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Bauernbrot ohne Bauern?

Von Sw | 26.07.2013 - 00:00

Lebensmittel. 5000 Salzburger haben bisher dafür unterschrieben, dass Bauernbrot künftig aus bäuerlicher Produktion stammen müsse. Die Wirtschaft hält diese Forderung für indiskutabel.

Bauernbrot ohne Bauern?

Streit ums Brot. Bild: SN/Bio Austria

Almmilch aus den garantiert almfreien Niederlanden, Wildlachs direkt aus der Aquakultur, Tiroler Speck von polnischen Schweinen, Erdbeerjoghurt ohne einzige Erdbeere, Kalbsleberaufstrich, der zu 95 Prozent aus Schweinefleisch besteht - Bauernfängerei, die großteils nicht mal gegen Gesetze verstößt. Konsumenten werden von der Lebensmittelindustrie ganz legal in die Irre geführt. Etikettenschwindel ist in der Branche gang und gäbe.

Auch Bauernbrot, Bauernkäse, Bauernbutter oder Bauernwurst stammen in den meisten Fällen nicht von Bauernhöfen. Dagegen wehrt sich nun die österreichische Bauernschaft. Mit der Unterschriftenaktion "Bauernbrot ist Brot vom Bauernhof" wird gefordert, dass die Bezeichnung "Bauer" zukünftig nur mehr für Lebensmittel aus bäuerlicher Produktion erlaubt ist. 40.000 Unterschriften - davon 5000 aus Salzburg - konnten bereits gesammelt werden.

Der Handel wehrt sich dagegen. "Die Bezeichnung ,Bauern" ist keine Herkunftsangabe, sondern gibt Auskunft über die Machart beziehungsweise über Rezeptur", erklärt Ursula Michl-Schwertl von der Wirtschaftskammer. Diskussionsspielraum gebe es in diesem Punkt keinen. Landesbäuerin Elisabeth Hölzl aus Eben sieht dies anders: "Wir wollen uns einfach von der Industrie und anderen Verarbeitungsbetrieben abgrenzen. Wo Bauer draufsteht, soll auch Bauer drin sein", so die Pongauerin.

Die heimischen Landwirte fordern also mit Nachdruck eine Gesetzesänderung. "Nur wenn wir den politischen Druck erhöhen, kommen die Verbraucher zu ihrem Recht auf eine ehrliche und korrekte Lebensmittel-Kennzeichnung. Noch nie war das Interesse der Öffentlichkeit so stark, dass Betrug bei der Lebensmittel-Etikettierung ein Riegel vorgeschoben wird", erklärt Bauernbund-Präsident Jakob Auer. Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski stößt ins selbe Horn: "Wir wollen aktiv verhindern, dass sich einzelne Unternehmen mit fremden Federn schmücken und die Verbraucher in die Irre führen. Lebensmittel industrieller Herstellung oder gar ausländischer Herkunft mit der Bezeichnung ,Bauer-" oder rot-weiß-roten Fähnchen und Fantasie-Logos sind eine Täuschung der Konsumenten. Wir brauchen klare Regelungen im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz wie auch im Codex gegen den Missbrauch des guten Bauern-Images."

Die Unterschriftenaktion "Bauernbrot ist Brot vom Bauernhof" läuft noch bis zum 30. September.

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