Der Familienurlaub wird zum Luxus
Von Birgitta Schörghofer | 11.02.2012 - 00:00

Sommer, Sonne, Strand: Ein Familienurlaub, wie ihn sich die meisten wünschen. Bild: SN/PRESSMASTER, FOTOLIA
Daheim ist es auch schön. Frei nach diesem Motto dürften die Österreicher ihre Urlaubsreisen planen. Im Vorjahr hat nicht einmal die Hälfte der Österreicher (46 Prozent) eine Urlaubsreise von wenigstens fünf Tagen Dauer unternommen. Im Vergleich zu 2010 ist das ein Rückgang um zwei Prozentpunkte. Die Reiseintensität der deutschen Nachbarn dagegen hat sich leicht gesteigert (2010: 52 Prozent, 2011: 53 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Tourismusanalyse 2012, die vom Zentrum für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg in Kooperation mit der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg durchgeführt wurde.
Die Gründe für die sinkende Reiselust der Österreicher reichen demnach von stagnierenden Realeinkommen über gesamtwirtschaftliche Unsicherheiten bis hin zur Diskussion und Folgenabschätzung einer Herabstufung der Bonität für Österreich. Als "fast dramatisch" bewertet Studienautor Reinhold Popp vom Zentrum für Zukunftsstudien an der FH Salzburg die unterschiedlichen Reisefrequenzen innerhalb der Einkommensgruppen. Urlaub wird für immer mehr Menschen schlichtweg zu teuer. "Die Finanzkrise ist auch beim Urlaub angekommen", sagt Popp. Wobei sich die Probleme eher in den unteren Einkommensschichten abspielten. Während sich der Anteil der besser verdienenden Urlauber im Vorjahr erneut erhöhte (von 61 auf 63 Prozent), sank der Anteil der reisenden Geringverdiener ganz deutlich von 34 auf 23 Prozent. Neben höher Gebildeten (und damit meist Besserverdienenden) zeigten im Vorjahr vor allem die Wiener (62 Prozent) und Selbstständigen (70 Prozent) eine besonders hohe Reiseintensität.
Die Zukunft des Tourismus im Familiensegment wird in der Studie als "ungewiss" bezeichnet. Familienurlaub werde zunehmend zu einem Luxus, den sich zukünftig nur noch jede zweite Familie leisten könne. "Wer auf dieses Segment gesetzt hat, muss jetzt in den Preiskampfring steigen", sagt Popp. Er rät, auch andere Zielgruppen zu umwerben.
Auffallend: Sowohl Deutsche als auch Österreicher verreisen immer öfter im eigenen Land. 37 Prozent der Deutschen verbrachten im Vorjahr ihre Ferien daheim, wobei die Ostseeküste erstmals ihren Spitzenplatz an Bayern als beliebtestes Inlandsreiseziel abgeben musste. Gern Urlaub daheim machten auch die Familien (zwei von fünf), ebenso bevorzugt die Ostdeutschen (46 Prozent, Westdeutsche 35 Prozent).
Bei den Österreichern machte im Vorjahr fast ein Viertel Urlaub im eigenen Land. Bei den ausländischen Zielen lag Italien vor Kroatien und der Türkei. Nicht einmal zehn Prozent machten eine Fernreise. Nur von einer Minderheit wird Deutschland bereist. Umgekehrt verlieren aber auch die Deutschen zunehmend das Interesse an der Alpenrepublik. Seit 2001, als Österreich noch sieben Prozent der deutschen Urlauber begrüßen konnte, hat sich der Anteil auf vier Prozent nahezu halbiert. Die Zukunftsprognose: "Österreich wird zunehmend die Konkurrenz Kroatiens bemerken und eher Winter- als Sommertouristen aus Deutschland willkommen heißen können." Wenn auch tendenziell sinkend, seien die deutschen Gäste quantitativ aber immer noch viele, beruhigt Popp.
Die schönsten Wochen des Jahres werden jedoch immer öfter zu den schönsten Tagen. Die Deutschen verreisten 2010 im Schnitt nur noch 12,4 Tage (2001: 14,7 Tage), die Österreicher 10,7 Tage (2010: 11,1 Tage). Je näher die Urlaubsdestination, umso kürzer der Aufenthalt. Bis 2020 dürfte sich die durchschnittliche Urlaubsdauer auf zehn Tage verkürzen. Die Urlaubsausgaben der Österreicher lagen im Vorjahr im Schnitt bei 1148 Euro. Die Deutschen haben mit 1012 Euro um einiges weniger ausgegeben. Je jünger, desto knapper ist die Kassa. Die Angst vor Terroranschlägen oder Naturkatastrophen ist kaum Grund für einen Urlaubsverzicht.
Für das Reisejahr 2012 ist alles noch möglich. Lediglich zwei von fünf Österreichern haben sich bis dato fest entschlossen, zu verreisen. Weitere 30 Prozent wollen noch abwarten. Bei den Gästen aus Deutschland kann sich die Branche auf stabile bis leicht steigende Gästezahlen einstellen. "45 Prozent der Deutschen sitzen gedanklich schon auf gepackten Koffern und planen fest", heißt es im Ausblick für 2012.
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