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Im neuen Land von Onkel Ho

Von | 16.06.2012 - 00:00

Erst seit 1990 sind Individualreisen nach Vietnam möglich. Viel hat sich seitdem getan. Eine Rückkehr nach 22 Jahren.

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Bild: SN/Jochen Müssig

<strong>Prunk und Glanz</strong> eines kapitalistischen Gestern: Kaiserstadt Hue.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

Prunk und Glanz eines kapitalistischen Gestern: Kaiserstadt Hue.

Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

<strong>Denkmal für den Onkel:</strong> Mausoleum in Ho-Chi-Minh-Stadt.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

Denkmal für den Onkel: Mausoleum in Ho-Chi-Minh-Stadt.

Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

<strong>Einer der</strong> Bilderbuchstrände: Danang.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

Einer der Bilderbuchstrände: Danang.

Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

<strong>Freude</strong> über Gäste im Land.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

Freude über Gäste im Land.

Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

<strong>Post für alle:</strong> der Briefschreiber.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG

Post für alle: der Briefschreiber.

Bild: SN/JOCHEN MÜSSIG


Saigon empfängt uns mit schwülen 36 Grad. Der Monsun kündigt sich an. Wie damals, als Mr. Minh 1990 mit einem klapprigen Dodge aus vergangenen Kriegstagen seinen Gast am Flughafen abholte. Auf dem Voucher war zu lesen gewesen: "Visum, Flug, Transfer und Stadtrundfahrt". Schon nach den ersten Metern wies Mr. Minh eindringlich auf die Errungenschaften des Sozialismus hin, auf Kindergärten oder Schulen und steigerte sich bald zu zu rhetorischen Höhenflügen, würdig eines Abgesandten des Propagandaministeriums. Und vor 22 Jahren war allenfalls ein scheues "Hello" im Land von Onkel Ho zu hören.

Heute tönt es an jeder Ecke: "Hello Mister, Bananas?" "Hello", einen Fächer, ein Taxi, eine Massage, welcher Art auch immer . . ." "Hello!", der Besucher hört es immer, überall. Kontroll-Reiseleiter wie Mr. Minh gibt es nicht mehr, dafür dröhnt jetzt Vietnam-Pop aus dem CD-Player im Taxi. Die Dong Khoi Street von Saigon ist kaum noch wiederzuerkennen ob all der Nobelboutiquen, als sei man in Bangkok oder gar Singapur. Nudelsuppenstände sind auf der Edelmeile verschwunden. Wer ein Süppchen will, muss jetzt in eine Filiale der klimatisierten Fast-Soup-Kette Pho 24. Immerhin haben es aber wenigstens nicht die amerikanischen Hamburger-Ableger in das Zentrum geschafft.

Auch das Kleinstadtflair ist längst weg, die provinziell-ärmliche Verschlafenheit dem Brodeln einer Millionenmetropole gewichen, mit Neon, Lärm und Abgasen. Die einstigen Armadas von Fahrrädern wurden ersetzt durch Mopeds und Autos. Doch nur ein wenig abseits, in den kleineren Seitenstraßen, atmet auch noch das alte Saigon, wie Ho-Chi-Minh-Stadt bis heute landläufig genannt wird. Eine alte Frau mit ihrem spitz zulaufenden Palmstrohhut und traditionell schwarz gefärbten Zähnen schaut kurz auf. Zwischen ein paar einfachen Ständen wuseln barfüßige Kinder und auch einmal ein entlaufenes Huhn. Es riecht. Nach Fisch, Obst und Alltag. Neben den Garküchen hocken Männer auf Minischemeln und spielen Karten. Ein professioneller Ohrenputzer betreibt sein Geschäft und der Freilichtfriseur übt sich im Fassonschnitt.

1990 war das "Visit Vietnam Year". Mangels aktueller Reiseführer kursierten handgeschriebene und vervielfältigte Info-Blätter, die in Bangkok, damals der zentrale Ausgangspunkt für Reisen nach Vietnam, für 20 bis 30 Schilling feilgeboten wurden. Zuvor durften ausschließlich Gruppen ins Land, die dann von strengen Mr. Minhs durch den realen Sozialismus geführt wurden, obgleich Vietnam damals zu den ärmsten Ländern Asiens gehörte. Heute knurrt der Tigerstaat.

Der Krieg ist für die meisten Vergangenheit. Die Nation hat eine der größten Wachstumsraten weltweit, nur das zählt. Europas Finanzkrise ist weit weg, den Leuten hier geht es gut. Sogar die Leitwährung US-Dollar wird geduldet, und beinahe jeder nimmt inzwischen auch gern zu gutem Kurs Euroscheine.

Cyclo-Fahrer Khàch etwa, der Touristen durch die Kaiserstadt von Hue radelt, will von vietnamesischen Dong gar nichts wissen. Doch für ein paar Dollar oder Euro gibt’s mehr als eine gemütliche Halbtagestour: Der drahtige Fahrer mit dem lichtem Ho-Bärtchen bleibt dann auch schon einmal an einem Geschäft stehen und offeriert dem Fahrgast ein Schnäpschen. In Ginseng eingelegte Schlange helfe schließlich prima bei Rückenleiden, grinst er.

In der Provinz von Vietnam gehen die Uhren immer noch anders. Beschaulichkeit und Ruhe im 21. Jahrhundert: Wasserbüffel statt Traktoren, leuchtend grüne Reisfelder und einfache Bambushüttchen. Und an den spektakulären Landschaften wie der Halong-Bucht oder den Traumstränden am Südchinesischen Meer hat sich nur die Anzahl der Besucher geändert. Trotz Tourismus sind die Vietnamesen freundlich geblieben, flexibel, geschäftstüchtig, aber selten aufdringlich. Ob im Bus oder im langsam durch das Land keuchenden Reunification-Express, der seit 1976 regelmäßig die 1800 Kilometer zwischen Saigon und Hanoi zurücklegt. Ein nettes "Hello" kommt von den fliegenden Händlern an jedem Bahnhof, die ganze Tabletts voll mit knusprigen Hühnerbeinchen anbieten, es kommt vom Zugschaffner und sogar vom streng dreinblickenden Kontrolleur am Mausoleum von Hanoi, wo Onkel Ho in rosa Licht auf Marmor ruht, wenn er nicht gerade zur Restaurierung nach Moskau geflogen wird.

Auch die Hauptstadt ist, etwas verhaltener als Saigon, aufgeblüht. Sie hat den kühlen Charme des Kommunismus weitgehend abgelegt, strömt aber immer noch ein wenig strengen Bürokratenmief aus. Die Kaufhäuser und Marktstände sind voller Menschen und Waren. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Während 1990 allerorten gähnende Leere herrschte und manchmal noch nicht einmal das Notwendigste angeboten wurde. Von in Ginseng eingelegter Schlange ganz zu schweigen.

Anreise: Vietnam Airlines fliegt ab Frankfurt direkt nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-City, mit Zubringer ab Wien, zirka 800 Euro. Visumpflicht.
www.vietnamairlines.com

Gesundheit: Impfungen sind nicht erforderlich, wichtig: Mücken- und Sonnenschutz, vor Ort erhältlich. Kein Leitungswasser trinken.

Informationen: Landeswährung Dong (1 Euro gleich 26.000 Dong) kann vor Ort mit Kredit- oder EC-Karte am Geldautomaten behoben werden.
Weitere Reiseinformationen beim Veranstalter oder www.vietnambotschaft.org
www.vietnamtourism.com

 
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