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Der Erfinder des Billigautos Tata tritt ab

Von Willi Germund (sn) | 28.12.2012 - 00:00

Wandel. Indiens größter Privatkonzern wird nicht mehr von einem Familienmitglied gelenkt.

Der Erfinder des Billigautos Tata tritt ab

Ratan Tata und sein Geschöpf Nano, das billigste Automobil der Welt. Bild: SN/



Historischer Wandel bei Indiens größtem Privatkonzern: Ratan Tata, seit 21 Jahren Chef von Tata Sons, wird heute, Freitag, 75 und nimmt seinen Hut. Die Nachfolge bei dem 144 Jahre alten Familienunternehmen, das von Salz über Stahl bis zu Autos und Software nahezu alle für einen Menschen notwendigen Waren produziert, übernimmt der 44-jährige Cyrus Mistry. Wie sein Vorgänger Tata gehört er zu der kleinen Parsi-Sekte in der Wirtschaftsmetropole Mumbai. Aber er ist kein Tata, und damit wird der Konzern mit rund 100 Mrd. Dollar (75 Mrd. Euro) Jahresumsatz erstmals in seiner Geschichte nicht mehr von einem Mitglied der Gründerfamilie geführt. Tata Sons zahlt jährlich drei Prozent aller indischen Unternehmenssteuern, fünf Prozent aller Verbrauchssteuern und repräsentiert sieben Prozent des Aktienmarkts.

Lang hatte der unverheiratete, kinderlose Tata nach einem geeigneten Nachfolger gesucht und niemand gefunden. Die Wahl fiel mit Cyril Mistry schließlich auf einen Mann, dessen Familie mit 18,5 Prozent an der Tata-Gruppe beteiligt ist. Ratan Tata hatte die Führung des Unternehmens zu einem Zeitpunkt übernommen, als Indien der finanzielle Ruin drohte und das Land sich international öffnen musste. Der Autoliebhaber Tata, der in der Garage unter seinem Luxusappartement in Mumbai klassische Sammlerstücke auf vier Rädern geparkt hatte, gehörte zu den indischen Wirtschaftskapitänen, die am besten mit den Regeln der wirtschaftlichen Globalisierung zurechtkamen. Schließlich hatte er einst als Architekt in den USA gelebt.

Nach der Jahrtausendwende begab sich der Konzern auf einen internationalen Shopping-Trip, bei dem rund 20 Mrd. Dollar ausgegeben wurden. Gekauft wurden Stahlwerke wie Corus, das sich als Milliardenloch erwies, und Autofirmen wie Jaguar Land Rover.

Autos blieben die große Leidenschaft von Tata - und er wird als Erbauer des billigsten Autos der Welt in die Automobilgeschichte eingehen. Der Nano erwies sich zwar als Flop bei den 1,2 Milliarden Indern und machte Schlagzeilen, weil hier und da ein Modell ohne sichtbaren Grund in Flammen aufging. Dem Ruf des Konzern schadete das wenig. Die Bilanz des Familienunternehmens ist aber durchwachsen. Laut Berechnungen des "Economist" macht der Konzern rund zehn Prozent Profit auf das eingesetzte Kapital in Höhe von 58 Mrd. Dollar. Es gibt aber auch Probleme, etwa im Telekommunikationssektor, wo seit 2007 drei Mrd. Dollar Verlust anfielen. Die Hotelkette Taj ist hoch verschuldet und macht kaum Profit. Die Gesamtschulden des Konzerns belaufen sich auf 26 Mrd. Dollar. Aber Tata wehrte sich gegen das westliche Sanierungsrezept "Killen, bereinigen oder verkaufen". "Unsere Aufgabe ist der Aufbau der Nation, die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Erlernen technischen Wissens", zitiert das britische Wirtschaftsmagazin einen Manager des Unternehmens.

 
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