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Ausnahmezustand bei der Basler Festnacht

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Die Basler Fasnacht ist ein unvergessliches Erlebnis. Man benötigt ein bisschen Kondition, denn 72 Stunden lang ist die historische Stadt am Rhein ein Fest vor allem für die Augen.

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 Bild: SN

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Wenn hierzulande nach den Faschingstagen wieder Ruhe eingekehrt ist und der Aschermittwoch die Grenze markiert hat, ab der das fromme Volk Ostern entgegenfastet und sich zurückhält, geht es in der Schweiz erst richtig los. Anders als in katholisch durchwirkten Ländern ist in Basel die einzige "protestantische Fasnacht" zugange, als fröhlicher Ausdruck davon, wie man nach den Beschlüssen bei der Synode von Benevent im Jahr 1091, gefiltert durch die Reformation, rein rechnerisch ebenfalls - wie katholische Mathematiker - auf vierzig Fastentage kommen kann. Wie immer es dazu kam, die Basler Fasnacht ist ein Fest, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Man muss ja nicht alle 72 Stunden auf den Beinen sein, aber wer wirklich dabei sein will, sollte nicht den Vorsatz fassen, die Nächte in der schönen Stadt am Rhein durchzuschlafen. Vorschlafen vielleicht, denn der Startschuss zur größten Fasnacht der Schweiz fällt pünktlich um vier Uhr früh am Montag nach Aschermittwoch. "Morgestraich" nennt sich der rituelle Auftakt zur Fasnacht in der historischen Altstadt. Besonders die schönen Plätze wie Barfüsserplatz, Marktplatz oder Claraplatz bieten sich an zur Beobachtung der magischen Vorgänge. Dann wird es für einen Moment nicht nur muckmäuschenstill unter den Tausenden gespannt wartenden Zuschauern, sondern auch stockfinster wie bei einem Generalstromausfall.

Jubel Trubel Heiterkeit

Bitte nicht blitzen, lautet die Devise, braucht man auch nicht. Sekunden später geht’s los, von allen Seiten kommen Züge, Hunderte kleine Laternen auf den Köpfen wirken wie Nachtkasterllampen, dazwischen bilden die hoch aufragenden Laternen mit ihrer künstlerischen Gestaltung farbige Markierungspunkte. Und über alles legt sich ein lautstarkes Pfeifen und Trommeln, jede Gruppe hat lang dafür geprobt. Man kommt kaum aus dem Staunen heraus, wie liebevoll und einfallsreich diese Laternen gestaltet wurden, die entweder auf das jeweilige Generalmotto Bezug nehmen, aber auch auf prominente Persönlichkeiten, die voll Humor durch den Kakao gezogen werden.Erstaunlich ist, wie diszipliniert sich die riesige Zuschauerschar auch noch nach vielen Stunden des Feierns gibt, Alkoholleichen sind geradezu verpönt. Wenn der "Morgestraich" bei Tagesanbruch vorüber ist, füllen sich die zahlreichen Lokale der Altstadt, dann wird bei traditionellen Fastenspeisen wie Mehlsuppe und Zwiebelwähe oder Käsewähe neue Kraft geholt. Die kann man gebrauchen, denn am Nachmittag gerät Basel vollends in Ausnahmezustand. Die Cortège, also der Umzug, färbt die Stadt bunt, von Wagen fliegen Süßigkeiten auf die Kinder runter, um jede Ecke biegt eine Clique, also eine verschworene Gruppe maskierter Faschingsfiguren, die am jeweiligen "Sujet" zu erkennen sind, meist von einem Vortrab angeführt, der Platz schafft.

Jeder geht seinen eigenen Weg

Es finden sich auch traditionelle Larven darunter, die bis auf napoleonische Zeiten zurückzuführen sind, Harlekine, aber auch "Alte Tanten". Man darf erstaunt sein, wenn so eine Gruppe eine Pause einlegt und die Masken abnimmt: lauter honorige Herrschaften sind da drunter, vom Bankdirektor bis zum Chefredakteur. Wenn die Cliquen mit ihren Pfeifen den Vögeln Konkurrenz machen, ertönen dazwischen knallige Brass-Klänge: Die Guggenmusik-Gruppen sind ein Kontrapunkt und noch um einiges lauter. Man möchte kaum glauben, dass unter den Masken zahlreiche junge Frauen stecken. Abgesehen von den bunten Gesellen lädt die wunderschöne Basler Altstadt zum Bummeln ein, durch jede Gasse kommt eine neue Truppe. Nicht eine Clique nach der anderen zieht auf fixen Straßenzügen durch Basel, jede Gruppe verfolgt ihren eigenen Weg, was bei Kreuzungen durch friedliches Warten geregelt wird. Und da rund 10.000 Larven dabei sind, reißt die Freiluftshow kaum jemals ab. Wer es in den inneren Zirkel schafft, entdeckt auch Geheimtipps: Es gibt als ruhenden Schlusspunkt die Cliquenkeller, wo dann die "Di Aagfrässene", "Harlekin" oder der "Dupf-Club" die Masken fallen lassen, die Pfeifen und Trommeln ablegen und den Umtrunk genießen. Der Dienstag bietet die Gelegenheit, die rund 200 Laternen, welche den "Morgestraich" erleuchteten, am Münsterplatz in Augenschein zu nehmen. Am Dienstag gibt es die Kinderfasnacht und tags darauf folgt die nächste Cortège. Verbindendes Motto 2013 ist "Zu mir oder zu dir?"

Daten und Fakten

Flüge: Swiss fliegt mehrmals tägl. von Wien in die Schweiz (Zürich, Basel, Genf). Für Swiss-Passagiere ab Salzburg stehen 21 wöchentliche Verbindungen nach Zürich zur Auswahl (durchgeführt von Partner Cirrus Airlines). www.swiss.com.

Öffentlicher Verkehr: Für die Nutzung des gesamten öffentlichen Verkehrssystems der Schweiz ist ein sogenannter Swiss Pass erhältlich. Das Swiss Travel System ermöglicht stressfreies Reisen mit Bahn, Bus und Schiff, aber auch die Nutzung der Straßenbahnen. Darüber hinaus gibt es mit dem Swiss Pass zahlreiche Ermäßigungen auf Bergbahnen und Panoramastrecken (www.swisstravelsystem.ch)

Basler Fasnacht: Die Basler Fasnacht ist die größte Fasnacht der Schweiz. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch, 18. Februar, um 4.00 Uhr mit dem "Morgestraich". Sie dauert exakt 72 Stunden und endet am Donnerstagmorgen, 20. Februar, um 4.00 Uhr mit dem "Endstraich". Informationen, Preise und Buchungen bei Basel Tourismus.

www.basel.com; www.fasnacht.ch

 
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