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Gutes Zeugnis für Kreuzfahrtschiffe

Von | 25.07.2012 - 09:46

Im Test des ADAC kamen aber auch technische und organisatorische Mängel zutage.

Gutes Zeugnis für Kreuzfahrtschiffe

 Schiffe von fünf Anbietern wurden vom deutschen ADAC einem Test unterzogen, das Urteil fiel grundsätzlich gut aus. Bild: SN/Fabian Bimmer/AP/DAPD

Kreuzfahrtschiffe haben nach einer ADAC-Stichprobe Nachholbedarf beim Sicherheitsmanagement. Ein halbes Jahr nach der Havarie der "Costa Concordia" nahm der Autoclub erstmals zehn sogenannte Ozeanriesen unter die Lupe. Die Hälfte dieser Schiffe habe per Ausnahmegenehmigung wasserdichte Türen unterhalb der Wasserlinie auf See offen lassen dürfen - darin sahen die ADAC-Tester das größte Problem und "ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Offene Schotten könnten "schwerwiegende Folgen haben, wenn etwa ein Schiff Leck schlägt, Wasser eintritt und sich schnell und unkontrolliert im Rumpf ausbreitet", hieß es vom ADAC. Bei vier Schiffen ließen zudem die Rettungsübungen zu wünschen übrig. Rettungswesten oder -inseln seien zudem teils verschlossen oder festgebunden gewesen. Insgesamt attestierte der Autoclub den Kreuzfahrtschiffen aber einen guten oder sogar sehr guten Zustand. Weltweit sind nach Schätzungen Hunderte Kreuzfahrtschiffe unterwegs. Bei den zehn untersuchten Schiffen gab es nach dem am Dienstag veröffentlichten ADAC-Testergebnissen moderne Sicherheits-, Rettungs- und Brandschutzeinrichtungen. Die Besatzung sei meist professionell gewesen. Allerdings beanstandeten die Tester auf den Schiffen "Norwegian Epic", "MSC Fantasia", "Navigator of the Seas", "MSC Splendida" die Seenotrettungsübungen. Teils seien sie zu oberflächlich gewesen oder es seien nicht alle Passagiere zusammengerufen worden.

Das größte Problem sah der ADAC unterhalb der Wasserlinie: Die "Adventure of the Seas", die "Norwegian Epic", die "MSC Fantasia", die "MSC Orchestra" und die "MSC Splendida" hätten Ausnahmegenehmigungen ihrer Flaggenstaaten gehabt. Damit durften die wasserdichten Türen im Schiffsinneren auf See offen bleiben, um Arbeitsabläufe zum Beispiel in der Wäscherei oder in den Lagerräumen zu erleichtern. Die Endnote "sehr gut" erreichten nur die "Aida Bella" und die "Aida Diva" der Reederei Aida Cruises. Getestet wurden auch zwei Schiffe der Genueser Reederei Costa Crociere, zu der die am 13. Jänner havarierte "Costa Concordia" gehörte. Die "Costa Fascinosa" schnitt bei allen Testpunkten "gut" oder "sehr gut" ab - auch beim Sicherheitsmanagement.

"Costa"-Havarie als Auslöser

Bei dem 4880 Personen fassenden Luxusliner "Costa Serena" sei den Testern die Zusammenarbeit verweigert worden, hieß es beim ADAC. Die Reederei sprach von "bedauerlichen Missverständnissen". Der ADAC sei jederzeit willkommen an Bord. Daher sei auch voll mit den Testern auf der "Costa Fascinosa", dem Schwesterschiff der "Costa Serena", kooperiert worden. Die "Costa Concordia" war am 13. Jänner zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war dann mit 4200 Passagieren und Crewmitgliedern an Bord gekentert. Bei dem Unfall waren 32 Menschen umgekommen. Die zehn vom ADAC untersuchten Kreuzfahrtschiffe fuhren bei dem Test alle im Mittelmeer. Der Autoclub schickte inkognito nautische Sachverständige mit Kapitänspatenten an Bord, die sich nach einigen Tagen zu erkennen gaben, um dann mit Schiffsleitung und Crew auch für Passagiere nicht zugängliche Schiffsteile begutachten zu können. Der deutsche Naturschutzverband weist auf die Umweltverschmutzung durch die Schiffe hin. Die getesteten Schiffe hätten weder Rußpartikelfilter noch Stickoxidkatalysator an Bord und führen alle mit giftigem Schweröl.

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