Lehren aus einer Erregung
Von Sylvia Wörgetter | 17.08.2012 - 21:57
Ja, sie war fallweise chaotisch und zu Anfang hat sie wohl tatsächlich Stammkunden der Salzburger Innenstadt abgeschreckt. Unterm Strich aber könnte sie sich noch als Segen erweisen: Die Rede ist von der gestern zu Ende gegangenen Sommerregelung, wonach das Neutor während der Mittagsstunden für Autos zu ist. Die temporäre Sperre hat nämlich Erstaunliches ausgelöst - den lauten Ruf nach einer dauerhaften Verkehrsberuhigung der Innenstadt!
Das ist genau das, was die Stadt - Kaufleute wie Bewohner - braucht: eine verlässliche, dauerhafte Regelung, die jeden Tag gilt und nicht nur wenige Wochen während der Festspielzeit. Eine Regelung, auf die man sich verlassen kann, die flankiert wird von in die Stadt rollenden Shuttle-Bussen und einer breiten Informationskampagne.
In diesem Sommer haben vielleicht alle ein bisschen gelernt: Verkehrsstadtrat Johann Padutsch, dass Zusperren ohne Begleitmaßnahmen eine sinnvolle Maßnahme sinnlos diskreditiert; Bürgermeister Heinz Schaden, dass ohne gutes Geld keine gute Lösung - eben inklusive Begleitmaßnahmen wie Info-System - zu haben ist. Manche Innenstadtkaufleute oder die, die sich für ihr Sprachrohr halten, könnten erfahren haben, dass Jammern noch kein Konzept ist, ein Verkehrskonzept schon gar nicht. Und dem Wirtschaftsbund dürfte aufgegangen sein, dass die Bevölkerung es nicht goutiert, wenn Menschen in einer Plakataktion an den Pranger gestellt werden.
Somit dürfte nun trotz Sommerhitze eine Abkühlung der Gemüter eingetreten sein. Und das ist die Basis dafür, jetzt Nägel mit Köpfen und eine Verkehrsberuhigung mit Hirn zu machen. Es wäre eigentlich ganz einfach. Erstens, man definiert ein Ziel. Es könnte lauten, dass die Innenstadt zur Flaniermeile statt zur Stauzone werden soll.
Zweitens bekennt man sich zu dem Grundsatz, dass nicht jeder in der Innenstadt mit dem eigenen Pkw fahren kann, wie und wann er will, weil dafür einfach der Platz fehlt. Nur wer dieser Minimalerkenntnis zustimmen kann, sitzt bei den Verhandlungen mit am Tisch, alle anderen nicht.
Und drittens wird von diesem Tisch nicht eher aufgestanden, bis eine Lösung gefunden ist, die Bestand hat.
So schwer kann das eigentlich nicht sein. Einerseits. Andererseits weiß man das in Salzburg beim Thema Verkehr natürlich nie.
sylvia.woergetter@salzburg.com
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