Die ewige Zweite zeigt auf
Von | 15.07.2012 - 00:00
Wenn bei der jährlichen Verleihung der Nobelpreise in Oslo am Abend das festliche Dinner auf dem Programm steht, dann sind die besten Zutaten gerade gut genug. Zum Beispiel kalt gepresstes Olivenöl aus dem landwirtschaftlichen Hinterland von Tarragona. Das Einzige, woran es den Herstellern noch fehlt, ist eine gute Vermarktung. Zu viel des hochwertigen Olivenöls aus der Region wird derzeit noch ohne Etikett nach Italien verkauft - und dort mit entsprechenden Aufschlägen und Spannen vermarktet.
Da sind die Weinbauern einen entscheidenden Schritt weiter. Tarraco, das heutige Tarragona, war im zweiten Jahrhundert die Hauptstadt des römischen Spanien. Mit den Römern ist der Wein gekommen. Und der hat sich in jüngerer Zeit zu einem zukunftsträchtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt, bei dem auch die Vermarktung bereits ausgezeichnet funktioniert.
Zum Beispiel in der "Kathedrale des Weins" in Nulles, nur gut 20 Kilometer nördlich von Tarragona. Dort haben sich die Winzer zu einer Genossenschaft zusammengetan. Ihre "Kathedrale" ist eine kunstvolle Konstruktion des Architekten Cesar Martinell aus dem Jahr 1919. Dem "Jahrgang" entsprechend hat sich der Architekt an der Formensprache des Modernismo orientiert und diese mit den klimatischen Anforderungen an einen Weinkeller unter ein Dach gebracht. Kulturelles Erbe und Weinbaukultur auf dem aktuellen Stand der Technik gehen in Nulles eine befruchtende Harmonie ein. Es sei übrigens ein EU-Projekt, besagt eine große Tafel für alle jene, die immer argwöhnen, wohin denn all das EU-Geld für Spanien geflossen sei.
Ein architektonisches Juwel ist auch Santes Creus. Es ist das einzige Zisterzienserkloster an der "Ruta del Cister", das seit 1835 keine Mönche mehr beherbergt und daher ganz den Besuchern offen steht. Diese werden im Kreuzgang der Anlage von einer erhabenen Ruhe erfasst - wenn nicht gerade eine Schulklasse auf "Heimatkunde" unterwegs ist. Da wird es dann zwangsläufig ein wenig lebendiger in den alterwührdigen Gängen und Hallen aus dem 12. Jahrhundert. Aber genau das ist auch eine der freundlichen Seiten von Tarragona und seiner Umgebung: diese vielen jungen Menschen, die keine Touristen sind.
Das Weltkulturerbe Tarraco ist der große Trumpf
Heimatkunde wird großgeschrieben in der Region. Denn das Weltkulturerbe aus dem römischen Tarraco ist einer der Trümpfe, die Tarragona gegen die Weltstadt Barcelona ausspielen kann. Die heutige Metropole Kataloniens lebt vom Modernismo eines Antoni Gaudí oder Joan Miró. Aber was ist das schon gegen die gut erhaltenen Reste eines römischen Militärlagers, das um 218 vor Christus gegründet wurde. Sogar die Kathedrale von Tarragona ist mit 106 Metern zehn Meter länger als jene in Barcelona; sie ist damit die größte Kataloniens.Ach ja, die Schülerinnen und Schüler sind auch wieder da. In Scharen. Auf der Treppe vor der Kathedrale posieren sie zum Gruppenfoto für das Klassenalbum. Spaß muss sein, schließlich haben die meisten vorher fleißig das Modell studiert, das die Römerstadt in ihrer Blütezeit im 2. Jahrhundert nach Christus darstellt - im Maßstab 1:500 von den Hafenanlagen direkt am Meer bis hinauf zum Tempel.
Echte römische Mauern gibt es in den Bars und Auslagen der Geschäftsstraße zu sehen, die zur Kathedrale führt. Die Eigentümer müssen diese Einblicke in das Weltkulturerbe freihalten. Tarragona kennt seine Chance und ist gewillt, sie zu nutzen. Sogar ein seit Jahrzehnten beliebtes Restaurant, auf Resten der römischen Stadtmauer direkt am Meer gelegen, musste geschleift werden. Es war rein rechtlich ein Schwarzbau auf den Steinen des Weltkulturerbes.
Zum Glück hat sich der Besitzer nicht irritieren lassen, sondern in einer Seitenstraße der Ramblas eine Tapas-Bar eröffnet. Heute locken an lauen Abenden Römer-Spiele in das Halbrund der Arena am Strand. Die jugendlichen Schulgruppen haben um diese Zeit schon Feierabend oder sind in die Bars entschwunden. Die Schauspieler, die sich als muskelstrotzende Gladiatoren gebärden, werden von jungen Familien und ihren Kindern angefeuert.
Wer sich von der ersten Unsicherheit auf dem zweirädrigen Gefährt nicht abschrecken lässt, kann die lange Strandpromenade mit dem Segway entlangfahren. In der Hitze des Tages ist das zweifellos die feinste Art der Fortbewegung. Nach den ersten Angstminuten stellt sich sehr schnell ein weithin gefahrloser Fahrspaß ein.
INFO
Tarragona ist 91 km vom Flughafen Barcelona entfernt. Von München und von Wien aus ist Barcelona u. a. mit der Fluglinie Vueling erreichbar.
Ab 23. 9. feiert Tarragona das Fest zu Ehren von Santa Tecla. Höhepunkte sind der "Séquito Popular", ein Umzug von Riesenfiguren und Kostümträgern, sowie die Menschentürme. Diese Castellers werden bis zu neun "Etagen" hoch.
Eine kulinarische Spezialität ist die Romesco-Sauce aus Mandeln, Haselnüssen, Paprika und Öl.
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KOMMENTARE (1)
Mari Mari
27.07.2012
22:14 Uhr
Da wahrscheinlich nicht wiilrkch viele Leser wissen was Impertinenz bedeutet habe ich mal zusammen gestellt: abBedenkenlosigkeit, Dreistigkeit, Kaltschne4uzigkeit, Unverfrorenheit, Unversche4mtheit, Arroganz, Bosheit, Frechheit, Unartigkeit, Ungezogenheit, Vorwitz, Keckheit, Schamlosigkeit, UnartbbEigentlich ist das nicht der hier fcbliche Ton, aber jeder und jede pre4sentiert sich ja selbst. Niemand hat bisher das Vorhaben der eGK absicherbb genannt, jedenfalls nicht in dieser Diskussion. Aber vielleicht darf hier jeder seine eigene Meinung vertreten ohne beleidigt zu werden?Wenn nicht die Selbstverwaltung der c4rzteschaft, also gerade die, die jede Transparenz im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten verhindern um mit schlechten Leistungen
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