Lifestyle | Urlaub    Fotostrecke verfügbar

Martin Luther im Wüstensand

Von | 11.08.2012 - 00:00

Das Sossusvlei im südafrikanischen Staat Namibia zählt zu den höchsten Dünengebieten der Welt - ein faszinierendes Sandspiel aus Formen und Farben.

1 von
<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/UHLMANN

Bild: SN/UHLMANN

<strong>Namas aus einem entlegenen Dorf</strong> unterwegs zum Hospital in Kalkrand. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/UHLMANN

Namas aus einem entlegenen Dorf unterwegs zum Hospital in Kalkrand.

Bild: SN/UHLMANN

Pelikane werden auf einem Touristenboot bei Swakopmund gefüttert.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/UHLMANN

Pelikane werden auf einem Touristenboot bei Swakopmund gefüttert.

Bild: SN/UHLMANN

Eine Robbe sieht neugierig zu.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/UHLMANN

Eine Robbe sieht neugierig zu.

Bild: SN/UHLMANN


Swakopmund, mit rund 45.000 Einwohnern Namibias viertgrößte Stadt am Rande der Namibwüste: Sympathisch kleindeutsch geblieben ist das traditionsreiche Küstenstädtchen am Atlantik, in dem 1892 kaiserlich-deutsche Kolonialgeschichte begann. Wilhelminische Jugendstilhäuser reihen sich in der Stadtmitte aneinander. Wenige Schritte weiter gibt es das Kaiserliche Bezirksgericht und das Hohenzollern-Haus, die Alte Kaserne und auch die Ritterburg.

In der Bäckerei Raiths werden auf Deutsch zum "Start in den Tag Blut- und Leberwurst, frisch belegte Brötchen, Apfelstrudel, Kaffee und mehr" angeboten und im "Brauhaus" fast nebenan steht "Schweinshaxe mit Sauerkraut" auf der Speisekarte. Der Besucher könnte sich so recht in eine deutsche Kleinstadt versetzt fühlen, wäre da nicht das bunte Völkergemisch des Südens mit den nicht übersehbaren Grenzen von Arm und Reich. Herero-Frauen in viktorianischer Tracht und buntem Kopfschmuck bummeln zum Einkauf, dunkelhäutige Mädchen schlecken an Eistüten, und Farmer mit breitkrempigen Hüten erledigen ihre Verwaltungsgänge. Neben Englisch und Afrikaans ist seit Generationen Deutsch die Umgangssprache. Heute leben in Swakopmund etwa 2500 Deutschstämmige - in Namibia, ehemals Deutsch-Südwestafrika, insgesamt rund 25.000.

Von der Küste aus, wo um die vorige Jahrhundertwende die Auswanderer- und Versorgungsschiffe aus Deutschland anlegten, zog es die Siedler immer wieder in die die Stadt umgebende Wüste und ihr Hinterland - auf der Suche nach neuen Farmflächen, nach raren Diamanten und kostbaren Erzen oder einfach nach Naturerlebnissen. Tag für Tag waren Ochsenkarren auf Tour. Viele kamen nicht ans Ziel, denn die Zugtiere verhungerten oder verdursteten unterwegs. Ein deutscher Kolonialoffizier wollte Abhilfe schaffen: Edmund Troost ließ 1896 eine Straßenlokomotive, später auch "Dampfochse" genannt, aus einer Maschinenfabrik in Halberstadt kommen.

Diese sollte die landesüblichen Ochsenkarren-Transporte um Swakopmund ablösen. Doch Wasser- und Holzverbrauch waren so groß, dass auf den drei Anhängern kaum Raum für Fracht blieb. Eines Tages saß das Dampfmobil endgültig im tiefen Wüstensand fest. Nach dem angeblichen Ausspruch Luthers: "Hier stehe ich; ich kann nicht anders" erhielt der Dampftraktor dann seinen endgültigen Namen "Martin Luther" und schmückt seitdem eine kleine Museumshalle dicht bei Swakopmund.

Heute ist die Namib-Durchquerung auf guten Asphalt- oder Schotterstraßen ein Kinderspiel. Nach einer Halbtagesfahrt ist eine der Hauptattraktionen Namibias, die Dünen-Namib, im Namib-Naukluft-Park erreicht.

Ein Teppich aus rotem Sand erstreckt sich kilometerweit. Düne an Düne reiht sich aneinander, von kaum einem Strauch oder Grasbüschel bewachsen. Zwischen dem Sandmeer längs der Zufahrtstraße lässt sich der Trockenfluss Tsauchab-River erahnen, der nur alle paar Jahre in der Regenzeit Wasser führt und nach wenigen Kilometern im Sand versickert. Gesäumt von gewaltigen, zum Teil ausgedorrten Kameldornbäumen - einigen von ihnen wird ein Alter von mehreren Jahrhunderten nachgesagt - geht es in Richtung Sossusvlei, das mit über 300 Meter hohen Sandbergen zu den höchsten Dünengebieten der Welt zählt.

Am Sossusvlei - Vlei bedeutet See - erhebt sich "Big Mama", eine rotbraune, lang gezogene Düne, die mit dem Schwung ihres Kamms Licht und Schatten trennt. Mehr als hundert Meter geht es auf den schmalen Grat hinauf. Ein schweißtreibender Aufstieg, denn immer wieder sinken die Wanderschuhe im tiefen Sand ein - barfuß ist es leichter.

Auf dem Kamm angekommen, reicht der Blick weit über die unendlichen Sandwellen bis zum Horizont. Unten am Vlei stehen Oryx-Antilopen und lecken das lebenswichtige Salz. Der viel zu schnelle Abstieg von "Big Mama" ist jedoch reines Vergnügen: Erst das Angstgefühl überwinden und dann in großen oder kleinen Schritten bergab springen und hüpfen; der Aufprall ist auf jeden Fall butterweich, denn der tiefe Sand bremst jede Gefahr.

Unweit von Sossusvlei gibt es dann im 10.000 Hektar großen privaten Gondwana-Namib-Park versteinerte Dünen der Ur-Namib zu entdecken.

Anja von Reeken, Mitinhaberin der Namib Desert Lodge, führt durch ihr Naturparadies und weist an der Wasserstelle auf eine Gruppe Springböcke hin. Oberstes Ziel von Gondwana - hier haben sich unter dem Namen des legendären Urkontinents dreizehn Lodges in den schönsten Gegenden Namibias zusammengeschlossen - ist es, heimische Wildarten wieder anzusiedeln und die ursprüngliche Landschaft zu erhalten.

Besonders für jene zahlreicher werdenden Besucher dieser wasserarmen Naturschönheit, die nicht mit dem Gewehr in der Hand, sondern mit dem Fotoapparat der Tierwelt nachstellen.

Info: Namibia Tourism Board, www.namibia-tourism.com.

Leserreise: Die SN-Leserreise "Namibia - Botswana - Sambia" ist eine Soft-Adventure-Tour im Expeditions-Truck auf den Spuren von David Livingstone. Termin: 9. bis 24. 11. 2012, Buchbar bei Travel Factory in Salzburg, Tel. 0662/62 85 42, www.travelfactory.at

 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
0
 
KOMMENTARE (0)
 

schließen (x)

 

 

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken oder hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse.

Benutzername
Passwort
 

Passwort vergessen ›      Jetzt registrieren ›