Dem Gast keine Angst einjagen
Von (sn-schö). | Aktualisiert vor 103 Tagen

Gefahrentafeln werden gern übersehen. Bild: SN
Ein Berliner Ehepaar, das abseits der Piste eine Lawine auslöst oder Tourengeher, die selbst bei minus 25 Grad und Sturm noch auf die Berge aufbrechen: Die Bergretter sehen sich nicht nur in jüngster Vergangenheit sondern regelmäßig mit den Folgen von bewussten Fehlentscheidungen von Skifahrern konfrontiert. Ausrücken müssen sie in jedem Fall.
Der Salzburger Bergrettungschef Estolf Müller tritt nun für eine verstärkte Aufklärung über die Gefahren des Wintersports ein - auch bei den Gästen und Urlaubern. Die Zusammenarbeit mit den Fremdenverkehrsverbänden sei noch zu wenig, sagte er im SN-Interview. "Ich habe das Gefühl, die haben Angst, dem Gast zu sagen, dass Winterurlaub auch gefährlich sein kann."
Bei den Touristikern stößt diese Aussage auf Überraschung. "Ich kann das nicht nachvollziehen", sagt der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismusgesellschaft (SLT), Leo Bauernberger. "Wenn ich mir anschaue, was wir in puncto Aufklärung alles tun, da kann man als Gast gar nicht daran vorbei." Allein im Image-Folder "Winterzeit im Salzburger Land", der in einer Auflage von zwei Millionen Stück erscheint und an Gäste und auf Messen verteilt werde, sei den "Regeln für mehr Sicherheit" ein ganzer Artikel gewidmet. Dazu kämen laufend Aktionstage für mehr Sicherheit in den Skigebieten, Skitourenlehrpfade oder neue Infostationen für Freerider, "die auf die aktuelle Situation und jede Gefahr abseits der Pisten aufmerksam machen", sagt Bauernberger. Touristiker und Hoteliers seien sehr wohl daran interessiert, dass der Gast wieder gesund nach Hause fahre. "Unfälle sind keine Werbung", betont der SLT-Chef. Eines sei aber auch klar: "Wir wollen dem Gast nicht von vornherein Angst einjagen, sodass er sich nirgends mehr hinauf traut. Das ist nicht Aufgabe von Touristikern." Die Kernkompetenz und Hauptaufgabe der Tourismusverbände sei immer noch, Lust am Schnee zu vermitteln.
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