"Schnapsbrennen ist eine Kunst"
Von Angelika Wienerroither | Aktualisiert vor 114 Tagen
Sigi Rieger öffnet mit einem Lächeln die Türe zum Wintergarten des alten Bauernhauses in Strobl. "Herzlich willkommen, es ist noch etwas kalt", sagt er entschuldigend. Drinnen fällt der Blick zuerst auf ein riesiges Ungetüm aus Kupfer: "Die neue Kolonnenbrennerei ist jetzt ein halbes Jahr alt, sie ist mein ganzer Stolz."
Seinen ersten Schnaps hat der 28-Jährige mit sechs Jahren hergestellt. "Mein Vater und ich haben gemeinsam das Obst gepflückt, bearbeitet und dann gebrannt, das ist quasi Familientradition", erklärt er. Für Rieger war das Schnapsbrennen immer das Highlight des Jahres.
Seit seiner Jugend hat sich natürlich viel verändert. Rieger hat an der Universität Salzburg Botanik studiert. Doch das Schnapsbrennen ist ihm geblieben. "Vor einem Jahr habe ich mich selbstständig gemacht - ich bin jetzt gewerblicher Schnapsbrenner", sagt er lachend. Eigentlich passe das ja ganz gut zusammen - die Biologie und das Brennen. Schließlich brauche er für das Aufspüren von Wildfrüchten das Wissen darüber, wo sie wachsen. Aber noch viel wichtiger: "Ich muss wissen, wie die Frucht schmeckt." Schnapsbrennen sei schließlich die Kunst, aus gut ausgewähltem Obst die richtigen Aromen herauszufiltern.
Doch Rieger beschäftigt sich nicht nur mit wilden Früchten. Sein neuestes Projekt ist ein Alpin-Gin, für den er die Gin-Gewürze mit dem einheimischen Enzian, Meisterwurz und Berberitze kombiniert. Ein halbes Jahr habe es gedauert, bis er die richtige Rezeptur hatte. Auch das Brennen ist nicht einfach, denn "jede Frucht, jedes Gewürz ist anders. Da braucht es einerseits Erfahrungswerte, doch andererseits auch wahnsinnig viel Gespür."
Sein großes Ziel ist es, den Schnaps in dem Bewusstsein der Kunden als etwas Hochwertiges zu verankern. Schließlich sei sein Produkt im wahrsten Sinne des Wortes durchsichtig: "Man weiß, woher das Obst kommt, und wer es brennt."
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