Asiaten stürmen Jungfraujoch
Von | 02.08.2012 - 16:10

Chicken Masala zum Gletscherblick? Kein Problem. Eigens für Gäste aus Indien gibt es auf dem Jungfraujoch das "Bollywood"-Restaurant. Japaner betreiben vor der Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau den höchsten Uhrenladen Europas. Chinesen werden von Bergführern auf Mandarin begrüßt. Auf dem "Top of Europe", wie Marketingexperten das Jungfraujoch tauften, trifft sich Asien mit dem Rest der Welt. Möglich machte das die Eisenbahn. Vor 100 Jahren fuhr der erste Zug auf den höchstgelegenen Bahnhof der Erde.
Es war die Erfüllung einer Vision, die Schweizer Antwort auf den Eiffelturm. Ein technisches Wunder mitten in der alpinen Eiswelt. Bis dahin hatten sie nur kühne Bergsteiger aus der Nähe erlebt. "Diese Bahn soll unter allen Bergbahnen den ersten Platz erringen und behaupten", hatte sich ihr Erfinder Adolf Guyer-Zeller bei der Gründung der Jungfraubahn-Gesellschaft gewünscht. Die Eröffnung des letzten Streckenabschnitts am Nationalfeiertag der Schweiz, dem 1. August, im Jahr 1912 erlebte er nicht mehr. Mit 60 Jahren starb der umtriebige Industrielle 1899 an einer Lungenentzündung. Die Büste des "Eisenbahnkönigs", der seine Energie und sein Vermögen auf dieses Projekt konzentrierte, begrüßt 3454 Meter über dem Meer am Tunnelbahnhof Jungfraujoch die Reisenden. Auf den knapp zehn Kilometern von der Kleinen Scheidegg am Fuße des gigantischen Eiger überwindet die elektrisch getriebene Zahnradbahn in 52 Minuten - mit Zwischenhalt an den Stationen Eigergletscher, Eigerwand und Eismeer - einen Höhenunterschied von 1393 Metern. Der größte Teil der Strecke führt durch einen Tunnel im Bergmassiv von Eiger und Mönch. Vier Mal täglich fährt Toni Teuscher die Strecke. Seit 16 Jahren ist er Berglokführer. Mit mehr als 700 Angestellten ist die Bahn der wichtigste Arbeitgeber der Jungfrauregion zwischen Interlaken und Grindelwald.
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