Wer sich informiert, spart viel Geld im Urlaub
Von Karin Zauner | 19.06.2012 - 14:12

Gewusst wie: günstig im Urlaub telefonieren und mobil surfen. Bild: SN/TOM WANG/FOTOLIA
Handy oder Smartphone ausschalten, sobald man die Landesgrenzen überschreitet, und am besten nicht mehr einschalten, bis man wieder zu Hause ist. Dies war jahrelang das Verhalten der meisten Konsumenten. Zu Recht. Denn nicht wenige sahen sich nach dem Urlaub mit Rechnungen von mehreren Tausend Euro konfrontiert. Dank Europäischer Union wird es heuer für die Mobilfunkbenutzer noch einmal sicherer und günstiger, am Urlaubsort im Internet zu surfen oder die Lieben zu Hause anzurufen. Doch völlige Sorglosigkeit ist nach wie vor nicht angebracht. Wer sich informiert, kann sich viel Geld und Ärger sparen.
Anrufe aus dem EU-Ausland in andere Länder dürfen ab Juli nicht mehr als rund 35 Cent brutto je Minute kosten. Die Höchstbeträge für Datenroaming innerhalb der EU-Staaten sind ab Juli auf maximal 0,84 Euro pro Megabyte (MB) festgelegt. Doch trotz dieser festgelegten Höchstpreise innerhalb der EU-Länder kann ein umfangreicherer Internetgebrauch im EU-Ausland erhebliche Kosten verursachen. Beim Verbrauch von überschaubaren 100 MB sind bereits 84 Euro zu bezahlen. Einen Schutz gibt es dennoch. Denn schon seit März 2010 müssen die Mobilfunkbetreiber eine monatliche Kostenobergrenze von rund 60 Euro beim Datenroaming (nicht Sprachtelefonie) innerhalb der EU anbieten. Ohne ausdrückliche Zustimmung des Kunden darf dieser Höchstbetrag nicht überschritten werden. Doch was passiert in beliebten Urlaubsländern wie Kroatien oder der Türkei, die nicht in der EU sind? Ab Juli muss die 60-Euro-Bremse auch in Drittländern erfolgen. Theoretisch. Denn das ist nur möglich, wenn im Drittland Echtzeitverrechnung möglich ist. Die Mobilfunker sagen, dies sei schon in den meisten Ländern der Fall. Doch auch andernfalls sollte der Kunde zumindest über die geltenden Roaminggebühren im Drittland per SMS informiert werden, oder darüber, dass er in einem ungeschützten Land ist. Und das ist gut zu wissen: Denn in der Türkei und in Kroatien kosten 200 MB derzeit bis zu 4160 Euro. Gleichzeitig ist es aber möglich, um wenige Euro im Urlaub mobil zu surfen und zu telefonieren.
Die Mobilfunker haben jede Menge Angebote geschnürt. A1 bietet zum Beispiel ein Kombipaket mit 100 Minuten Telefonie, 100 SMS und 100 MB pro Monat um 29,90 Euro für alle Netze in 60 Ländern weltweit. An- und Abmeldung (nicht vergessen) erfolgt direkt über das Gerät (Smartphone, Tablet usw.).
Bei "3" kann man in der EU drei Wochen lang um neun Euro 30 Minuten telefonieren, 30 SMS und fünf MMS verschicken sowie 30 MB verbrauchen. Das Paket endet automatisch. "3" senkt zudem mit Juli die Preise für Datenroaming auf 59 Cent. In Italien, Großbritannien, Irland, Schweden, Dänemark und Hongkong hat "3" gar keine Roaminggebühren mehr.
Orange empfiehlt bei reiner Sprachtelefonie mit Tarifen ohne internationale Komponente "Europa Travel"-Zusatzpakete wie fünf Euro für 30 Minuten Roaming pro Monat in der EU (plus Norwegen, Schweiz Liechtenstein und Island) sowie bei der Datenübertragung eines der "Internet-Europa-Travel-Pakete" wie etwa 50 MB pro Monat um fünf Euro.
Bei T-Mobile kann man mit "Travel &Surf"-Pässen etwa eine Woche um 20 Euro unlimitiert surfen (nach 100 MB geringere Geschwindigkeit) oder um fünf Euro im Monat 35 Minuten aktiv und passiv im Ausland telefonieren (EU plus Island, Norwegen, Schweiz, Liechtenstein, Türkei, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und Kosovo). Das Angebot kann jederzeit abgemeldet werden, es wird aliquot verrechnet. T-Mobile-Sprecherin Barbara Holzbauer sagt, Reisepakete machten Roaming um 90 Prozent günstiger als normales Roaming.
Die angeführten Beispiele sind nur eine kleine Auswahl des komplexen Angebots. Der Konsument muss sich also überlegen, was er eigentlich im Urlaub tun will, und sein bisheriges Telefonie- oder mobiles Surfverhalten überprüfen. Jochen Schützenauer von A1 sagt, "wer im Urlaub zwei Facebook-Updates macht und ein paar E-Mails anschaut, muss wirklich nicht 60 Euro zahlen".
"3"-Sprecherin Maritheres Paul betont, dass der Roamingumsatz in einem Sommermonat etwa drei Mal höher ist als im restlichen Jahr. "3" hoffe, dass günstigere Tarife im Ausland die Nutzung stimulierten und es somit nicht zu den von Betreibern gefürchteten Umsatzeinbußen komme.
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