Unterwegs auf Nordlichtfang
Von | 22.07.2012 - 00:00
Das Abenteuer beginnt in Kirkenes. Das Thermometer zeigt Minus 20 Grad. Oleg holt uns vom kleinen Flughafen ab. Auf der Fahrt ins Thon-Hotel, einem von zwei respektablen Häusern im 3000-Seelen-Städtchen, fragt er, ob wir auf der Suche nach einem Job seien. Im Norden Norwegens wird jede Hand gebraucht. "Es gib keinen einzigen Arbeitslosen hier."
Die Gegend lebt vom Tourismus und der Fischerei. Der längst eingestellte Bergbau hat ebenso seine Spuren hinterlassen wie die Nazis. Als es ihnen im Zweiten Weltkrieg nicht gelang, von hier aus den nur 15 Kilometer entfernten russischen Nachschubhafen Murmansk zu erobern, machten sie auf ihrem Rückzug die gesamte Region dem Erdboden gleich. Optisch gibt Kirkenes also nicht viel her, dafür ruft das Erlebnis.
Auf dem Programm stehen Königskrabbenfang, Hundeschlittenfahrten und eine unvergessliche Nacht im schönsten Schneehotel der Welt im Gabba-Erlebnispark. Die Krabben, die in den 60er-Jahren von russischen Forschern in der Barentssee ausgesetzt worden sind, vermehren sich rasant, fressen den Meeresboden bis hinunter zu den Lofoten leer. Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man das köstliche Fleisch der in Netzen gefangenen Tiere verspeist. Auch den Schlittenhunden begegnet der Tierliebhaber relativ schmerzfrei. "Laufen, laufen, laufen, das ist ihr Leben", sagt Jan. Er ist Student aus Hamburg. Im Winter, und der dauert hier von Oktober bis Mai, verdient er sich gutes Geld als Musher.
Dann absolute Ruhe im Schneehotel. Hier ist alles aus Eis. Fast alles. In die Eisbetten ist eine bequeme Luftmatratze eingelegt. In jedem der 20 Zimmer hat es konstant minus vier Grad. Jeder Gast bekommt Schlafsack, Mütze, bei Bedarf auch Handschuhe. Die Körperwärme heizt den Schlafsack. Leichtes Licht sorgt dafür, dass unter der zwei Meter dicken, bombensicheren Eisdecke keine Angst aufkommt. Und dass man leichter hinausfindet, wenn einen ein Bedürfnis plagt.
Denn Toilette gibt es im Schneehotel natürlich keine. Da muss man schon hinaus in die eisige Nacht des Nordens und hinüber in das Nebenhaus.
Wer Glück hat, sieht auf dem Weg zur Erleichterung das Nordlicht. Diese Regenbögen der Nacht entstehen, weil von der Sonne durch Explosion aufgeladene Partikel beim Eintreten in die Erdatmosphäre quasi verglühen. Auf Fotos bleibt nur ein grünlich fahler Abklatsch dieser mystisch bunten Erscheinung. Die besten Chancen auf einen unverfälschten Nordlichtfang bestehen im Oktober, Februar und März.
Noch besser als zu Land lässt sich das Licht zu Wasser jagen. Wenn es stockdunkel ist, kein Licht der Zivilisation den Blick auf den Himmel trübt, dann ist Nordlichtzeit. An Bord eines der zwölf Hurtigruten-Schiffe sind die Bedingungen praktisch perfekt. Die wenig Kälteempfindlichen platzieren sich an Deck, die Wärmeliebhaber machen es sich in der vollkommen verglasten Panorama Lounge gemütlich. Und warten. Und schauen. Und genießen die Ruhe. Das unterscheidet die Passagiere der "MS Midnatsol" von den Teilnehmern an üblichen Kreuzfahrten. Auf dem Hurtigruten-Schiff gibt es keinen Lärm, keine Animation, keinen Pomp und kein Trara. Wer auf Captains-Dinner und Wunderkerzen wartet, wartet lang, wer seinen Smoking ausführen will, noch länger.
Hier geht es um die Natur, um das Erlebnis Erde, das klare Wasser vor der zerklüfteten, gebirgigen, spannenden Küste Norwegens. Sie ist nicht nur nachts phasenweise in ein ganz besonderes Licht getaucht - am Tag strahlt dieses in einer nicht gekannten Sanftheit das Nordkap an. Oder weiter südlich die Gebirgszüge links und rechts des Raftsunds. Das ist die enge Wasserstraße zwischen den Lofoten und der Inselgruppe Vesteralen. Wer schon einmal die hässliche, von Industriebauten gesäumte Straße von Messina passiert hat und jetzt diesen Raftsund passiert, der versteht, was Schönheit der Natur heißt.
Entstanden sind die Hurtigruten vor über 100 Jahren aus der Not heraus. Das von Fjorden zerklüftete norwegische Küstenland war - und ist - auf dem Landweg nur mühsam und vor allem langsam zu bewältigen. Mit den flinken Postschiffen der Hurtigruten ("schnelle Route") konnte die Distanz zwischen den wichtigsten Orten der über 2700 Kilometer langen Küstenlinie in viel kürzerer Zeit bewältigt werden.
Aus den Postschiffen sind längst Passagierschiffe mit allem Komfort geworden. Dabei blieb die schlichte Eleganz der Seereise erhalten. Sie führt von Bergen im Süden hinauf über das sehenswerte Trondheim, die Lofoten, Tromsø, Hammerfest und das Nordkap nach Kirkenes. Man kann die Reise auch im Norden beginnen, oder hin und retour fahren, wobei man durch die Zeitverschiebung im Fahrplan jedes Mal etwas anderes zu sehen bekommt. Noch immer fahren die Hurtigruten-Schiffe nach einem festen Fahrplan die 35 Stationen an.
Noch immer nutzen auch Einheimische die Linien. Die Tagespassagiere geben dem Reisepublikum ein besonderes Flair der Verbundenheit mit dem Land, das man gerade erforscht. Auf der angeblich schönsten Seereise der Welt.
Ruefa Seetour Austria ist auf dem österreichischen Markt Preferred Sales Agent von Hurtigruten, dem Spezialisten für die sogenannte Postschiffroute entlang Norwegens Küste und Expeditionsseereisen nach Grönland, Spitzbergen und zum antarktischen Kontinent. Alle Informationen bei Ruefa Seetour Austria unter www.seetour-austria.at
SN-Leserreise: Aufgrund großen Erfolgs gibt es auch im Jahr 2013 eine SN-Leserreise mit den Hurtigruten (drei Termine).
Buchbar bei Ruefa, Schrannengasse 5, 5020 Salzburg, 0662/88922, monika.kriechbaum@ruefa.at
Mitteilungen











KOMMENTARE (0)