Die Farben der Schönheit
Von Ines Hinterkörner | 16.06.2012 - 06:53

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Das Streben nach Schönheit ist ein Phänomen, dass sich quer durch alle Kulturen und alle Zeiten zieht. Alte Kulturen betrachteten Schönheit als Geschenk der Götter, das ihnen Macht und Einfluss sicherte.
Sie lagen damit nicht falsch. Zu den stärksten Faktoren, die eine Frau laut Attraktivitätsforschung anziehend machen, zählen makellose Haut, große Augen, volle Lippen und ein fast symmetrisches Gesicht. Ist eine Frau nicht mit diesen Attributen ausgestattet, kann sie der Natur nachhelfen und mit Farben ihre Vorzüge zur Geltung bringen.
Also mit Kosmetik. Der Ausdruck Kosmetik stammt aus dem Griechischen und beinhaltet zugleich "Schönheit" und die "Kunst des Schmückens". Seit es Menschen gibt, haben sie sich bemalt, sich schön gemacht. Von der Bemalung des ganzen Körpers von einst ist - mit wenigen Ausnahmen - das Gesicht geblieben.
Legendär ist der Schönheitskult, dem man im alten Ägypten huldigte. 10.000 Jahre vor Christus benutzten Männer wie Frauen Farben, um ihre Gesichtszüge zu betonen. Lippen wurden gerötet, die Innenflächen der Hände und die Fußsohlen bemalt. Kunstvoll betont wurden die Augen. Man liebte mandelförmige Augen, weshalb sie mit einem Lidstrich umrandet wurden, der bis zu den Schläfen und zum Haaransatz verlängert wurde. Das diente nicht nur dekorativen (und hierarchischen) Zwecken, es sollte auch die Intensität des Blickes zwischen Göttern und Menschen verstärken.
Die kultivierte Griechin (500 vor Christus) liebte schneeweiße Haut, die sie durch Bleiweiß-Schminke erhielt. Die Römerin benutzte zur Abdeckung von Unreinheiten Schönheitspflästerchen, sogenannte "splenia". Auch sie schätzte helle Haut und färbte sich Wangen und Brauen.
Jede Kultur - mit Ausnahme des düsteren Mittelalters - formte sich mit Farben ihr eigenes Ideal von Schönheit. Farbe zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Bis heute. Wenngleich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schminken für anständige Frauen ein Tabu war und sich nur die Damen der Halbwelt mit fremden Federn schmückten. Mode, Filme und Hollywoodstars propagierten Idealbilder, denen die Frauen eifrig folgten. Der Siegeszug der dekorativen Kosmetik war nicht mehr aufzuhalten.
Beauty-Pionierinnen wie Helena Rubinstein (1870-1965) verkündeten: "Jede Frau kann schön sein. Wenn sie sich nur Mühe gibt." So hat die Kosmetik langsam, aber stetig das Selbstverständnis von Frauen (und neuerdings auch von Männern) mitgeformt.
Lange Zeit war dekorative Kosmetik etwas, das sich nicht viele leisten konnten. Entsprechend groß waren die Begehrlichkeiten. Heute haben Wissenschaft und Technik auch die Kosmetik erreicht. Schminksachen sind nicht nur in allen Farben und Texturen, sondern auch in allen Preisklassen erhältlich. Das Geschäft, das zu Beginn aus nicht viel mehr als aus Cold Cream, Lippenstift und Puder bestand, hat sich zu einer Industrie mit Milliardenumsätzen entwickelt. Kein Modehaus, kaum ein Hersteller von Pflege kann es sich leisten, dekorative Kosmetik nicht anzubieten.
Und heute? Das 21. Jahrhundert steht im Zeichen der Individualität. Die selbstverständlich mit immer neuen Farben betont werden will. Welche Farben das sind, bestimmen die Make-up-Artists großer Couture- und Kosmetikhäuser. Unsere grenzenlose Lust auf Farbe hat sie zu Stars gemacht, deren Trend-Looks sehnsüchtig erwartet und hymnisch gefeiert werden.
Wie entsteht ein Trendlook? Die Farben entstehen nicht auf dem Zeichenbrett, sondern basieren auf einer Mode, die eigentlich noch gar keine ist. Gut 18 Monate vor der Markteinführung ihrer Produkte werden alle großen Make-up-Häuser von den Modeschöpfern über Farbtrends informiert und erhalten Muster der neuen Modekollektionen. Basierend auf Ideen, die von "Modedetektiven" in der ganzen Welt gesammelt werden, wählen sie die Trends für den Look des nächsten Jahres aus. Diese Trendvorstellungen werden durch Fotos, Muster, Garne und Stoffe der neuen Modekollektionen visualisiert und an Designer und Hersteller verkauft, die sich davon für ihre Kollektionen inspirieren lassen.
Die Farben des Make-ups, die ja wie die Kleidung die nackte Haut der Frauen schmücken, werden mit den Farben der Mode abgestimmt. Um sie zu unterstreichen, zu betonen oder einen Kontrast zu ihr zu bilden.
Die Trend-Looks des Sommers
Für die Sommer-Looks bedeutet das vor allem, mit Hilfe von Make-up-Produkten einem zarten, aber auch intensiv gebräunten Teint zu zu kreieren. Etwa mit Bräungungspudern mit verschiedenen Nuancen, die gemischt werden können und auf der Haut verschmelzen, so dass auf der Haut ein ganz natürlicher Look entsteht. Die Puder gleichen den Teint aus, ihre Farben ermöglichen aber auch das Setzen von Highlights, etwa auf den Wangen.
Auf dieser Basis schimmern die Farben für Lippen, Augenlider, Nägel und Wangen mit der Sonne um die Wette. Etwa intensiven Korallentönen, aber auch in Sand- und Gewürzfarben oder den heuer sehr angesagten "Wasserfarben", verschiedenste, von dramatisch-kühl bis dezent reichenden Blautönen. Wangen werden mit Pfirsich- oder Rosetönen betont, die Wimpern in der Trendfarbe Blau getuscht. Das bringt die Augen richtig zum Strahlen.
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