Götter auf der linken Spur
Von | 26.06.2012 - 00:00
Zypern für Fortgeschrittene. Das ist Liebe auf den zweiten Blick. Wer zum ersten Mal auf der Insel im Mittelmeer landet, kann sich vom türkisblauen Wasser nicht losreißen. In Agia Napa - rund 40 Minuten östlich vom Flughafen Larnaka - tummeln sich die Touristen an den feinen Sandstränden. Vor allem Deutsche, Österreicher, Russen und Briten zieht es an Makronissos-, Landa- und Nissi-Beach. Etwas abseits ragen die Meereshöhlen am Kap Greco aus dem Wasser. Die imposanten Felsformationen sind fast menschenleer. Ganz im Gegensatz zum Zentrum von Agia Napa. Dort dominiert nach 20 Uhr das Partyvolk. Billige Getränke, laute Musik, Clubs mit spärlich bekleideten Russinnen, Tattoo-Studios wie aus den 90ern. All das, wofür die spanischen Inseln bekannt sind. Aber das ist Zypern für Anfänger.
Zypern für Fortgeschrittene, das ist ein Schwenk in die Geschichte, den die Einheimischen lieben. Die Insel lebt vom Mythos; von der Mythologie; von den sagenumwobenen Göttern. Petra tou Romiou (Stein der Griechen) nennt sich jene Felsformation im Meer nahe Pafos, wo Aphrodite der Sage nach den Wellen entstiegen sein soll. Die Göttin der Liebe und der Schönheit ist so etwas wie die Landespatronin. Für die Zyprioten ist sie Kult und die Gegenwart unwirtliche Realität. 1960 wurde die Insel von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen. Politisch ist Zypern bis heute wild umstritten. Die Briten sind präsent. Der Linksverkehr auf der Straße ist ein Relikt aus der Kolonialzeit. Fährt man durch die Straßen, begegnen einem britische Kontrollposten, Radarstationen, Munitionslager und künstliche Dörfer wie "Happy Valley". Ein Dorf des britischen Militärs, das daran zu erkennen ist, dass die Briten ihre Häuser selbst auf einer Insel mit mehr als 300 Sonnentagen ohne Veranda oder Balkon bauen. Die Briten sind so etwas wie der geduldete Feind auf der Insel. Ganz im Gegensatz zu den Türken, die 1974 in den Nordteil Zyperns einmarschiert sind und seither 37 Prozent des Landes beherrschen. Der Konflikt ist bis heute ungelöst und Nikosia die einzige geteilte Hauptstadt der Welt.
Auf der Fahrt von Larnaka Richtung Pafos liegt Limassol - die größte Hafenstadt Zyperns mit Monumenten aus der Antike, aus byzantinischer und fränkischer Zeit. Von hier aus führen Weinstraßen in das Hinterland des Trodoos-Gebirges, weg vom Badeurlaub hin zu engen und schmalen Gebirgsstraßen. Zu echten Zyprioten. Zypern für Profis.
Was der Österreich-Urlauber an Obstler aushalten muss, darf der Zypern-Reisende an Zivania den Einheimischen nicht ausschlagen. Das Feuerwasser der Zyprioten - ein Tresterbrand mit 45 Prozent Alkohol - riecht wie Ouzo und brennt wie Grappa. "Meze" gilt als Spezialität und ist eine schier unendliche Folge von Vorspeisen, Appetithappen, Salaten und mediterranen Spezialitäten - auf eine Hauptspeise wartet man vergebens.
Zypern ist nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Mittelmeerinsel. Von der Fläche her ähnlich groß wie Kärnten. Zypern ist Kulturbrücke zwischen Orient und Okzident. Zur Westküste Syriens sind es nur 95 Kilometer, zur Südküste der Türkei rund 70. Je weiter man nach Westen pilgert, umso öfter sind die kulturellen Schätze zu sehen: das antike Theater Kourion - eine der eindrucksvollsten archäologischen Fundstätten Zyperns. Die Ausgrabungsstätte in Pafos, der westlichsten Stadt im Süden der Insel. Fast hätte man bis dahin die Götter vergessen. Doch im Haus des Dionysos - dem Weingott - treten Bodenmosaiken aus dem 3. und 4. Jahrhundert vor Christus zutage. Szenen der griechischen Mythologie.
Apropos Griechenland: Vom großen Bruder ist in Zypern außer der Landessprache wenig zu spüren. Die Zyprioten beharren auf Eigenständigkeit und Individualität. So wie das die Götter eben tun.
Hoteltipps:
Baden: Hotel Nissi Beach
Ruhe: Hotel Alion Beach
Luxus: Hotel Amathous Beach
Infos zu Zypern:
www.visitcyprus.com
Flug:
Von Wien mehrmals wöchentlich nach Larnaka und Pafos
Beste Reisezeit:
Zum Baden von April bis Oktober. In den Sommermonaten Juni, Juli, August kann es extrem heiß werden (33 Grad und mehr). Im Winter ist Zypern bei Radfahrern und Wanderern beliebt.
Mitteilungen











KOMMENTARE (0)