Genuss mit essbaren Blüten
Von Veronika Schmeikal | 06.06.2012 - 15:32

Einfach im Garten ernten: essbare Blüten der Taglilie. Gefüllt blühende Sorten schmecken natürlich saftiger!Bild: SN/SCHMEIKAL
Gurkenkraut (Borretsch), Kapuzinerkresse und Gänseblümchen werden schon lang in die Salatschüssel gemischt. Doch das Reich der Blumen bietet eine Vielzahl weiterer Blüten, die sich mit Genuss verspeisen lassen.
Na gut, das mit dem Genuss muss ich jetzt einschränken, denn nicht alles, was essbar ist, schmeckt auch richtig gut. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und daher darf in der Natur sowie im Blumenkasten gewildert werden, um den Speisezettel zu bereichern.
Für Wildkräuter gilt natürlich, dass man geschützte Arten nicht essen darf, generell ist hier die Ausbeute aber ohnehin gering, denn die meisten essbaren Wildkräuter haben relativ kleine Blüten, also viel Sammelaufwand, wenig im Magen.
Im Garten auf der Pirsch
Da lohnt es sich schon viel eher, im Garten auf die Pirsch zu gehen: Gerade erblühen die ersten Taglilien (Hemerocallis). Alle Sorten haben essbare Blüten, vor allem gefüllte Sorten ergeben einen saftigen Bissgenuss. Am köstlichsten soll Hemerocalliscitrina schmecken, aber auch alle anderen Sorten sind roh genossen schmackhaft.Taglilienblüten können zudem als Knospen geerntet und im Wok gebraten werden. Ergiebig sind auch Dahlien: Hier muss man sich halt durchkosten, zwischen den einzelnen Sorten gibt es große Geschmacksunterschiede. Die etwas säuerlich schmeckenden Blütenblätter werden ausgezupft, eine Dahlienblüte im Ganzen verzehrt wird im Mund immer mehr - von Genuss kann man da nicht mehr sprechen.
Wenig bekannt dürfte sein, dass sich Cosmea gut verspeisen lässt, ebenso wie Fuchsien. Bei Fuchsien sollte man aber Staubgefäße und Stempel entfernen, denn sie schmecken bitter. Weiters essbar sind Blüten von Begonien, hier darf man Eisblumen ebenso beernten wie schattenliebende Knollenbegonien oder im Zimmer ausharrende Elatiorbegonien. Allerdings sollte man das nicht gleich unmittelbar nach dem Kauf tun. Etwas Zeit sollte man etwaig vorhandenen Pflanzenschutzmittelrückständen zum Abbau einräumen.
Vorsicht bei Rosen
Vorsicht ist geboten bei der Verwendung von Rosen- und Lavendelblüten. Hier muss man maßvoll ernten. Ein Zuviel dieser Blüten verleiht dem Obstsalat oder dem Lavendelparfait einen seifigen Geschmack. Gemeines habe ich natürlich auch noch im Repertoire: Das ist die Parakresse! Spilanthes schmeckt zuerst nach gar nichts, dann nach Brausepulver und hinterlässt schließlich ein Betäubungsgefühl auf der Zunge und im Rachen. Ähnlich wie großflächige Betäubungsspritzen beim Zahnarzt. Nach zwei Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Bleibt nur die Frage: Wofür ist so ein Kraut gut? "Als Partyspaß in Salaten", schreibt ein deutscher Kräuterproduzent in seinem Katalog. Na dann: viel Spaß!
Achtung giftig!
Sehr viele Pflanzen sind essbar. Und mindestens ebenso viele sind giftig. Wobei auch essbare Pflanzen giftig sein können, wenn man die Dosis übertreibt (Paracelsus lässt grüßen). Den Selbstversuch sollte man nur starten, wenn man schon ein bisserl eine Ahnung von Pflanzen hat. Ich persönlich koste ziemlich alles. Also auch Schneebeere, Feuerdorn und rohe Vogelbeere. Eisenhut koste ich nicht. Und runterschlucken tu ich auch nix. Kosten heißt ja noch nicht essen. Jedenfalls fällt beim Kosten schon auf: Die meisten giftigen Pflanzen schmecken auch grauslich. Keinesfalls kosten sollten Sie (denn das haben andere bereits nicht überlebt): Akelei, Schneerose, Eisen- und Fingerhut, Goldregen, Oleander, Tomaten- und Kartoffelblüten, Pfaffenhütchen, Rainfarn und Hahnenfuß. Auch das brave Usambaraveilchen eignet sich nicht.
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