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Sonne am Schwarzen Meer

Von | 20.08.2012 - 00:00

In Bulgarien gibt es mehr als Partys am Sonnenstrand. Doch die meisten zieht es trotzdem an das Schwarze Meer, wo man merkwürdige Gäste seit Jahrtausenden gewohnt ist.

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<strong>Ein Querschnitt durch 4000 Jahre Geschichte</strong> Bulgariens: Die Großgemeinde Nessebar zeigt sich heute als reizendes Badestädtchen.  Bild: SN/SPREITZHOFER

Ein Querschnitt durch 4000 Jahre Geschichte Bulgariens: Die Großgemeinde Nessebar zeigt sich heute als reizendes Badestädtchen.  

Bild: SN/SPREITZHOFER

<strong>Ordentlich was los</strong> am Sonnenstrand.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/SPREITZHOFER

Ordentlich was los am Sonnenstrand.

Bild: SN/SPREITZHOFER

<strong>Burgas:</strong> Troika-Platz.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/SPREITZHOFER

Burgas: Troika-Platz.

Bild: SN/SPREITZHOFER


Zuerst kamen die Thraker, fischten ein wenig herum und errichteten die Stadt Mesabrja. 2000 Jahre später folgten die Griechen, bauten Tempel für Zeus, Apollo und Dionysos, und begannen Silbermünzen zu prägen, die schon damals nicht wie Euros aussahen. Der römische Feldherr Lucullus machte dem fröhlichen Treiben ein Ende, bis es unter byzantinischer Herrschaft wieder aufwärts ging, obwohl die Apartmentblocks mit garantiertem Meerblick noch nicht in den Himmel wuchsen: Im "Goldenen Zeitalter" der glorreichen bulgarischen Geschichtsschreibung erneuerte Zar Simeon die alten Handelsverbindungen mit dem Mittelmeer, bis Osmanen und Russen wiederum für etwas Unruhe sorgten. Die Russen tun dies heute noch, wenn die letzten Nachtclubs zwischen Goldstrand und Sonnenstrand schließen wollen. Den Osmanen gefällt es rund um Antalya längst besser.

Die bulgarische Schwarzmeerküste hat viel erlebt. Die Großgemeinde Nessebar, das bedeutendste touristische Zentrum, war Teil der autonomen Provinz Ostrumelien, die erst 1885 mit dem Fürstentum Bulgarien vereinigt und dann dem Distrikt Burgas administrativ zugeordnet wurde. Noch im Jahr 1900 lebten hier 95% Griechen. Heute sind es mindestens genauso viele Touristen, viele davon jung und äußerst munter, zumindest abends, wenn Bananenboote und Jetski Ruhe brauchen.

Die meisten kommen über Burgas, das Tor zu Nessebar und der Region Sonnenstrand. Die Hafenmetropole Burgas ist knapp doppelt so groß wie Salzburg und die viertgrößte Stadt Bulgariens. Und sie ist nicht einmal vierzig Kilometer von den Badezentren am Sonnenstrand entfernt. Immer einen Ausflug wert, wenn zu viel Sonne und Strand urlaubsreif gemacht haben: das archäologische Museum, antike Thermen und diverse Galerien, die die Innenstadt attraktiv machen und mit dem grauen Burgas früherer Jahrzehnte nichts zu tun haben. Den DDR-Touristen hat es jedoch wahrscheinlich schon damals gefallen.

Südlich von Burgas ziehen sich traditionsreiche Kur- und Badeorte wie Chernomorec oder Axtopol bis zur türkischen Grenze. Nordwärts, in Slantchev Brjag, touristisch besser bekannt als Sonnenstrand, ist mehr los: Bulgariens größter Touristenmagnet erstreckt sich über die Orte Pomorie, Nessebar und Sveti Vlas bis nach Obzor. Eine sieben Kilometer lange Bucht, bis zu hundert Meter breit, mit feinem Sand und dem Balkangebirge im Hintergrund. Wenn man es sehen kann. Vom Ostblockflair der 1980er ist zwar wenig geblieben, doch die Strandhotels und die Riesenräder der Vergnügungsparks scheinen jährlich höher hinauf zu wachsen.

Die Preise auch. Doch immer noch lässt sich hier mit recht wenig Geld sehr viel Spaß haben, nicht nur in den Happy Hours der Hunderten Pubs und Restaurants. Über 800 Hotels und Beherbergungsbetriebe bieten Platz für rund 50.000 Gäste, die es billiger haben wollen als in Italien und freizügiger als in der Türkei. Kein Wunder, dass die Pauschaltouristen hier immer jünger werden und nach Schulabschluss ein bisschen abfeiern wollen. Urlaubspakete für Teenies und das Geschäft mit sogenannten Pub Crawls, also organisierte Sauftouren, gingen prächtig, was den Tourismusverantwortlichen ein wenig Sorge bereitete - und so wird alles versucht, um auch für Familien und Pensionisten wieder interessant zu werden: mit ein bisschen Golf, Shoppingtouren nach Istanbul, Eselreiten im Hinterland und Mini-Zug-Fahrten durch Slantchev Brjag.

Zumindest für die Altstadt von Nessebar, auf einer felsigen Halbinsel am Südende des Sonnenstrands, bedarf es keiner neuen Werbelinien: Seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe, ist das gepflasterte Gassengewirr zum Freilichtmuseum geworden, mit einem architektonischen Querschnitt durch 4000 Jahre Schwarzmeergeschichte: Die Überreste thrakischer Befestigungsanlagen, der Apollo-Tempel, die Basilika Stara Mitropolja, die mittelalterliche Festung, alte Windmühlen und Ikonensammlungen. Über 80 Holzgebäude auf Steinfundamenten aus der Epoche der bulgarischen nationalen Wiedergeburt - der Nationalbewegung im 19. Jahrhundert - machen das Zentrum unverwechselbar.

Daran arbeitet der Rest von Slantchev Brjag gerade eifrig. Wellnesspakete und kulturelle Angebote sollen gesetzteres Publikum anziehen und den bulgarischen Schwarzmeerorten neue Impulse geben. Im Juli 2010 wurde ganz in der Nähe übrigens eine Urne mit menschlichen Überresten entdeckt: ein Zahn, Teile einer Hand und eines Kiefers. Angeblich Überreste von Johannes dem Täufer, die in Sozopol, unweit des Sonnenstrands, ausgestellt werden sollen. Partyopfer sehen sicher anders aus.

Allgemeine Informationen zu Bulgarien:
Gerade in den vergangenen Jahren haben die großen Reiseveranstalter attraktive Urlaubspackages für Bulgariens Strände aufgelegt, Angebote im Reisebüro, Burgas wird auch von vielen Low-Cost-Fluglinien angeflogen.
Weitere Reisetipps:
bulgariatravel.org

Burgas und Nessebar:
www.burgas.bg,
www.visitnessebar.org

 
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