Toskana auf Abwegen
Von | 17.06.2012 - 00:00
Carraras Marmorbrüche sind das Zahnpastalächeln einer Landschaft, die erst Dichter und Maler, dann Touristen verzauberte. Mit Zypressenalleen, weich über Hügeln wuchernden Weingärten und im Orange sinkender Sonne schimmernden Olivenhainen. Vor einem besonders blauen Meer. Dazu die prächtige Hauptstadt und "Wiege der Renaissance" - Florenz, ein Muss für jeden Italien-Touristen. Pflichtstopp ist auch Siena, nicht viel beschaulicher als Florenz. Doch wie Rom und Venedig zählt sie zu den schönsten Städten Italiens, sinnlich elegant und voller Kulturschätze. Auch zum Anbeißen, wie das Früchtebrot "panforte" oder die knochentrockenen "cantuccini", Mandelkekse, die erst mit einem Schluck vom süßen Vinsanto ihr Aroma entfalten.
Im Nordwesten von Siena hockt San Gimignano wie eine aufgeplusterte Henne über dem Elsa-Tal. Hier wurde schon immer haushoch übertrieben: Heute zählen die 15 - der Rest von mehr als 70 - steil aufragenden Geschlechter-Türme zum Weltkulturerbe, die vor 650 Jahren erstmals die kunstvollen Kirchen, prächtigen Palazzi und Märkte überragten. Wirkliches Toskana-Feeling findet sich jedoch nur abseits der Busparkplätze, Strände, schiefem Turm von Pisa und Uffizen. Der Weg führt nach Süden. Hier, im Kernstück der Toskana, uraltes Etruskerland, regiert unangefochten der Monte Amiata. Rund um diese höchste Vulkanspitze der Toskana tut man gut daran, das Automobil gegen Wanderschuhe oder Drahtesel einzutauschen. Empfehlenswerter Einstieg: die sanften Wellen des Orcia-Tals. Sand, Schiefer und heiße Lavaströme sind die Zutaten, die aus dieser Tallandschaft eine Naturschönheit mit vielen Gesichtern formten. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden historische Bauten entlang der antiken Via Cassia und der Via Francigena, die Rom mit Canterbury verband. Diese Kulturschätze sind heute ebenso typisch für das Tal wie Eiche, Zypresse und Orchidee, das Val d’Orcia zählt heute zum UNESCO-Welterbe.
Im Spätsommer lässt die Sonne das Orcia-Tal zwischen Monte Amiata, Buonconvento und Montepulciano austrocknen. Der Weizen und die Sonnenblumen auf den weiten, welligen Feldern sind geerntet. Bis zu den ersten Regentropfen des Herbstes liegt das nackte Land einige Wochen lang in einem vom feinen Staub gefilterten Lichtschein - in warmer, sanfter Harmonie. Jetzt ist die Zeit für klassische Toskana-Fotos, runde Hügelkuppen, lange Schatten von Zypressenreihen, einsame Bauerngehöfte, insbesondere rund um San Quirico d’Orcia und Pienza. Motive für ambitionierte Fotografen - dieselben, die schon die Maler des Cinquecento in diesen geschichtsträchtigen Winkel gelockt haben.
Wie nachlässig hingeworfene Bänder schlängeln sich die schottrigen Straßen durch die bewegte Landschaft, ideal für Radtouren und für genussvolle Wanderungen. Insbesondere, wenn am Ziel Schmackhaftes aus der toskanischen Küche zu erwarten ist. Nach einem Ausflug zur Abtei Sant’Antimo oder den Fresken von Monte Oliveto besteht die Belohnung aus Olivenöl aus San Quirico d’Orcia, edlen Brunello-Weinen in Montalcino, fein schmelzendem Karrée-Prosciutto "Lonzo" in Chianciano Terme und der echten toskanischen "Zuppa". "Für Gourmets ist der erste Sonntag im September Pflicht", verrät Giuseppe Bussu, ein stolzer Käsemacher, "wenn in Pienza bei der Fiera del Cacio die besten Pecorino-Käse präsentiert werden." "Fresco" oder "stagionato" - egal ob frisch oder gut gereift, die goldgelben Laibe sind auf jeden Fall einen Umweg wert.
Und natürlich kann man in der Toskana auch ganz schön baden gehen - in heilsamen Wässern. Neben Thermalbädern wie dem palastartigen Montecatini Terme westlich von Florenz oder Saturnia in der Provinz Grosseto mit dem heißen Wasserfall Cascata del Mulino reicht ein Blick auf den Hauptplatz von Bagno Vignoni gleich neben Pienza. Denn der besteht aus einem einzigen, großen Becken voller Thermalwasser. Hier, so will es die Geschichte, aalte sich schon Lorenzo de Medici in den warmen Fluten und vor ihm sogar die heilige Katharina von Siena und davor die Etrusker. Fernab vom Trubel der Städte, in aller ländlichen Beschaulichkeit. Willkommen im dolce far niente.
Informationen: Niki fliegt ab Wien direkt nach Florenz, weitere Direktflüge ab München mit Lufthansa und Air Berlin. Mit dem Auto ist die Toskana in rund sieben Stunden ab Salzburg erreichbar.
Gemütliche Unterkünfte auf Bauernhöfen, www.agriturismo.it, Tipp: Tenuta di Casaglia, www.private-toscana.com, Zur Region: www.florenz-siena-toskana.de, www.turismo.intoscana.it, www.italia.it
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KOMMENTARE (1)
09.03.2013
10:19 Uhr
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