Stars aus der zweiten Reihe
Von Ines Hinterkörner | 02.06.2012 - 10:36
Eine ausgewogene Ernährung ist - neben sorgfältiger Pflege - ein Schlüssel, um die Haut gesund und schön zu erhalten. Wesentlich daran beteiligt sind Obst und Gemüse, die jede Menge Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe enthalten. Sie enthalten aber auch sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, denen großes Potenzial bescheinigt wird. Anti-Aging-Mediziner wie Markus Metka sprechen von ihnen als von den "neuen Vitaminen". Sekundäre Pflanzenstoffe sind - im Gegensatz zu den primären Pflanzenstoffen wie Fruchtfleisch und Fruchtwasser - Substanzen, die eine Pflanze nur in kleinsten Mengen bildet, um sich gegen Gefahren zu schützen. Wollen Pflanzen überleben, brauchen sie dieses chemische Arsenal an Botenstoffen, Hormonen, Wachsen, Geruchs- und Farbstoffen. Anders als Tiere können sie Feinden und schädlichen Umwelteinflüssen ja nicht einfach ausweichen.
Pflanzliche Wirkstoffe sind in der Kosmetik heute Standard. Eine Pflegecreme, die keine Vitamine und Mineralstoffe enthält, ist eher die Ausnahme. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Forschung auf die sekundären Pflanzenstoffe. Bislang kennt man etwa 100.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, von denen 5000 bis 10.000 in der Nahrung vorkommen.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden wegen ihrer chemischen Struktur und ihrer unterschiedlichen Eigenschaften in verschiedene Gruppen eingeteilt. Für die Haut interessant sind Phytoöstrogene (pflanzliche Hormone, etwa aus Soja, die ähnlich wirken wie körpereigene Hormone), Polyphenole, die in Pflanzen als Farbstoffe, Geschmacks- und Gerbstoffe vorkommen, aber auch reine Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide und Carotinoide), deren antioxidative und entzündungshemmende Wirkung beachtlich und für die Kosmetik hochinteressant ist.
Die Aufnahme von Antioxidantien ist wichtig, weil sie freie Radikale neutralisieren können. Im Stoffwechsel entstehen ständig freie Radikale genannte, extrem reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen. Diese aggressiven Moleküle können im Organismus großen Schaden anrichten: Sie attackieren sowohl schützende Zellmembranen als auch Lipide und Proteine und schädigen die Erbsubstanz der Zellen.
Der Mensch kann die zellschützenden Eigenschaften der sekundären Pflanzenstoffe ganz leicht nutzen. Indem er ausreichend viel Obst und Gemüse (aber auch Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut) isst. Über die normale Ernährung nimmt ein Mensch pro Tag schätzungsweise 1,5 Gramm sekundäre Pflanzenstoffe zu sich. Bei Vegetariern ist diese Menge oft deutlich höher.
Bunt ist gesund. Rot, Orange und Gelb sind Farben der Carotinoide. Alphacarotin, Betacarotin (in Karotten, Paprika, Marillen, Spinat), Lutein (in Blattgemüse) und Lycopin (in Tomaten) beugen unter anderem frühzeitiger Hautalterung vor und stärken die Abwehrkräfte, indem sie das Wachstum und die Aktivität bestimmter Immunzellen unterstützen. An ihrer roten, blauen und violetten Farbe sind die Flavonoide, die zu den Polyphenolen gehören, zu erkennen. Sie dienen als Farbstoffe, sind aber hochpotente Abwehrstoffe und haben antimikrobielle Wirkung.
Ein besonders starkes Schutzpotenzial haben Polyphenole aus Früchten, Gemüse und Gewürzpflanzen, das dem der bekannteren Antioxidantien Vitamin C und Vitamin E um ein Vielfaches überlegen ist. Als besonders polyphenolreich gilt die große Familie der Beerenfrüchte, deren Saison nun beginnt.
Gartenparty
Beerenstark. Bis Mitte Juli haben Erdbeeren Hochsaison. Von Mitte Juni bis Anfang Oktober haben die Himbeeren ihren großen Auftritt. Johannis- und Stachelbeeren sind von Mitte Juni bis Ende Juli genussreif. Ebenso die Heidelbeeren, die bis Ende August zu haben sind. Die Brombeeren brauchen ein wenig länger. Die ersten kann man Anfang Juli, die letzten Mitte Oktober genießen. Das sollte man sich merken, denn Beeren schmecken nicht nur köstlich, sie haben eine beachtliche Anti-Aging-Wirkung. Allen voran die Heidelbeere, die neben leicht löslichen Kohlenhydraten und Fruchtsäuren auch eine Vielzahl an Vitaminen und Mineralstoffen enthält. Bemerkenswert ist, dass der Saft der Heidelbeere reich an Flavonoiden ist, was sie zu einem sehr effizienten Anti-Ageing-Lebensmittel macht. "Amerikanische Forscher haben 40 Frucht- und Obstsorten untersucht und herausgefunden, dass Heidelbeeren den höchsten Anteil an Antioxidantien enthalten. Die magischen Kräfte der Heidelbeeren sind in erster Linie auf diese Antioxidantien zurückzuführen", sagt Markus Metka, Gynäkologe, Präsident der Österreichischen Anti-Aging Gesellschaft und Autor ("Die Kosmetikrevolution"). "Insbesondere auf ein Mitglied der Flavonoid-Familie namens Anthocyanoside." Auch Erdbeeren sind nicht ohne: Sie enthalten neben Flavonoiden viel Vitamin C, das bei der Restrukturierung von hauteigenem Kollagen hilft. Schwarze Johannisbeeren enthalten in der Schale das Flavonoid Anthocyan, das antioxidativ und somit zellschützend wirkt. Bemerkenswert ist ihr hoher Vitamin-C-Gehalt: 100 Gramm schwarze Johannisbeeren enthalten 175 Milligramm Vitamin C, das ist vier Mal so viel, wie Orangen haben. Die aus dem Himalaya stammenden Gojibeeren haben eine hohe Konzentration an Vitaminen und Flavonoiden, die die Zelltätigkeit aktivieren und das Immunsystem stärken. Ähnliches gilt für die die Acaibeere, die - prallvoll mit Polyphenolen und Vitaminen - sich als Zellschützer einen Namen gemacht hat.
Obst & Gemüse. Dass die Tomate rot ist, liegt am Farbstoff Lycopin. Lycopin schützt auch vor den schädlichen Auswirkungen von UV-Strahlung und damit vor vorzeitiger Hautalterung. Je röter die Tomate, desto mehr Schutzstoffe enthält sie. Lycopin lagert sich einerseits in der menschlichen Haut ein und wirkt wie ein Sonnenschirm vor schädlichen UV-Strahlen, andererseits fängt es "freie Radikale", die für die Faltenbildung verantwortlich sind, ab. In Verbindung mit Vitamin C, das ebenfalls reichlich in Tomaten enthalten ist, verlangsamt es die Hautalterung, indem es freie Radikale neutralisiert. Lycopin, das sonst nur noch in Melonen enthalten ist, gehört wie das Lutein im Blattgemüse zu den Carotinoiden. Carotinoide ist ein Sammelbegriff für die gelben und roten Pflanzenfarbstoffe in Obst und Gemüse. Carotinoide kommen in großen Mengen in den namengebenden Karotten, aber auch in Mangos und Paprika vor. Von den zurzeit 600 bekannten Carotinoiden sind ungefähr 50 Vorstufen von Vitamin A. Auch Flavonoide sind Farbstoffe, von denen etwa 6500 bekannt sind. Sie sind in Weintrauben enthalten, die ein Jungbrunnen für die Haut sein können. Ihr Geheimnis liegt in den rund 20 verschiedenen Antioxidantien, die die Trauben in den Schalen und in den Kernen besitzen. Je dunkler eine Traube ist, umso höher ist ihr Anteil an Flavonoiden. Das wichtigste
Flavonoid der Traube heißt Resveratrol.
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