Lifestyle | Genuss 

Ein "Chinakohldirndl" erregt die Gemüter

Von (sn) Martin Behr | 22.01.2013 - 11:56

Im "Dirndlmusterland" Steiermark kommen immer mehr Modedirndln auf den Markt. Nicht alle haben damit ihre Freude.

Ein "Chinakohldirndl" erregt die Gemüter



Vor nicht allzu langer Zeit war Tracht ziemlich out. Seit etwas mehr als zwei Jahren erleben Lederhose, Janker und Dirndl wieder eine ungeahnte Renaissance. "Der etwa durch Musiker wie Andreas Gabalier forcierte Trend hält an, ein Ende ist noch nicht abzusehen", erklärt Monika Primas vom Steirischen Heimatwerk. Die neue Begeisterung am Dirndlkleid treibt freilich auch so manche skurrile Blüten: So sorgt derzeit etwa in der Steiermark das neu kreierte "Chinakohldirndl" für Diskussionen.

Frisches Grün, erdiges Braun

"Chinakohldirndl"? Inspiriert vom "frischen Grün des steirischen Chinakohls und der typisch oststeirischen Landschaft" präsentierten die Chinakohlproduzenten kürzlich einen "modischen Hingucker". "Es zeigt die wunderschönen Farben des Chinakohls vom frischen Grün bis zum erdigen Braun, aus dem Chinakohl wächst", betont Franz Kober, Sprecher der Chinakohlproduzenten. Im Steirischen Heimatwerk, wo mehr als 270 historische Dirndlkreationen in Arbeitsblättern archiviert sind, schüttelt man den Kopf. "Wir wollen niemandem vorschreiben, was er produziert oder trägt, aber so ein Dirndl dient nur der Vermarktung des Wintersalats, das hat mit unseren Richtlinien und Zielen nichts gemein", sagt Monika Primas und hegt schon neue Befürchtungen: "Kommen jetzt bald ein Kiwidirndl, ein Bananendirndl oder ein Erdbeerlanddirndl auf den Markt?"

In der Praxis wäre es von Vorteil, würden die jeweiligen Erfinder neuer Dirndlarten beim Heimatwerk vorbeischauen, sagt Primas, die die Steiermark als "Dirndlmusterland" bezeichnet. Man wolle sich ja keineswegs als Trachtenpolizei aufspielen, aber man könne eventuell mit ein paar Tipps hilfreich zur Seite stehen. Zurzeit wird etwa an einem Kernöldirndl gearbeitet: "Es soll im Februar präsentiert werden. Ich glaube, es wird schön, die Projektbetreiber wollen auf die Tradition Rücksicht nehmen."

Schon seit einigen Jahren existiert ein Kürbislanddirndl vulgo Hügellanddirndl. Es geht unter anderem auf die Initiative von Lisi Tauschmann zurück. Auf Wunsch der Kürbisbauerngemeinschaft Fürstenfeld entstand eine - vom Heimatwerk goutierte - Tracht, die in den Farben und Formen auf den Kürbis sowie auf die Landschaft, in der dieser gedeiht, Bezug nimmt. Das Braun des Rocks stehe für die Erde, das Grün für das Laub der Kürbispflanze, sagt Tauschmann, die mit Modedirndln wie dem Chinakohldirndl gar nichts anfangen kann: "Das ist doch purer Kitsch. Da geht es nicht mehr um Volkskultur, sondern ums Geschäft."

Das Christbaumdirndl

Was es mittlerweile noch alles gibt? Unter anderem ein Christbaumdirndl, ein Almenlanddirndl, ein Reiteralmdirndl oder ein Apfellanddirndl. Weiters ein gewöhnungsbedürftiges "Fleece Dirndl Kitsch" mit riesengroßen Herz- und Hirschgeweihmotiven. Auch die bekannte Modedesignerin Lena Hoschek gestaltet eigene Kreationen. Monika Primas: "Sie kommt immer wieder zu uns, holt sich Anregungen: sehr spannend."

 
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