Aufgewacht in getrennten Betten
Von Fred Fettner | 18.02.2012 - 00:00
Mit aktuell 29 Häusern zählt die Vienna International Hotelmanagement AG (VI) zu den Größen des heimischen Tourismus. Wobei nur mehr drei Hotels in Österreich selbst zu finden sind. Die VI ist eigentümerseitig eng mit der börsenotierten Warimpex verbunden, für die zahlreiche Hotelprojekte in Zentral- und Osteuropa betrieben werden. Zuletzt machte die VI vor allem mit internen Zwistigkeiten Schlagzeilen. Hotelchef Rudolf Tucek musste im Vorjahr nach Auseinandersetzungen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Warimpex-Vorstand Franz Jurkowitsch seinen Sessel räumen. Nachfolger Andreas Karsten strebt nun unter dem Dach "managed by VI" die rasche Expansion an.
Das Ziel ist, mit der VI an der Wiener Börse zu notieren. Diesem Vorhaben steht Rudolf Tucek mehr als skeptisch gegenüber. Prinzipiell kritisiert Tucek, dass man ihn und Baumeister Friedrich Grassi als Repräsentanten von 38 Prozent des Aktienkapitals nicht von den Plänen informiert habe. "Der Börsegang erfordert die Zustimmung von 75 Prozent des Aktienkapitals. Das wird ohne uns schon rechnerisch nicht zu machen sein", sagt der Hotelprofi.
Tuceks ursprünglich fristlose Entlassung bei der VI wurde von Jurkowitsch nach kurzen Verhandlungen in eine Trennung "im beiderseitigen Einvernehmen" umgewandelt. Doch die Lösung der Eigentumsverhältnisse ist weiterhin offen. Vergangenen Sommer folgten der Klage die Vorerhebungen der Gerichte, nun laufen die Verfahren. Dem Vernehmen nach klaffen die Vorstellungen über den Unternehmenswert mit 30 bis 100 Mill. Euro markant auseinander.
Karstens Aufgabe ist es, die VI in neue Höhen zu führen. Neue Impulse sind gefragt. "Neben den bisherigen Marken konzipieren wir eine neue Linie für Business-Hotels. Die stellen wir als Lizenzgeber für Private zur Verfügung", erklärt Karsten. Er gebe bereits Interesse von Privathoteliers, unter das Dach von VI zu schlüpfen. Wobei nicht Franchise, sondern die komplette Betriebsführung geboten werde. Interessant seien alle Häuser, die profitabel seien, wobei Karsten besonders auf deutsche Städte schielt. Dafür würde er sogar auf die in Deutschland üblichen Pachtverträge eingehen, auch wenn seiner Meinung nach im Zuge der Finanzkrise Managementverträge an Bedeutung gewännen. "Weil Pachtverträge mit Unternehmen, die nicht zahlen können, weniger wert sind", sagt Karsten. Man sei als Manager aber selbstbewusst genug, bei passenden Immobilien ein "gewisses Risiko" mitzutragen.
Die in Medien kolportierte Zahl von angestrebten 40 deutschen Hotels in drei Jahren dementiert Karsten. Dies sei nur die von ihm genannte Zahl, um in Deutschland eine "flächendeckende Wahrnehmung" zu erzielen. Er werde sich aber nicht davon treiben lassen. Fix sei nur, dass das Unternehmen vor dem Börsegang deutlich wachsen müsse. Zuletzt wurden mit 2500 Mitarbeitern 164 Mill. Euro Hotelumsatz erzielt.
Große Pläne hat die VI weiters noch für Polen, wo man bisher mit fünf Hotels vertreten ist. Wird international in der Regel die Hotelführung neuer Objekte übernommen, setzt man in Österreich eher auf bestehende Objekte. Dabei wird auf die "Sanierungskompetenz" von VI hingewiesen, um Hoteliers oder Banken, die Konkurshotels in ihrem Portfolio haben, "managed by VI" schmackhaft zu machen. "Uns zeichnen starkes lokales Markt-Know-how und Kostenkontrolle aus. Bei großen Ketten sind die Adaptionen oft mit hohen Investitionen verbunden, wir sind flexibel und bieten Modelle, bei denen wir teils auch entsprechend der Sanierungserfolge vergütet werden", sagt Karsten.
Als schmerzlich erweist sich angesichts der Expansionspläne, dass Ende 2011 die Wiener Hotels Rainer’s und Senator ihre Managementverträge mit der VI lösten. Wie "Format" berichtete, waren dafür unter anderem Lieferantenprovisionen die Ursache, die nicht den Häusern, sondern der VI gutgeschrieben worden sind. Wie Tucek feststellt, sind diese Boni und das ebenfalls beklagte Direktinkasso damals "nach Absprache mit den Hotelbetreibern und gemäß den Managementverträgen" erfolgt.
Prinzipiell wünsche er allein schon im Eigeninteresse als Aktionär, dass alle hochfliegenden VI-Pläne aufgehen mögen, sagt Tucek. Skeptisch bleibt er trotzdem. "Wenn man nun mit Pachtverträgen in weniger bedeutende Destinationen kommen will, wird man die Ertragsziele nicht schaffen", kritisiert Tucek. Er sehnt eine baldige Lösung des Konflikts herbei. "Es werden auf beiden Seiten unnötig Ressourcen gebunden", sagt er. Die Tucek-Seite repräsentieren seine auf eine junge Klientel abzielenden "Cube"-Hotels, für welche die Entflechtung Mitte 2011 bereits gelungen ist. Die Gespräche für zwei neue Projekte sind laut Tucek weit gediehen, doch unterschrieben ist noch nichts. Derzeit in Betrieb sind die Cube-Hotels in Tröpolach am Nassfeld, in Biberwier in Tirol und dem Schweizer Savognin. Wie hart es ist, mitten aus einem "Rosenkrieg" heraus zwei erfolgreiche Hotelketten zu schaffen, zeigt eine Randerscheinung. Geführt werden die VI und Cube von derselben Adresse aus, getrennt nur durch eine neu aufgezogene Mauer.
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