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Urgestein auf Schritt und Tritt

Von | 15.07.2012 - 00:00

Ein wüstes Land von grandioser Schönheit. Vom Rand des Grand Canyon blickt man in viele Millionen Jahre Erdgeschichte. Hinunter geht es zu Fuß, auf geduldigen Mauleseln oder in der Glaskuppel moderner Helikopter.

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<strong>Mit dem Hubschrauber</strong> von Las Vegas zum Champagner-Picknick, oder . . .<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Mit dem Hubschrauber von Las Vegas zum Champagner-Picknick, oder . . .

<strong>. . . mit dem Maultier</strong> auf dem Grand Canyon Bright Angel Trail unterwegs. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

. . . mit dem Maultier auf dem Grand Canyon Bright Angel Trail unterwegs.

<strong>Schweißtreibend: Trekkingtour</strong> bei 35 Grad Celsius.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Schweißtreibend: Trekkingtour bei 35 Grad Celsius.

<strong>Bootsfahrt</strong> auf dem Colorado River durch den Grand Canyon.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Bootsfahrt auf dem Colorado River durch den Grand Canyon.


Chris hat seinen Stetson leicht zurückgeschoben. "Für eure Maultiere ist das nichts Besonderes, die machen das jeden Tag", beruhigt der Tour Guide die Besucher am Grand Canyon, die lang im voraus einen "Overnight Ride" gebucht haben. Das beruhigt, denn für Ungeübte hat es der Ritt in sich. Der Start bei der Bright Angel Lodge im National Park erscheint noch harmlos. Es geht durch ein Wäldchen von Ponderosa- und Piñon-Kiefern. Kurz danach genügt der karge Untergrund nur noch Wacholderbüschen. Schließlich ziehen die geduldigen Tiere mit ihren Reitern in Serpentinen den Steilhang hinab, einer hinter dem anderen, an Überholen ist auf dem schmalen Pfad nicht zu denken. Einige Wanderer mit Rucksack und Wasserflasche drücken sich in eine Ausweichnische. Der Blick geht nach vorn und nicht zur Seite, wo der Abhang geradewegs in die Tiefe führt. Vorbei an unterschiedlich geformten farbigen Felsen geht der Weg und die Vegetation wird noch karger. Am Himmel ziehen zwei Truthahngeier einsam ihre Kreise.

Seit etwa sechs Millionen Jahren fräst sich der Colorado River durch die Gesteinsschichten und legt längst vergangene Kapitel der Erdgeschichte frei, die bis ins Präkambrium vor mehr als 570 Millionen Jahren zurückreichen. Der dunkle Vishnu-Schiefer nahe dem Canyongrund ist sogar knapp zwei Milliarden Jahre alt. Dem gegenüber erscheint der Canyon selbst geradezu jugendlich. Der Fluss, Regen, Sonne und Kälte haben eine einzigartige, gewaltige Landschaft von Domen, Plateaus, Schluchten und Seitencanyons, Felszinnen und Steilwänden geschaffen, die im wechselnden Licht des Tages in allen Farbnuancen zwischen Rot, Graublau und Weiß schimmern und leuchten. Die Schlucht und ein knapp 5000 Quadratkilometer großes Terrain beiderseits des Colorado-Flusses wurden bereits 1919 zum Grand Canyon Nationalpark erklärt. Der in rund 2500 Metern Höhe gelegene und im Winter verschneite North Rim ist nur zwischen Mitte Mai und November zugänglich.

Von oben sind winzige, auf dem Wasser treibende Punkte zu erkennen - Schlauchboote. Sie gleiten mit abenteuerlustigen Urlaubern den Colorado entlang. Meist gibt sich der kühle Fluss ruhig, doch an den Stromschnellen, bei denen sich das aufgewühlte Wasser mit Schaumkronen auftürmt, tanzen die soliden Gummiflöße durch die teils meterhohen Wellen und durchnässen die Passagiere in Sekundenschnelle bis auf die Haut.

Die Urlauber bewegen sich auf den historischen Spuren von John Wesley Powell, einem Veteranen des amerikanischen Bürgerkriegs, der in den Kämpfen seinen rechten Arm eingebüßt hatte. Im Juli 1869 hatte der Mitbegründer der National Geographic Society als erster Weißer mit seinen Begleitern die furchterregenden Stromschnellen des Colorado in einem Ruderboot bezwungen und die tiefe Schlucht erkundet.

Der Bright Angel Trail windet sich fast 1500 Höhenmeter und mit einer Länge von über 16 Kilometer auf den Grund der Schlucht. Wer sich mindestens ein halbes Jahr vorher angemeldet hat, kann sich auf einem schlichten Campingplatz, in einer Wanderhütte oder in Mehrbettzimmer der Phantom Ranch nicht weit vom grün schimmernden Colorado-River von den Anstrengungen erholen, bevor es am nächsten Tag den schweißtreibenden South Kaibab Trail wieder hinaufgeht.

Für die Reitergruppe brutzeln bereits die Steaks auf dem Grill. Nicht weit von hier landen tagsüber mit einem kurzen lauten Luftwirbel gelegentlich Hubschrauber von Veranstaltern, die mit Besuchern aus Las Vegas oder vom Grand Canyon Village die Schönheiten der Schlucht erkunden.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht es zurück. Schon beim Weg hinunter in die Schlucht brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel. Und für den etwa gleich langen Aufstieg muss noch eine Stunde mehr eingeplant werden. Vier Liter Flüssigkeit, eine Kopfbedeckung und gute Sonnencreme sollte jeder dabei haben, um nicht plötzliche Probleme mit dem Kreislauf oder einen Sonnenstich zu bekommen.

Doch die Maultiere erweisen sich auch bei der kräftezehrenden Kletterpartie als wahre Profis, geduldig, stark, erfahren. Am frühen Nachmittag hat uns der South Rim wieder: glücklich, und um eine fantastische Erfahrung reicher.

Anreise: Flüge nach Las Vegas ab Wien ab 870 Euro, ab Frankfurt oder München ab 660 Euro.

Infos: Arizona Tourism & Travel, www.arizonaguide.com, Diverse Infos, auch in deutscher Sprache zu Wanderwegen, Aussichtspunkten, Übernachtung und Aktivitäten: www.nps.gov/grca.

 
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