Lifestyle | Beauty    Fotostrecke verfügbar

Die feine englische Art

Von Ines Hinterkörner | 28.07.2012 - 06:00

Sie fahren auf der falschen Straßenseite. Sie sind berühmt für ihre Höflichkeit, ihren Humor, die Tea-Time, die Royals, die Gärten und für ihr Understatement. Auch bei Düften machen die Briten fast alles anders als die anderen. Aber immer traditionsbewusst und extravagant.

1 von

Duft genießen auf die feine englische Art.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JO MALONE/ESTEE LAUDER COMPANIES
„Penhaligon’s“ zählt zu den Kronjuwelen britischer Parfümeurskunst und wurde 1870 gegründet.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/PENHALIGON’S
„Floris“ zählt zu den ältesten Parfumhäusern Englands. Gründungsjahr: 1730.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/FLORIS
„Creed“ entstand 1760 und war, ehe sich das Haus dem Duft verschrieb, die Lieblingsschneiderei Königin Victorias. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/NOBILIS GROUP/CREED
„Asprey“, 1781 in London als Seidendruckerei gegründet, brachte 2004 seinen ersten und bisher einzigen Duft auf den Markt.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/NOBILIS GROUP/ASPREY
„Grossmith“ ist ein Parfümhaus, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1835 zurückreichen.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/GROSSMITH
„D.R. Harris“ aus dem Jahr 1790 war ursprünglich eine Apotheke.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/D.R. HARRIS
„Geo F Trumper“ startet 1875 als Barbershop und offerierte Kosmetikartikel für die perfekte Rasur eines Gentleman.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/GEO F. TRUMPER
„Woods of Windsor“: 1770 gegründet und ursprünglich eine Apotheke.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/WOODS OF WINDSOR
„Bronnley“ wurde 1883 von James Bronnley gegründet und ist heute Hoflieferant von Queen Elisabeth II. und des Prince of Wales.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/BRONNLEY
„Yardley“ ist eines der traditionsreichsten Häuser Englands. Die Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1402 zurück.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/YARDLEY
Clive Christian verwendet für seine Düfte nur das Beste vom Besten. Das Resultat: Purer Luxus.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/CLIVE CHRISTIAN/NOBILIS GROUP<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN
James Heeley prägt seine Düfte mit raffiniertem Purismus.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/HEELEY
„Ormonde Jayne“ ist eine der interessantesten jungen Parfümmarken Englands. Parfümeurin Linda Pilkington verwendet für ihre Düfte nur natürliche Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/NÄGELE&STRUBELL
Markenzeichen von Jo Malone sind nicht nur die schönen Flakons. Markenzeichen ist auch, dass man ihre Düfte miteinander kombinieren kann und soll.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/JO MALONE/ESTEE LAUDER COMPANIES
„Czech & Speaks“ startete mit luxuriösen Badezimmereinrichtungen und erweiterte seinen Aktionsradius um eine exklusive Linie von Düften, die „Aromatics“.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/CZECH & SPEAKE
„Miller Harris“, im Jahr 2000 von Lyn Harris gegründet, stellt nicht nur wunderbare Düfte, sondern auch wunderbar duftende Kerzen her.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN/MILLER HARRIS




"Das Besondere an englischen Düften ist", sagt Lothar Ruff, "dass diese Düfte ein gänzlich anderes Dufterlebnis vermitteln. Indem sie einem das Gefühl geben, dass sie eine natürliche Ausstrahlung haben. Wenn man einen Duft riecht, der frisch ist, weiß man, woher die Frische kommt. Man kann die Zitrone wirklich riechen. Wenn man moderne Düfte nimmt, riecht man etwas, das keinen sinnlichen Zugang ermöglicht. Weil verstellt ist, was drin ist. Man kann es bestenfalls erraten."

Lothar Ruff weiß ganz genau, wovon er spricht. Er hat seine Leidenschaft für englische Düfte zum Beruf gemacht und 1994 in Berlin "The English Scent" gegründet. Den ersten und einzigen Laden, der ausschließlich englische Düfte verkauft.

Man kann die traditionellen englischen Düfte, die vorwiegend für Männer gemacht wurden, mit den traditionellen englischen Gärten vergleichen. Auf den ersten Blick: Nur Natur pur. Erst bei näherer Betrachtung entfaltet sich eine natürliche Schönheit, die für den, der dafür empfänglich ist, nicht ohne Raffinesse ist.

"Der Ursprung der alten Düfte liegt in diesen Gärten", sagt Ruff. "In England hat jede Familie auf dem Land einen Garten. Die Gartenkultur ist sehr ausgeprägt. In jeder kleinen Grafschaft gibt es Manufakturen, die Rosen, Veilchen und Maiglöckchen züchten und den Duft verarbeiten. In England gibt es auch viele Lavendelfelder. Und Lavendel wurde - wie auch Flieder, Maiglöckchen oder Veilchen - auch von Herren immer wieder getragen." Anders als bei uns, wo diese Duftnoten lange Zeit für ältere Damen reserviert waren.

Aber nicht nur die Gärten, auch die Politik hat die englischen Düfte geprägt. In der Regierungszeit Königin Victorias (1837-1901) erlebte die englische Gesellschaft einen beispiellosen Wandel. Großbritannien wurde zu einem Weltreich, die Wirtschaft blühte, gesellschaftlich jedoch regierte eine strenge Moral. Extravaganzen waren nicht gestattet, bei den Düften für Damen dominierten Blumenthemen. Was der Sehnsucht nach Abenteuern, fernen Ländern und Exotik vermutlich erst recht Nahrung gab. Tatsächlich sind etliche klassische Düfte nicht frei von Einflüssen aus Indien oder aus der Karibik. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde zudem moderne Extraktionsverfahren angewendet, was die Bandbreite des Machbaren enorm erweiterte.

Nach wie vor sind die britischen Klassiker, so unterschiedlich die einzelnen Kompositionen auch sind, charmant und zeitlos, ladylike oder gentlemanlike, harmonisch, sophisticated. Niemals - Gott bewahre! - aufdringlich, nie langweilig. Billige Effekthascherei überlässt man anderen, hysterisches Geschrei auch. Die britischen Klassiker sind eigentlich genau das, was der Duftforscher Luca Turin über das Wesen eines Duftes sagt: "Eine Botschaft des Menschen, der ihn trägt." Traditionsbewusstsein und Individualismus, Bodenständigkeit und Pragmatismus, Exzentrik und Exklusivität bilden das Herz dieser Kreationen, die über Jahrhunderte nichts von ihrer Faszination verloren haben.

Obwohl, wie Lothar Ruff feststellt, es "schon erstaunlich ist, dass die meisten Engländer die schönen alten englischen Düfte gar nicht kennen. Die benutzen alles, was die Großindustrie anbietet." Das eröffnet, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist, die Chance, traditionelle Düfte wieder zu entdecken. Nicht weil sie den Geist des untergegangenen Empires atmen oder die Welt der Aristokratie wieder aufleben lassen, sondern weil sie Klassiker sind.

Und Klassiker immer aus dem Rahmen fallen. Vor allem in einer Zeit, in der die feine Tradition oft von lauter Geschäftigkeit mit Massenware verdrängt wird.


Adel verpflichtet.

Wer das Königshaus und den Hochadel beliefern durfte, der musste Außergewöhnliches anbieten. Sehr viele traditionelle Düfte waren Auftragswerke für die vornehme Kundschaft, die heute noch verkauft werden. Bemerkenswert ist, dass viele der ehrwürdigen Parfümhäuser mit Düften ursprünglich nicht viel zu tun hatten und etwa aus Barbershops hervorgingen. Penhaligon’s, gegründet 1870, war Hofbarbier und wurde zum Parfümeur von Königin Victoria. Auch Floris, 1730 gegründet, startete, ebenso wie Geo F. Trumper 1875, mit einem Laden für Kosmetikartikel für die perfekte Rasur eines Gentleman. Creed entstand 1760 und war zuvor die Lieblingsschneiderei von Königin Victoria. Einzig Grossmith etablierte sich 1835 als reines Parfümhaus. Zu den "Kronjuwelen" britischer Parfümkunst zählen Yardley (gegründet 1770) und Bronnley (1883). Nicht fehlen dürfen Woods of Windsor aus dem Jahr 1770 und D.R. Harris (Gründungsjahr 1790), die ursprünglich Apotheken waren. Asprey, 1781 in London als Seidendruckerei gegründet, kam spät auf den Geschmack von Duft und brachte erst 2004 "Purple Water" heraus.

Tradition & Moderne

Hoher Anspruch, erlesene Zutaten und ein ungewöhnlicher Zugang sind auch für die britischen Parfümeure von heute selbstverständlich. Bravourös erfüllt diese Pflicht Clive Christian, einer der bekanntesten Luxus-Innenausstatter Englands. Er hat 1999 die altehrwürdige, 1872 gegründete Crown Perfumery gekauft, um dort ausschließlich seine eigenen Parfums produzieren zu lassen. Sein Duft "No. 1" ist heute das teuerste Parfüm der Welt. Auf ungewöhnliche Weise kam auch Jo Malone zum Duft. Als Geschenk für ihre Gäste mixte sie fein duftende Öle, die bald so begehrt waren, dass sie 1994 ihre erste Boutique in London eröffnete. Ihr Markenzeichen sind reine Düfte, die man miteinander kombinieren kann. Die Marke Jo Malone ist heute Teil der Estee Lauder Companies. Bei Czech & Speake führt 1979 der Weg zu den duftenden "Aromatics" zuerst über die Herstellung luxuriöser Badezimmereinrichtungen. Relativ jung ist Linda Pilkingtons Duftlinie Ormonde Jayne, die seit 2002 auf dem Markt ist. Inspiriert von Reisen in fremde Länder und exotischen Ingredienzien entwickelte Pilkington außergewöhnliche Kreationen, für die nur natürliche Zutaten aus kontrolliertem Anbau verwendet werden. Äußerst vielversprechend und von raffiniertem Purismus sind die Arbeiten von James Heeley, der seine Karriere als Interiordesigner begann und seine Kreationen seit 2010 unter eigenem Namen und mittlerweile von Paris aus vertreibt. Der Kopf von Miller Harris, Gründungsjahr 2000, ist Lyn Harris. Ihre Düfte sind typisch britische Parfümeurskunst mit einer erfrischenden Brise Modernität. Sie bestehen vorwiegend aus natürlichen Rohstoffen, die mit synthetischen gemischt werden.

 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
0
 
KOMMENTARE (0)
 

Dieser Artikel kann nicht kommentiert werden