Alle Kurven führen zum Strand
Von | 18.08.2012 - 00:00
Die Straße ist schlecht, aber befahrbar", warnt uns Chuck Thorne. Wir kommen gerade aus seiner Hana Lava Tube und sind noch ganz irritiert von dem, was wir gerade in der erfrischenden Kühle der Höhle gesehen haben: Im spärlichen Licht von Taschenlampen kommen uns die zigtausend kleinen Stalaktiten wie von der Decke herunter tropfende Schokolade vor. Die Wirklichkeit holt uns aber schnell ein. Chuck hat nicht übertrieben, als er den Weg von Hana um die Südostspitze Mauis herum zurück nach Lahaina beschrieb: Die Bandscheiben ächzen ob des Geschaukels. Nur gut, dass wir bei den Seven Sacred Pools, eine Reihe durch Wasserfälle verbundene Felsbecken, einen Stopp mit entspannendem Bad eingelegt haben. Die Straße wird nun immer schlechter. Wir werden aber entschädigt. Regenwald, idyllische Strände und Wasserfälle, zahllose "Dips", trichterähnliche Senken, das Grab von Luftfahrtpionier Charles Lindbergh, Kurven und einspurige Brücken sorgen für Abwechslung. Diese müssen wir noch langsamer überqueren als jene auf der anderen Seite von Hana. Mehr als zehn Stundenkilometer sind selten erlaubt. Die meisten Touristen kommen vor allem wegen der legendären "Road to Hana" und um sich dann zum Beweis des überstandenen Abenteuers mit T-Shirts schmücken zu können, auf denen zu lesen steht: "I survived the road to Hana". Diese ist zwar alles andere als abenteuerlich, 617 Kurven und 56 meist einspurige Brücken auf gerade einmal 80 Kilometern haben es jedoch in sich. Uns reicht es, dass wir heute Morgen dort unterwegs waren.
Stoßstange an Stoßstange ging es häufig nur im Schritttempo vorwärts. Langweilig war es trotzdem nicht, schon allein wegen des tropischen Regenwalds mit seinem dichten Blätterdach - und einer schier unglaublichen Vielfalt an Grüntönen.
Mit einem Sonnenbad an der kilometerlangen Bucht von Hookipa erholen wir uns von den Kurven und Schlaglöchern des Ostens. Mit vor Staunen offenem Mund schauen wir den Kunststücken der Wellenreiter und Windsurfer zu.
Hier, im Mekka der Szene, driften sie gekonnt über das Wasser und setzen zu meterhohen Sprüngen an - wir belassen es beim Zuschauen und nehmen die nächsten Kurven in Angriff. Diesmal wollen wir hoch hinaus: 60 Kilometer und 3055 Höhenmeter liegen vor uns. Der größte ruhende Vulkan der Erde, der Haleakala, bittet zum Sonnenuntergang.
"Hier hat Gott Maui einst die Sonne eingefangen, um die Sommertage zu verlängern", erfahren wir im Besucherzentrum. Unterhalb des Gipfels versinkt die Mondlandschaft des "Hauses der Sonne", ein 800 Meter tiefer Krater, im Schatten der herannahenden Nacht. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig bis zum Gipfel. Kaum ist die Sonne verschwunden, wird es kalt. Uns fröstelt trotz der dicken Jacke, die wir drübergezogen haben. Die meisten Leute haben vorgesorgt, manche genießen mit einer Flasche Schampus den Moment. Nur eine junge Frau trotzt der Kälte - in Shorts und Bikinitop.
Nicht nur an den feinsandigen Stränden von Maui ist das die übliche Bekleidung. Auf der Hauptinsel Oahu ist es nicht anders. Zumindest am Waikiki Beach. Der berühmteste unter den 180 Stränden der Insel genießt Weltruf. Der dreieinhalb Kilometer lange Strandabschnitt ist längst zum Synonym für Honolulu geworden. Die Bettenburgen von Waikiki - hawaiianisch für "sprudelnde Wasser" - erinnern an manche Bausünde am Mittelmeer. Dennoch: Wer den Trubel liebt oder die herrlichen Sonnenuntergänge genießen möchte, ist hier richtig.
Echtes Südseeflair mit endlosen Sandstränden finden wir an der dünner besiedelten Nordküste. Im Westen geht es auch längst nicht so hektisch zu wie im Großraum der Hauptstadt Honolulu. Wir machen uns deshalb auf den Weg nach Waianae. Dort verspricht Wild Side Specialty Tours ein besonderes Erlebnis selbst für jene, denen Wassersport nicht so liegt: Schwimmen mit den Delfinen. Kapitän Armin, der im Allgäu aufgewachsen ist und deutsch spricht, und Biologin Karen wissen, wo Flippers Artgenossen zu finden sind. "Sie kommen zum Ausruhen immer wieder an dieselben Stellen. Wir wollen dort ankommen, wenn die Tiere ihren Rastplatz verlassen. So werden sie am wenigsten gestört", erklärt Armin. Es dauert auch nicht lange, bis wir die ersten Spinner-Delfine sichten. "Parallel zu den Delfinen bleiben und die Hände am Körper lassen! Vor allem nicht mit den Flossen spritzen, da sich die Delfine auf diese Art verständigen", gibt Karen Verhaltensregeln vor. Ausgestattet mit Flossen, Maske und Schnorchel sind wenig später alle Touristen im Wasser - und um eine beeindruckende Erfahrung reicher.
Bald kommt eine weitere hinzu. Diesmal schauen wir uns Oahu aus der Vogelperspektive an. Im Wasserflugzeug von Islands Seaplane Service zeigt uns Tom Moss das "Paradies" von oben. So nennt er gern die Tausende Kilometer von jedem Festland entfernte Inselgruppe inmitten des Pazifiks. Und dann gibt er uns noch einen Tipp: "Der Leuchtturm da drüben ist Makapoo Point. Von dort kann man gut Wale beobachten."
Informationen: Viele große Airlines fliegen Hawaii an, für den Transport zwischen den Inseln gibt es kleinere Linien: Hawaiian Airlines, www.hawaiianair.com, und Go!, www.iflygo.com;
Hauptsaison: Juli/August sowie Weihnachtszeit, Doppelzimmer ab 80 Euro; www.hawaii-tourism.de; www.gohawaii.com.
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