Kolumne  

via konkret

Kolumne | via konkret

Raum ohne Grenzen

|

Die Trennung zwischen Stadt und Umland gibt es schon lang nicht mehr. Sie existiert aber in den Köpfen der Politiker. Leider.

Zuerst ging es "nur" um die Frage, ob Red Bull auf dem Areal der Rainerkaserne in Elsbethen das Headquarter des Weltkonzerns errichten darf oder ein Salzburger Immobilienentwickler Wohnungen. Geworden ist daraus eine Auseinandersetzung, die lang vermieden wurde, aber umso dringlicher ist: Es geht um die Autonomie der Gemeinden und die Bedürfnisse ihrer Bürger auf der einen Seite. Und es geht, auf der anderen Seite, um die Bedürfnisse einer größeren Allgemeinheit - nach Wohnungen etwa.

Die Landbürgermeister sagten sinngemäß: "Wir bauen und widmen, was wir wollen und was gut für unsere Gemeindebürger ist." Aus der Stadt war zu hören: "Macht Platz, denn wir platzen aus allen Nähten." Kurz gesagt: Man war in jenem Fahrwasser, in dem jede Raumordnung den Bach runtergeht.

Vielleicht hilft es, einmal außer Streit zu stellen, was nicht zu leugnen ist.

Da ist die Tatsache, dass die Stadt Salzburg und ihre Umlandgemeinden zusammenwachsen. Wer beispielsweise von Wals kommend in die Landeshauptstadt fährt und Richtung Elsbethen wieder hinaus, kann kaum unterscheiden, wo die Stadt endet und das Land beginnt. Stadt und Umlandgemeinden bilden nun einmal einen gemeinsamen Ballungsraum mit allen gemeinsamen Problemen.

Woraus Tatsache zwei folgt: Was der eine tut, hat Auswirkungen auf den anderen. Einkaufszentren, die eine Gemeinde auf die grüne Wiese bauen lässt, bringen ihr viel Geld - und der ganzen Region ein Verkehrsproblem. Man denke an die Erfahrungen aus Eugendorf. Gleichzeitig finden Menschen aus der Stadt dort Arbeit und Einkaufsmöglichkeiten.

Der umgekehrte Fall: Bekommt die Stadt die überbordenden Wohnungspreise nicht in den Griff, steigt der Siedlungsdruck auf die Umlandgemeinden ins Unermessliche. Verständlich, wenn Bürgermeister um die Identität ihrer Dorfgemeinschaft fürchten und sich dagegen wehren, ihre Kommunen zu Schlafgemeinden werden zu lassen. Gleichzeitig aber nutzen auch ihre Gemeindebürger alles, was die Stadt zu bieten hat - Schulen, Uni, Jobs, Kultur und Öffis.

Fast unnötig zu sagen, dass die Wünsche der Menschen in Stadt und Umland dieselben sind: Sie wollen in einigermaßen intakter Umwelt leben, nicht allzu weit entfernt vom Arbeitsplatz und zu angemessenen Preisen. Dafür haben die Politiker von Stadt, Gemeinden und Land Sorge zu tragen. Das Instrument dazu ist die Raumordnung. Sie nutzen es - man denke an die Verkehrsprobleme, die Wohnungsnot und die Abwanderung der Jugend - nur höchst unzureichend. Die sprichwörtlichen Kirchtürme stehen im Weg.

Was hilft, ist auf den Kirchturm zu steigen, es darf auch der Rathausturm sein. Von oben sieht man weiter als bis zur eigenen Gemeinde- oder Stadtgrenze. Man sieht: Es geht nur gemeinsam.

 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
3
Dieser Artikel kann nicht kommentiert werden
 
KOMMENTARE (3)
 

bauer.anton

24.07.2013
13:25 Uhr

Richtige Erkenntnis. Im Rahmen der Grünlanddeklaration wurde vereinbart, ein 200m breiter Streifen entlang der Stadtgrenze. Er ist baufrei zu halten. Dadurch z,B, ist leicht die Grenze zu Elsbethen zu erkennen.Dieser Streifen liegt aber auf der Stadt-Seite. Hurra für die Umlandgemeinden, denn diese haben damals sofort mit dem Bebauen bis an die Stadtgrenze begonnen. Die Stadt hatte damit das Nachsehen und damit den schwarzen Peter. Eine Besserung kann nur in der Änderung der Grünlanddeklaration

Kommentar melden!

 

Franz Dorn

20.07.2013
10:16 Uhr

Es kann nur so sein, dass die Umlandgemeinden in die Stadt eingemeindet werden. Es kann doch nicht sein, dass diese alle Vorteile der Stadt genießen und zu den reichsten Gemeinden des Staatsgebietes gehören, der Stadt selbst aber sämtliche Nachteile bleiben. Auch Gnigl, Maxglan usw. waren einmal eigene Gemeinden und wurden eingemeindet. Es ist höchste Zeit, dass darüber nachgedacht wird!

Kommentar melden!

 

Summsi

22.07.2013
11:37 Uhr

Ich denke nur daran, dass die Stadt Salzburg den Elsbethner Bauhof nutzen wollte. Gute Idee, nur: Die Stadt Salzburg weigerte sich auch nur einen Cent mit zu zahlen. Tatsächlich hat die Stadt Salzburg deswegen ein Wohnungsproblem, weil es niemanden gibt, der überprüft ob die Käufer von Wohnungen auch Personen mit HWS in Salzburg sind. So kaufen sich EU-Bürger in der Stadt (zB Parsch, Aigen) überall ein, der Rehrlplatz ist nicht für geförderten Wohnbau, sondern für Superreiche!!!

Kommentar melden!