Von Beamten und "Tanten"
Von Sylvia Wörgetter | 22.06.2012 - 12:04
Zwei SN-Schlagzeilen dieser Woche: "Höheres Gehalt für Topbeamte" lautete die eine, "Im Kindergarten gärt es" die andere. Beide Male ging’s ums Geld. Die Beamten bekamen es, die Kindergartenpädagoginnen wieder nicht.
Die Landesregierung hat durch die Hintertür und ohne lange Diskussion die bereits abgeschaffte Dienstklasse 9 im Salzburger Magistrat samt Spitzengehalt um die 10.000 Euro brutto wieder eingeführt. Die berechtigte Forderung der Kindergartenpädagoginnen nach einer angemessenen Entlohnung aber wird seit Langem abgeschmettert.
Nun ist eine funktionierende, effiziente und unbestechliche Verwaltung ihr Geld wert. Sozialneid gegenüber der Beamtenschaft ist daher nicht angebracht. Der Ruf nach Gerechtigkeit hingegen schon: Der Verdienst, den Kindergartenpädagoginnen erhalten, steht in keinem Verhältnis zu ihren Verdiensten. Und schon gar nicht verdienen sie den Umgang, den die Regierenden mit ihnen pflegen. Eine Pädagogin beschreibt ihn so: "Wir reden seit Jahren gegen die Wand."
Kindergartenpädagoginnen sollen beinahe Unmögliches leisten: Sie sollen den Kindern soziales Verhalten und Deutsch beibringen, sie zur Schulreife bringen, ihnen dabei helfen, soziale Gräben zu überwinden und Wunden auszuheilen, die ihnen in ihren Familien beigebracht wurden. Diese Leistungen stehen jenen von Beamten der Hoheitsverwaltung in nichts nach. Warum also werden die einen mit ihren Forderungen gehört, die anderen nicht?
Vielleicht liegt es daran, dass Beamte näher dran sind an der Politik. Die meisten Politiker, die über die Gehälter anderer entscheiden, sind wie die Spitzenbeamten männlich, jenseits der 40 und meist mehr interessiert an Karriere als an Kindern. Was man kennt, das schätzt man. Und schätzt es auch höher ein.
Zudem haben Kindergartenpädagoginnen nicht dieselbe Lobby wie Spitzenbeamte. Sie haben zwar teils dieselbe Gewerkschaft; diese machte sich in dieser Woche auch einmal stark für sie. In der Regel aber teilen Spitzengewerkschafter die Lebensrealität von Spitzenpolitikern und Spitzenbeamten und diese ist, wie gesagt, nicht sehr nahe an der professionellen Kinderbetreuung.
Deshalb haben Politiker zum Teil noch gar nicht mitbekommen, dass die Arbeit in einem Kindergarten keine ist, die von "Tanten" erledigt wird, sondern von gut ausgebildeten Spezialistinnen des Bildungssystems. Vielleicht merken sie es erst, wenn die Kindergärten einmal geschlossen bleiben - wegen Streiks.
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