markthändler einfanden. Hier wurde auch im Jahr 1711 auf einem im Boden versenkten Mühlstein der erste Christbaum aufgestellt, Zar Peter der Große persönlich entzündete die Kerzen. Nebenan, in einem Seitengässchen, kann eine der ältesten Apotheken Europas, immerhin aus dem Jahre 1422, bestaunt werden. Zu kaufen gab es nicht nur Kräuter und Tinkturen, sondern auch Spielkarten, gewürzten Wein, getrocknete Froschschenkel, Blut von einer schwarzen Katze und noch allerlei magische Zutaten. Tallinn ist die Stadt, die hinkt, witzeln die Esten selbst über das einstige Ungleichgewicht zwischen dem Adel hoch oben auf dem Burgberg und der bürgerlichen Stadt. Deren schmucke Häuser erzählen von stolzen Gilden, Zünften und reichen Handelsherren sowie vom berühmten Tallinner Marzipan. Tüchtig sind die Esten - deren Sprache eng mit dem Finnischen verwandt ist - heute noch, auch wenn die anderen Balten sich über ihre sprichwörtliche Bedächtigkeit lustig machen: "Die Esten messen sieben Mal, ehe sie schneiden."

Gar nicht langsam, sondern mit einem Tempo, das die Meeresnähe verrät, treibt der Wind die Sommerwolken über den Himmel. Und so braucht es auch nur rund fünf Autostunden, um vom Mittelalter in die Neuzeit zu gelangen, nach Riga nämlich, und sich prompt in illustrer Gesellschaft zu befinden. Der Komiker Heinz Erhardt, Tanzlegende Mikhail Barishnikov und Ausnahmegeiger Gidon Kremer stammen ebenso von hier wie Stardirigent Mariss Jansons oder der Regisseur Sergej Eisenstein. Dessen Vater Michael ist verantwortlich für viele der Jugendstilfriese, für die die Stadt heute berühmt ist. Altstadt, Cafés und Boutiquen, Flaniermeilen - die Hansestadt an der Daugava zeigt sich weltläufig, elegant, auch wenn hier ebenfalls der russische Bär seinen Pfotenabdruck im Stadtbild der lettischen Hauptstadt hinterlassen hat. Dagegen war sogar der "Schwarze Balsam" von Riga machtlos, ein dunkles Gebräu aus 23 Kräutern mit rund 45 Prozent Alkohol, auf das die Letten schwören. "Außer bei Liebeskummer hilft er sonst wirklich gegen alles", lacht Inese hinter dem Tresen mit Fläschchen und hausgemachten Keksen in dem dunkel getäfelten Laden.

Legenden zählen hier mehr als die oft raue Wirklichkeit. Und so haben für die Rigaer nicht die Ritter des Deutschen Ordens die Stadt im Hochmittelalter gegründet, sondern der heilige Christophorus persönlich. Die Wolken galoppieren einstweilen dahin und tragen Sagen und Besucher weiter nach Süden, vorbei an weiten Wiesen, schreitenden Störchen und der barocken Pracht von Schloss Rundale, ins Litauische hinein. Dort wartet bereits ein Berg. Der "Berg der Kreuze", ist die Erhebung selbst ja ein Hügelchen, allerdings ein wundertätiges, und so schmücken Millionen Kruzifixe den Ort. Selbst als die Sowjets die Kreuze entfernen ließen, wuchsen sie im Zeichen des Widerstands gegen die fremde Herrschaft quasi über Nacht wieder nach. Ein Abstecher bringt die Reisenden zur Kurischen Nehrung - einer sandigen Halbinsel zwischen der Stadt Klaipeda, zu Deutsch Memel, und dem russischen Kaliningrad. Auch sie wurde, so geht die Mär, von einer Riesin zum Schutz der ansässigen Fischer aufgeschüttet, heute ist sie eine entzückend nostalgische Sommerfrische mit Wanderdünen und Pinienwäldern, dem einstigen Ferienhaus von Thomas Mann und Souvenirs von Bernstein und Schafwollschals bis Elchgeweihe.

Weiter ziehen die Wolken, malen auf dem Weg Ornamente in den See rund um die Wasserburg von Trakai und streifen schließlich die Dächer von Vilnius. Die Hauptstadt von Litauen ist ein Barockjuwel, klein, verspielt, fast ein wenig italienisch. Auf Plätzen und in den gewundenen Gassen mit ihren cremefarbenen Fassaden sitzt man plaudernd beim Espresso oder bei einer mit Fleisch gefüllten Teigtasche, Pirogi genannt. Dazu gibt’s eine Liebeserklärung: Wo vor einigen Jahren ein Student auf die Uferböschung des Flusses Neris "Ich liebe dich" gepinselt hatte, ließen die Stadtväter kurzerhand diese Botschaft und das gegenüber liegende "Ich dich auch" in Blumen pflanzen. Studenten hat die älteste Universitätsstadt des Baltikums heute etwa 24.000, an zwölf Fakultäten. Bücher und Wissen zählen hier viel. Als den Litauern nach einem missglückten Aufstand gegen die Knute des Zarenreichs 1863 ihre Sprache, die älteste Europas, verboten wurde, war dies der Anfang des großen litauischen Bücherschmuggels, der bis 1904 andauerte. Diese Zeiten sind vorbei.

Nun präsentiert sich die Universitätsbibliothek aus dem Jahr 1570 mit 166 Laufkilometern an Regalen und prunkvollen Lesesälen. Doch trotz Fortschritt und Wissen hat die Legende ihren Platz: Etwa über dem "Tor der Morgenröte", dem letzten mittelalterlichen Stadttor, wo die goldverbrämte Schwarze Madonna einst Vilnius vor dem Feuer bewahrte und noch heute um allerlei Wunder angefleht wird. Gestern und heute passen im Baltikum eben gut zusammen - ein sehr europäischer Gedanke.

Veranstalter: Eine achttägige Reise ins Baltikum mit Non-Stop-Sonderflügen ab Wien hat GTA-Sky-Ways zwischen 13. Juni und 25. Juli 2013 im Programm, ab 999 Euro p. P.; Zeitersparnis: Die Reise startet in Tallinn oder in Vilnius und endet mit dem Rückflug aus der jeweils anderen Stadt. Info und Buchung im Reisebüro oder www.gta-sky-ways.at

 
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