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Feiern beim Herrn

Von | 27.06.2012 - 00:00

Hier werden Kulturschätze konserviert, Pilger bewirtet, feine Weine gekeltert und die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft analysiert - das Augustiner-Chorherren- stift Herzogenburg im niederösterreichischen Mostviertel begeht heuer sein 900-Jahr-Jubiläum.

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<strong>Nur Unfug im Kopf:</strong> Der „Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen“ hat es auf die Lachmuskeln abgesehen. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/GALL

Nur Unfug im Kopf: Der „Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen“ hat es auf die Lachmuskeln abgesehen.

Bild: SN/GALL

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Bild: SN/JGALL


Von Anti-Aging kann Maximilian Fürnsinn viel erzählen. Immerhin sieht man "seinem" Stift die 900 Jahre ganz und gar nicht an: In makellosem Weiß strahlt die Fassade unter dem leuchtendroten Ziegeldach - der sichtbare Erfolg der Spendenkampagne für die Restaurierung des Stifts. "Das ganze Stift Herzogenburg ist komplett restauriert", freut sich der Probst, "innen und außen."

In diese barocke Pracht aus Gängen und Sälen mit ihren wertvollen Kunstschätzen, wie etwa die gotischen Tafelbilder, lädt anlässlich des Jubiläums des im Jahre 1112 gegründeten Stifts nun die festliche Ausstellung "Zeitzeuge der Ewigkeit".

Dass viele weltliche Gäste in das klösterliche Ambiente kommen, das sind die Augustiner Chorherren gewöhnt. So öffnet das Stift als Schnittpunkt zwischen Kirche und Gesellschaft jedes Jahr bei den Niederösterreichischen Kindersommerspielen Tausenden Kindern seine Pforten. Bei Gesprächsforen werden aktuelle Themen des Landes behandelt, aber auch der Dialog etwa zwischen Psychotherapie und Theologie gepflegt.

"Sehr wichtig" sei ihm die Gastfreundschaft, betont Probst Fürnsinn, immerhin sei gerade die Herberge des Hauses ausgebaut worden, die nun bis zu 24 Pilger, Männlein wie Weiblein, aufnehmen könne. Im Paket inbegriffen: die Teilnahme an Chorgebet und Essen.

Esskultur ist ein Stichwort für Maximilian Fürnsinn, nicht nur Probst seit 33 Jahren, sondern auch Sohn einer Fleischhauerfamilie ist. Essen habe im Kloster einen großen Stellenwert, erklärt Fürnsinn. "Heute heißt es acht bis zehn Stunden täglich Job, darauf folgt Freizeit und Familie. Wir nehmen uns Zeit zum Essen, im Rhythmus stets verbunden mit Chorgebet und Arbeit. Das ist eine Weisheit der Klöster."

Spricht’s und erzählt von seiner Verbundenheit zu bodenständigen Genüssen, sechs Jahre lang hat er in seiner Jugend als Fleischhauer gearbeitet. Immer noch geht er gern in die Klosterküche und begutachtet mit Kennerblick die Qualität von Fleisch und Wurst.

Als prunkvolle Zeugen der reichen Geschichte sind die Klöster und Stifte Niederösterreichs - manche von ihnen fast so alt wie Österreich selbst - auch seit jeher Lieferanten von Rohstoffen wie Fisch und Wein. Als Bewahrer und Archivare der vielfältigen Traditionen des Landes haben sich die Klöster über die Jahrhunderte bewährt und sind ein unverzichtbarer Teil der kulinarischen Kultur geworden.

Und natürlich darf hier der Wein nicht fehlen. Anfang 2009 hat sich Wirtschaftsboss Hans Jörg Schelling einen lang gehegten Traum erfüllt: die Pacht eines Weinguts. Beim Plaudern mit Prälat Maximilian Fürnsinn entstand die Zusammenarbeit mit dem Stift, nun wurde der Keller komplett saniert und modernisiert. Auch in den Weingärten wurde viel umgekrempelt, doch, so Schelling: "Bei all den Veränderungen im Stiftsweingut Herzogenburg waren wir stets bemüht, die Tradition mit dem Zeitgeist zu verbinden." Daher wird auch die reaktivierte Baumpresse aus dem 19. Jahrhundert mit besonderem Stolz präsentiert. Wie auch das Ziel von Probst Fürnsinn: "Wir möchten zu den besten Winzern des Traisentals gehören." Sein Wort in Gottes Ohr.

Stift Herzogenburg
Das Augustiner-Chorherrenstift wurde 1112 von Bischof Ulrich von Passau an der Mündung der Traisen in die Donau gegründet. Die Stiftskirche ist heute der bedeutendste spätbarocke Bau Österreichs. Besonders sehenswert: die Gartenanlagen.

Jubiläumsausstellung
"900 Jahre Stift Herzogenburg - Zeitzeuge der Ewigkeit": bis 28. 10. 2012 täglich geöffnet und im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Führungen: 9.30, 11.00, 13.30, 15.00 und 16.30 (Gruppen jederzeit nach Voranmeldung). Eintritt: 9 Euro, Kinder bis 7 Jahre gratis.

 
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